Die Rufe, Amerika zurück zum Goldstandard zu bringen, werden lauter.

1. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Die Vereinigten Staaten von Amerika sollen zurückgeführt werden auf den Goldstandard – darauf drängen zumindest einige in den Reihen der Republikanischen Partei. Die Forderung hat Gehör gefunden. Im angelaufenen US-Präsidentschaftswahlkampf will die Republikanische Partei eine „Gold-Kommission“ beauftragen, um eine mögliche Rückkehr des US-Dollar zum Goldstandard zu untersuchen…

Die Initiative wurde vom (eigentlich ganz und gar nicht republikanischen, son-dern vielmehr durch und durch libertären) Kongressabgeordneten Dr. Ron Paul auf den Weg gebracht. Ron Paul war es auch, der öffentlichkeitswirksam dafür eintritt, die US-Zentralbank einer laufenden Kontrolle zu unterwerfen (die Über-schrift dafür lautet: „Audit the Fed“).

Das Vorhaben, Amerika zurück zum Goldstandard zu bringen, klingt vermutlich für viele – vor allem wohl für diejenigen aus dem Lager der unbedingten Papiergeldbefürworter in der Banken- und Finanzbranche und der Mainstream-Ökonomik – geradezu abenteuerlich. Doch in historischer Perspektive scheint das ganz und gar nicht revolutionär zu sein.

Der US-Dollar ist nämlich sprichwörtlich auf Gold und Silber gebaut. Er wurde nach dem Münzgesetz vom 2. April 1792 in Gold- und Silbergewicht definiert. Darin wurde festgesetzt, dass 371,25 Gran (480 Gran = 1 Feinunze = 31,1034 Gramm) Feinsilber und 24,75 Gran Feingold einem US-Dollar entsprechen.

Mit der Reform des Münzgesetzes im Jahr 1873 wurde der US-Dollar dann jedoch nur noch in Gold definiert. Silber wurde „entmonetisiert“. Die Anhänger des Silbergeldes beklagten sich über das „Verbrechen von 1873“, doch der Protest blieb ohne Erfolg.

Anders als die meisten europäischen Länder blieben die Amerikaner im Ersten und Zweiten Weltkrieg mit ihrer Währung am Gold, wenngleich sich auch die amerikanische Prinzipien- und Regeltreue in der Handhabung des Goldstandards nach und nach eintrübte.

Die endgültige Ablösung des US-Dollar vom Gold ereignete sich am 15. August 1971, als US-Präsident Richard Nixon (1913 – 1994) in einer Fernsehansprache verkündete, der Greenback sei nunmehr „vorrübergebend“ nicht mehr in Gold eintauschbar. Aus dem Hinweis „vorübergehend“ wurde „bis auf den heutigen Tag“.

Mit dem unilateralen Beschluss Amerikas, die Goldeinlösepflicht des US-Dollar aufzukündigen, gingen übrigens auch alle wichtigen Währungen der Welt auf einen nicht einlösbaren Papier- oder Fiat-Geldstandard über, der nun weltweit vorherrscht.

Die nachfolgend einsetzende hohe Inflation in den frühen 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts brachte dann jedoch eine Gegenbewegung in den Vereinigten Staaten hervor: die Forderung zur Rückkehr zu einem goldgedeckten US-Dollar.

US-Präsident Ronald Reagan (1911 – 2004) ernannte 1981 eine 17 Mitglieder umfassende Kommission, die „U.S. Gold Commission“, der auch bereits Dr. Ron Paul angehörte. Die Kommission stellte ihren Bericht im März 1982 dem US-Kongress vor, verwarf darin jedoch mehrheitlich die Idee, den US-Dollar wieder an das Gold zu binden.

Die „neue“ Gold-Kommission der Republikanischen Partei hat also eine Vorgeschichte. Sie wird sich mit einer Reihe höchst relevanter Fragen zu beschäftigen haben, die sich bei einer Rückkehr zur Golddeckung der US-Währung notwendigerweise stellen würden… (Seite 2)

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