Die Sache mit dem Verfallsdatum

21. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Sparen ist schwierig, weniger ausgeben als man einnimmt ohnehin. Das nächste Ärgernis wartet auch schon: Wohin künftig mit den Ersparnissen?

Die letzten zehn Jahre waren die Dekade von Sparbuch und Gold, was nicht heißt, dass es künftig so bleibt. Wer orientiert sich schon nach vorn im Rückspiegel mit verklebter Windschutzscheibe? Ha! Die meisten. Am besten ist, man meidet verderbliche Ware als Wertaufbewahrungsmittel. Ich hatte es mal mit Alpenveilchen versucht. Der Komposthaufen war sehr glücklich.

Experten sagen, Erspartes soll sicher sein. Taugen Bar – oder Termingeld und Lebensversicherungen als Wertspeicher? Jährlich werden den Versicherern 177 Milliarden Euro dafür überwiesen. Sie investieren es meist in Anleihen und in der Hoffnung, dass der Schuldner auch künftig noch zahlen wird. Und dann geht es schief wie damals, als meine Alpenveilchen die Blätter hängen ließen. Was ist das? Jetzt, da die EU  den Handel mit „spekulativen Wertpapieren“ verbieten will, fragt man sich, ob das auch auf Staatsanleihen zutrifft, von denen einige ihr Verfallsdatum überschritten haben. Es riecht wie damals mein Komposthaufen.

Alles sicher? Versicherungen legen die Hälfte der Gelder in Bankanleihen an. Ganz sicher! Jedenfalls, solange die „Retter“ unterwegs sind, also Regierungen und die EZB als deren Financier. Sie gießen Finanzmärkte wie ich früher Alpenveilchen. Es geht wohl nicht anders, heißt es. Die Entscheidung steht in den nächsten Wochen an, ob die EZB den letzten Retter spielt. Sie muss sich entscheiden: Inflation und Chaos im Geldbeutel oder Chaos auf den Straßen. Was ist schlimmer?

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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12 Kommentare auf "Die Sache mit dem Verfallsdatum"

  1. Avantgarde sagt:

    Merci!

    „Die Entscheidung steht in den nächsten Wochen an, ob die EZB den letzten Retter spielt.“

    Wenn sie es nicht tut dann wird es vielleicht bald nichts mehr zu verteidigen geben…
    Die Abstufung Frankreichs war bekanntlich bereits geschrieben – und „versehentlich“ verschickt – also wenn das keine Warnung war…

    Schafft die EZB die Märkte davon zu überzeugen, daß sie alles täte – aber es vielleicht gerade deshalb nicht tun muß.
    Dann fokusierte sich der Blick vielleicht wieder Richtung USA.

    Europa wäre gut beraten sich einig und geschlossen zu präsentieren.

    Denn auch im Finanzcasino gilt:
    -Ihre Einsätze bitte-
    -Rien ne va plus-

  2. retracement sagt:

    Nix Chaos. Nirgends. Schau doch mal aus dem Fenster. Is was? Rede mit den Leuten im Supermarkt an der Kasse. Nun gut, in Sachen Defla wirds ausser den Reichen alle anderen sauber durchschütteln. Mit etwas Besitzstandwechsel (endlich mal wieder drei Substantive) wird das dann auch wieder. Genug gespasst.

    Nein, es geht schon um eine ganz andere Wurst da draussen. Und wenn die vom Stöckchen fällt kriegen eben gar keine Hunde mehr was zu fressen. Ich meine damit schlicht und einfach den Wirtschaftskreislauf. Ist ja ständig überzuckert und mit Hochdruck. Mediziner hätten schon lange abgewunken.

  3. auroria sagt:

    „Sie [EZB] muss sich entscheiden: Inflation und Chaos im Geldbeutel oder Chaos auf den Straßen. Was ist schlimmer?“

    Peter Boehringer hat einen längeren Artikel zu der Wahl zwischen Pest und Cholera geschrieben:
    http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2011/11/18/drucker-draghis-zielgroesse-1000-mrd-eur

    Er hat auch aufgegeben:
    „Da wir aber den letzten Umkehrpunkt inzwischen wohl auch für den Sonderfall Deutschland verpasst haben, strecke nun auch ich die Waffen“
    und so weh es tut, ich bin geneigt ihm zuzustimmen.

    Wiederhole aber meine Frage hier, wenn die Monetarisierung der Schulden eh nicht mehr aufzuhalten ist, sollten wir dann nicht schnell noch in Infrastruktur investieren?

    • FDominicus sagt:

      Chaos auf den Straßen bringt irgendwann funktonierende Märkte hervor. Aber Chaos im Geldbeutel, keine funktionierenden Geldmärkte. Also wird es wohl besser sein Chaos auf den Straßen zu haben….

      • Avantgarde sagt:

        Eine blanke Hypothese – ebenso gut kann eine Diktatur daraus hervorgehen.
        Niemand weiß was geschieht wenn solche Dinge eine Eigendynamik entwickeln.

        Und „irgendwann“ sind wir eh alle tot…

    • Avantgarde sagt:

      „Wiederhole aber meine Frage hier, wenn die Monetarisierung der Schulden eh nicht mehr aufzuhalten ist, sollten wir dann nicht schnell noch in Infrastruktur investieren?“

      Da bin ich mal ganz bei Dir 🙂

      Denn es stimmt zwar, daß im schlimmsten aller Fälle das dort investierte Kapital verloren ist – siehe Häusermarkt Japen,USA,China(kommt noch).
      Aber wenigstens sind die Brücken, Straßen, Telekommunikationswege, Stromleitungen etc. anschließend noch da.

      Das große Problem für die Amis wird eines Tages sein, daß NICHTS mehr vorhanden bzw. alles verfallen ist – da werden z.T. bereits die Straßen geschottert.

  4. MARKT sagt:

    Dem Chaos im Geldbeutel wird erst das Chaos auf den Straßen folgen. Es ist also kein entweder oder sondern wir bekommen gleich beides. (fast wie im Schlaraffenland)

  5. mfabian sagt:

    Ich werde oft sinngemäss gefragt: Ich habe 100 Geldvermögen. Wieviel soll ich davon in Edelmetallen anlegen? 10%? 20?

    Ein normaler Anlageberater würde wohl zu 5-10% raten. 20% ist bei den meisten schon die Obergrenze, Marc Faber empfiehlt 25%.

    Aber das Problem: Mal angenommen jemand legt 25% in Gold, Silber und Platin an. Was macht er dann mit den restichen 75%? Welche Anlage kann man ihm ruhigen Gewissens empfehlen?

    Cash kann es ja nicht sein. Anleihen erst recht nicht. Aktien könnte ich auch niemandem mit ruhigem Gewissen empfehlen und Immobilien lassen sich nicht über einen Kamm scheren.

    Kurz: Langsam aber sicher gehen uns vernünftige (= gutes Risiko-Preisverhältnis) Investitionen aus.

  6. Johannes sagt:

    Apropos Verfallsdatum, überlege mir ernsthaft, die Griechen- Anleihen mit „Verfall“ 18.05 2012 zu kaufen.

    Viel daneben gehen kann ja eh nimma. 😉

    • pat sagt:

      Gute Verzinsung hätte man zumindest.

      Das Problem ist meines erachtens nur, dass, ob Griechenlad pleite geht oder nicht, ein politisches Spiel ist, bei dem Sie der letzte in der Informationskette sind…

  7. pat sagt:

    >> Die Entscheidung steht in den nächsten Wochen an, ob die EZB den letzten
    >> Retter spielt. Sie muss sich entscheidenpr: Inflation und Chaos im
    >> Geldbeutel oder Chaos auf den Straßen. Was ist schlimmer?

    Einspruch Euer Ehren. Warum sollte Chaos auf der Straße sein, wenn die EZB kein Geld druckt? Doch auch wegen Choas im Geldbeutel. Nur geht es in dieser Version schneller und vermutlich langfristig glimpflicher vonstatten.

    Ökonommie hat auch gewisse „Naturgesetze“ (auch wenn viele, insbesondere in der Politik, das nicht wahrhaben wollen). Je länger diese Gesetze gebeugt werden, desto mehr Energie staut sich an, die sich anschließend in die Gegenrichtung entlädt.

    Das wird bei den Edelmetallpreisen genauso sein wie bei der Insolvenzverschleppung einiger EU Staatten.

    Lieber ein Ende mit Schrecken als schrecken ohne Ende, wie der Volksmund so schön sagt.

    Exponentielles Wachstum (was der Zins mit Zinseszins darstellt: Kn=K0*(1+i)^n) funktioniert mit einer endlichen Resource, was die Erde darstellt, auf Dauer einfach nicht. Deshalb ist der Reset einprogrammiert. Die Finanzelite weiß das und versucht deshalb diese turbulenten Zeiten für ihre Ziele zu instrumentalisieren.

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