Die Schatten von 1929…

25. März 2014 | Kategorie: Gäste

von Andreas Hoose

Wie heißt es so schön: Wer aus der Geschichte nicht lernt, der ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Die Geschichte ist immer wieder ein vorzüglicher Ratgeber…

Insbesondere dann, wenn außergewöhnliche Entwicklungen zu beobachten sind, lohnt es sich, einmal einen etwas genaueren Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Heute wird uns gerne erzählt, die US-Notenbank habe aus den Lehren der Großen Depression der 1930er Jahre ihre Schlüsse gezogen. Ähnliche Fehler wie damals seien heute vollkommen ausgeschlossen, weil die Fed aus ihren eigenen Versäumnissen und den daraus resultierenden katastrophalen Entwicklungen gelernt habe. Insbesondere der soeben verabschiedete Ex-Notenbankchef Ben Bernanke gilt als ausgewiesener Experte in allen Fragen der Großen Depression. Bernanke habe die Depressionsjahre sehr aufmerksam studiert, heißt es. Ach so.

Dem aufmerksamen Studenten scheint dabei ein wichtiger Umstand entgangen zu sein: Der spekulativ getriebene Börsenwahn des Jahres 1929 hatte auch deshalb die nachfolgende schwere Wirtschaftsdepression der 1930er Jahre ausgelöst, weil die US-Notenbank zur Unzeit die Geldschleusen dicht gemacht hatte. Jedenfalls ist das heute eine gängige Erklärung. Daneben wird bis heute kontrovers diskutiert, ob auch die vorangegangene Flutung der Wirtschaft mit „Falschgeld“ eine bedeutende Rolle gespielt haben könnte.

Aus heutiger Sicht waren vermutlich beide Faktoren mit dafür verantwortlich, dass aus dem Börsencrash des Jahres 1929 jene Wirtschaftsdepression wurde, die letztlich erst mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der damit verbundenen neuerlichen Kreditexpansion beendet wurde.

Warum ist das im heutigen Kontext wichtig? Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass wir es heute gleichfalls mit einem spekulativ getriebenen Börsenboom zu tun haben, der maßgeblich durch „Falschgeld“ befeuert wird, das die Banken aus dem Nichts geschaffen haben.

Unsere These lautet, dass die US-Notenbank heute dabei ist, exakt den gleichen Fehler zu begehen wie vor rund 80 Jahren: Da sich die Konjunktur in den USA trotz niedrigster Zinsen bislang nicht nachhaltig erholen konnte, kommt eine Drosselung der Geldflut heute möglicherweise ebenso zur Unzeit, wie das damals der Fall war. Die folgenden Abbildungen zeigen die ECRI-Frühindikatoren (oben), den Index der Notenbank von Philadelphia (Mitte) sowie die Hypothekenanträge in den USA (ganz unten). Von einem Boom ist nirgends etwas zu sehen. Vom Gegenteil schon sehr viel eher…

ECRI ab 1968Philly Fed ab 1968Hypothekenanträge März

Doch bekanntlich hat die Notenbank erst in dieser Woche angekündigt, die Geldzügel mittelfristig wieder straffen zu wollen. Auch das „Tapering“ soll erwartungsgemäß, fortgeführt werden. Die Anleihenkäufe der Fed werden also zurückgefahren – obwohl aus konjunktureller Sicht eigentlich das genaue Gegenteil notwendig wäre.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob diese Verbarrikadierung der Geldschleusen jetzt womöglich ganz bewusst herbeigeführt wird, um das Kapital aus den Aktienmärkten in die Anleihemärkte umzuleiten. Die Turbulenzen in den Emerging Marktes zu Jahresbeginn haben bereits erahnen lassen, was diese Straffung der Geldpolitik zur Folge haben könnte: Die Aktienmärkte geraten in schwere See – und die Zinsen in den hochverschuldeten Vereinigten Staaten bleiben niedrig. Wie praktisch…

Sollte genau dies allerdings das Ziel der „Geldhüter“ sein, dann ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende. Auch das zeigt uns das Jahr 1929…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenrbrief

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar