Die Schicksalswahl in uns selbst…

6. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

„Europa erstickt immer mehr an seinen Verdrängungen, Konventionen und einer Scheinmoral, die den Konsum predigt, um ihn besteuern zu können.“ (Reinhold Messner) Und schon wieder ist am Sonntag so eine angebliche „Schicksalswahl“…

Am Sonntag, so heißt es, werde darüber entschieden, wie es in Europa weitergeht. Wieder einmal. Bei Licht besehen liegen die Dinge beim Urnengang am Sonntag in Frankreich allerdings völlig anders als bei der EU-Abstimmung der Briten im Vorjahr oder auch bei den US-Präsidentschaftswahlen im November:

Es ist zu erwarten, dass diesmal das „gewünschte“ Wahlergebnis eintreffen wird, und Emmanuel Macron tatsächlich das Rennen macht. Man kann das verstehen: Jemanden der dafür sorgen wird, dass andere immerzu für die eigenen Bedürfnisse und Interessen zahlen, dem würden sie garantiert auch hier zu Lande auf den Leim gehen.

Dazu ein lesenswerter Beitrag von Gerd Held für Tichys Einblicke. Dort stellt der Autor fest:

„Gleich im ersten Punkt von Macrons Wahlmanifest heißt es: „Um viel mehr als heute investieren zu können, wollen wir ein Eurozonen-Budget“, das von einem Parlament der Eurozone beschlossen und von einem Wirtschafts- und Finanzminister der Eurozone umgesetzt wird.

Macron schlägt gemeinsame Anleihen aller Euro-Länder (Eurobonds) vor, die Vollendung der „Bankenunion“ durch eine gemeinsame Einlagensicherung, sowie eine gemeinsame EU-Arbeitslosenversicherung. Lauter Vergemeinschaftungen also. Würden sie verwirklicht, wird die EU definitiv zur Transferunion. Der Euro-Liberale entpuppt sich als Euro-Sozialist“.

Mit anderen Worten: Bei einem Wahlsieg von Emmanuel Macron wird Deutschland für viele Jahre zum Zahlmeister für ganz Europa „befördert“ werden. Erste recht, sollte mit Martin Schulz im September der abgefeimteste Sozi Europas Bundeskanzler werden. Denn der hatte in einer Art vorauseilendem Gehorsam schon vor Jahren angekündigt, wie er sich die Zukunft Deutschlands vorstellt. Dazu ein Artikel aus der „Welt“:

„Schon 2010 sprach sich Schulz für die Einführung von Bonds, die durch die europäischen Institutionen besichert sind, aus, um die Euro-Krise zu lösen. Damit grenzt er sich nicht nur von Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, die am Donnerstag ihre Ablehnung von Eurobonds erneut deutlich gemacht hat. Diese Art einer Vergemeinschaftung der Schulden ist auch bei einer Vielzahl von Wählern unpopulär. Nach einer EU-Umfrage unterstützen lediglich 24 Prozent der Befragten in Deutschland die Einführung von Eurobonds“.

Jetzt aber erst einmal Emmanuel Macron. Sobald deutlich wird, was dessen Euro-Sozialismus für Deutschland bedeutet, nämlich eine Art Wiederbelebung von Versailles, dürfte sich die Tonlage zwischen Paris und Berlin deutlich verschärfen. Konflikte der beiden europäischen Wirtschaftsgroßmächte werden damit sozusagen alternativlos. Und auch eine Verschärfung der Krisenlage in Europa.

Der ganze Vorgang ist ein Treppenwitz der Geschichte: Ohne es zu ahnen stimmen Macron-Wähler schon heute für Marine Le Pen ab. Denn sollte sich die Krise weiter zuspitzen, was bei einem „Weiter so“ der aktuellen europäischen Katastrophenpolitik so sicher ist wie das Amen in der Kirche, dann werden die Wähler in fünf Jahren „revolutionären Kräften“ wie dem Front National die Bude einrennen.

An der Stelle kann man einmal innehalten.

Manipulierte Wahlen! Schulden! Geldsystemkrise! „Rettungspakete“! Krieg!

An manchen Tagen hängt mir das alles derart zum Hals heraus, dass ich am liebsten auswandern würde.

Ein völlig anderes Leben. Dazu mal ein paar Fragen:

Gibt es nicht auch andere Formen des Daseins, als die Jagd nach Geld und Konsum, die wir mit unserer „westlichen Wertegemeinschaft“ zum Allheilmittel und zum einzig möglichen Lebensentwurf hochstilisiert haben?

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner hat das in seinem biographischen Buchtitel „Über Leben“ mit einem einzigen Satz sehr zutreffend auf den Punkt gebracht:

„Europa erstickt immer mehr an seinen Verdrängungen, Konventionen und einer Scheinmoral, die den Konsum predigt, um ihn besteuern zu können.“

Was für ein Satz! Den Konsum predigen, um ihn besteuern zu können! Kann man besser ausdrücken, was die Menschen in Europa umtreibt? Politiker, Wähler, Medien, uns alle…

Also auf und davon. Auswandern, in ein anderes Land, wo der neueste Flachbildschirm niemanden interessiert, und auch nicht das neueste IPhone.

Bhutan fällt mir da ein, ein Land im Himalaya, das so völlig anders ist als alles, was wir Europäer kennen. Bei der Lektüre des folgenden Beitrags habe ich mich gefragt: Sind wir eigentlich noch normal oder sind es die Menschen im fernen Bhutan?

Doch so einfach scheint das dann doch nicht zu sein mit dem Auswandern: Ein Freund von mir lebt seit einiger Zeit in Paraguay. Dort soll es zwar recht angenehm sein. Aber immerzu Sommer und schwüle Hitze? Kein Gebirge weit und breit, jedenfalls kein echtes, und kein Schnee im Winter?

Das klingt manchem dann doch etwas eintönig. Und in Bhutan ist die Einreise nur für Touristen und Gäste der Regierung möglich.

Womöglich finden wir die Antwort auf all diese Fragen am Ende ja doch nur in uns selbst.

Das wäre in der Tat einmal ein Aspekt, über den man nachdenken könnte – ganz gleichgültig, wie die Wahl am Sonntag wieder ausgeht, und was sie uns anschließend in den Medien wieder alles erzählen.

Machen wir doch einfach mal einen Punkt. Am Sonntag. Und nur für uns selbst…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

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Ein Kommentar auf "Die Schicksalswahl in uns selbst…"

  1. Otto sagt:

    Werter Herr Hoose,

    „Damit grenzt er sich nicht nur von Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, die am Donnerstag ihre Ablehnung von Eurobonds erneut deutlich gemacht hat..“

    Die verlässliche Frau Merkel…..
    So wie Sie das schreiben, habe ich den Verdacht, Sie glauben der Frau wirklich, was sie sagt.

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