Die Rückkehr des George Orwell. Für nur 17,98 Euro im Monat!

3. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer)

Als meine nicht vorhandene Glaskugel pünktlich zu Mitternacht zu lachen begann und Funken aussprühte, war klar, 2013 wird eines der lustigsten Jahre. Besser noch: Es wird wahrscheinlich das beste Kabarettjahr, wenn sich 2012 überhaupt noch übertreffen lässt. Jetzt dabei sein! Jetzt gewinnen! Hirn aus! Alles andere an!

Kaum ist Frau Merkel mit ihrer Neujahrsansprache verschwunden – und auch der Kater der Silvesternacht – werden sämtliche guten Vorsätze gebrochen. Und dann geht es heiter weiter – von Klippe zu Klippe über Gipfel und Riffe – mit Heiterkeit…

Gibt es etwas Schöneres als Lachen? Deshalb höre ich derzeit so gerne Nachrichten auf seriösen Radiosendern und frage mich, ob das 17,98 Euro im Monat wert sei. Aber sicher! Übrigens gibt es die Seite www.gez.de nicht mehr. Die heißt jetzt www.rundfunkbeitrag.de. Ein Rundfunk, der oft nicht mehr rund funkt.

Vielleicht kommt 2014 die Kulturabgabe (www.kulturabgabe.de) nachdem der EU-Soli 2013 (www.eurosoli.de) erfolgreich eingeführt wurde. Und die Vermögensabgabe.( www.vermoegensabgabe.de) Und EEG 6.0. (www.eeg.de) Und die Knut-Pauschale zur Rettung der Pfandflasche. (www.knutrettetpfandflasche.de) Sichern Sie sich diese Domains! Für nur 17,98 Euro im Monat. 2013 verspricht Heiterkeit und Orwell 3.0 erblickt wieder das Licht der Öffentlichkeit.

Rundfunkbeitrag? Ich wurde in einer Art Neujahrsansprache kurz vor Jahreswechsel belehrt, meine (alternativlosen) 17,98 Euro wären eine Demokratie-Abgabe. Eine Abgabe von Demokratie? Dann passt es wieder. Wobei mir der Begriff dabei langsam über die Zunge glitt und ich zu husten begann. Sch… Raucherei!

Außerdem schnüffelt der „Rundfunkbeitrag“ (ex GEZ) künftig niemandem mehr nach. Vorbei die Zeiten, in denen Provisionsmitarbeiter in Hauseingängen lungern und über Leitern fensterlten. Übers Einwohnermeldeamt ist das wesentlich kostensparender und effektiver. In Köln stockt man zudem zum Wohle des Arbeitsmarktes die Ex-GEZ-Mitarbeiterzahl auf. Hurra!

Lassen Sie mich abschweifen…

Ich gebe ja zu, ich habe mich zwischen den Jahren umgeschaut bzw. recherchiert, was ich für monatliche 17,98 Euro bekomme: Nachrichten, um mich danach zu richten, Börsenberichte mit guter Laune, gute Dokus inzwischen um Mitternacht, wenn das Thema nicht so massentauglich ist – oder nicht tauglich für die Masse – und viel gute Laune. Und Rosamunde Pilcher, wenn ich weinen möchte. Aber das kann ich auch ohne Frau Pilcher, wobei wir wieder beim Thema wären. Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk – unbedingt. Aber nicht so.

Am lustigsten aber finde ich ja die Quiz-Sendungen mit den vielen ausgemusterten D bis Z-Promis in den Dritten, wenn sie lustige Heimatbegriffe raten und auf Knöpfe mit A, B, C oder D drücken. Wer sagt, Gebühren würden verschleudert, hat die Demokratie nicht verstanden. Die in den Altersheimen beliebten Sendungen sollten uns allen mit monatlich 17,98 Euro ein paar Euro aus dem Gebührentopf als Gewinnausschüttung wert sein. Es sorgt für reibungsfreien Straßenverkehr. Oder jemand rettet die Million. Zwischendurch: Werbung. Das Volk schaut mehr bei den Privaten zu. Volkes Wille. Vielleicht gibt es einfach zu viele Sender?

Am liebsten mag ich ja die Seifenopern auf allen Kanälen am Abend. Das erspart die Waschmaschine, wenn die schmutzige Wäsche vor dem Flachbildschirm hängt. Aber ganz besonders liebe ich Talk-Sendungen, in denen sämtliche Gesprächspartner ihre neuen Bücher präsentieren – oder kochend in anderen Shows ihre Bücher bewerben oder diese am besten gleich kochen, ohne das eigentlich übliche „Dauerwerbesendung“.

„Wir sind eins“, meint die ARD. Mit dem Zweiten schielt man besser das ZDF. Für 17,98 Euro im Monat. Von jedem das Eine. 17,98 Euro. Das Staatsfernsehen der DDR war zwar billiger, jedoch gab es nur zwei Programme, die keiner geschaut hat außer in Dresden oder im Vollrausch.

2013 wird das beste Comedy-Jahr des Jahrhunderts. Wetten? In den Nachrichten gibt es viele Sketche über Aufschwung, Vollbeschäftigung, Optimismus und Zuversicht der Kanzlerin. Jeder noch so kleine Buchstabe aus dem richtigen Mund mutiert zum Ereignis. Doch bedenken Sie: Hintergründe sind meist zu sperrig oder unverständlich und kosten Zeit. Die Leute wollen sie nicht hören und sehen. Gehen Sie besser shoppen! Das hilft der Konjunktur.

DAX – DAXXER – am DAXXten. VerDAXt.

Auch an den Börsen sind die Komödianten unterwegs und bringen einiges durcheinander. Man ist seit Mittwoch dazu übergegangen, DAX-Stände mit Optimismus zu verwechseln, Kompromisse als Siege zu feiern und Kurse mit Daten aus der Statistikabteilung zu flambieren. Minuszeichen werden mit Minuszeichen multipliziert – und schon passt es wiede.

So wurden gestern die deutschen Inflationszahlen für 2012 ausgewiesen. Stabile 2,0 Prozent verbreiten einen weiteren Hauch von Zuversicht. Und am Freitag gibt`s dann den US-Arbeitsmarkt, welcher die Vermutung nahe legt, die Aktienkurse nähern sich dann ihrem Siedepunkt und gehen spontan um 14:30 Uhr in den gasförmigen Zustand über. Der DAX war dann noch nie so teuer und preiswert zugleich, werden mir dann die Experten erzählen. 2013 wird lustig, kaum dass es angefangen hat.

Und die Glaskugel sagte noch eines voraus, bevor sie freudig vom Tisch fiel: Spätestens wenn die Fiskal-Klippe in vier bis sechs Wochen als Super-Klippe Augen und Ohren verschmutzt, wird es der DAX auf 10.000 Punkte schaffen. Hossa! (Seite 2)

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