Die Rückkehr des Eselskarrens?

31. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Wer etwas zu transportieren hat, kauft sich einen Transporter. Wer nichts mehr transportiert, spart sich den Kauf. Sonderlich viele Transportkapazitäten fehlen in der Europäischen Union derzeit offensichtlich nicht, denn neben den Zulassungszahlen für Personenwagen brachen zuletzt auch die Verkäufe bei Transportern EU-weit ein.

Die letzten Verkaufszahlen für Privatfahrzeuge in der EU sind mit dem Begriff katastrophal noch höflich umschrieben. Auch die gewerblichen Käufer stehen nicht mehr Schlange. So brachen die Absätze auf Jahresbasis zweistellig ein. Besonders heftig traf es neben den Märkten in Portugal (-66%) und Spanien (-22,1%) auch Italien (-45,4%). Selbst das vermeintliche „Kernland“ Frankreich glänzte mit solidarischer Schrumpfung – dort steht ein Rückgang von mehr als 11% zu Buche. Auch die Inselbwohner in Großbritannien (-11,2%) konnten sich dem Trend nicht entziehen.

Die mangelnde Nachfrage betrifft alle Sektoren außer größere Busse. Dieser Bereich wuchs kräftig, in der Krise fährt der eine oder andere anscheinend öfter mal mit dem Bus.

Angesichts der Rezession in der EU und der vollkommen ungelösten Währungsproblematik wird sich an der trostlosen Investitionsstimmung nichts ändern. Im Gegensatz zu vielen Behauptungen, die Unternehmen seien generell wundervoll aufgestellt und die Bilanzen kerngesund, zeigen sich vielerorts überhebelte Unternehmen. Der Cash-Flow und damit die Zahlungsfähigkeit dieser Firmen hängt direkt an der Fähigkeit der Konsumenten, die hergestellten Güter zu kaufen. Ob die Käufe aus dem Spargroschen oder per Kredit finanziert werden, ist der Firma schnuppe. Wer jedoch kein Geld hat und sich keines leihen kann oder möchte, der mag viele Bedürfnisse haben, er fragt schlichtweg nichts nach. Leider sind in vielen Ländern der Eurozone auch die Konsumenten massiv überhebelt und müssen sich noch um die Rechnungen für den vorgezogenen Konsum der letzten Jahre kümmern, bevor sie sich um neue Anschaffungen kümmern können. Bei ausstehenden Immobilienkrediten kann sich das noch sehr lange hinziehen.

Das Konsumklima in Ländern wie Spanien oder auch Frankreich spricht Bände. Die Aussichten auf Arbeitslosigkeit und größer werdende staatliche Krallen, die in leeren Taschen wühlen, heizt die Nachfrage nicht eben an. Das merken auch die kleineren Unternehmer, die sich am wenigsten auf staatlichen Protektionismus verlassen können. Die Politik schlägt noch immer lieber die medienwirksamen Schlachten um bekannte Großunternehmen. Vergessen wird dabei, dass die Kosten derartiger Einmischungen von allen anderen bezahlt werden müssen, denn ein Staat hat bekanntlich nichts…

Unter den wahren, wenn auch unfreiwilligen Helfern finden sich daher auch Angestellte, Arbeiter und Selbständige aus dem Bereich zwar unbekannter aber nicht unwichtiger Firmen. Selten ist der Jobmotor eines Landes dabei die Branche mit den besten Möglichkeiten zum Outsourcing.

Die folgende Grafik zeigt den üblen Verlauf der Registrierung kleinerer Transportfahrzeuge in der Europäischen Union. Der Abschwung in den letzten Quartalen ist nicht zu übersehen, das gilt nicht nur für die kleineren Fahrzeuge.

Ein Blick auf die Veränderungen der Zulassungen in den einzelnen Ländern der EU zeigt, wo es derzeit hakt. Gerne vergessen werden bei allen relativen Betrachtungen die absoluten Zahlen. Das ist ein Fehler, denn die Rückgänge in Italien und Frankreich alleine sind so groß wie die gesamten Absätze in den Niederlanden, der Slowakei, Slowenien, Rumänien, Dänemark, Finnland und der Tschechischen Republik zusammen. Ein paar Prozent mehr Wachstum in diesen Märkten gehen somit eher als Rauschen in den Daten unter, als dass sie überbewertet werden sollten.

Problematisch werden für Autohersteller in derart ausgeprägten Abschwungphasen rasch die ungenutzten Kapazitäten. Hohe Fixkosten und teils nur mit staatlicher Hilfe flexible variable Kosten (Kurzarbeit) führen schnell zu hohen Verlusten und erhöhtem Druck.

Für eine längerfristige Rezession dürften die wenigsten europäischen Hersteller gerüstet sein, zumal politische Hilfen und Subventionen wie die fast weltweit eingesetzte Abwrackprämie (cash for clunkers) in der Regel zwar einmal akzeptiert wird, im Wiederholungsfalle aber auf Widerstände aus anderen Branchen stoßen dürften. Es wird interessant zu beobachten, wie die deutschen Amtsträger mit der als sicher einzustufenden Subentionierung in Ländern wie Frankreich umgehen wird. Was man dort unter öffentlichem Sparen versteht, hat Monsieur Hollande bereits bei der Kabinettsbildung deutlich gemacht. Die Minister der selbst ernannten Grande Nation bekommen weniger Grundbezüge, dafür hat man im Gegenzug gleich 14 neue Ministerposten geschaffen. Eine groteske Spielerei von geradezu Brüsseler Ausmaßen. Vielleicht aber, so zeigt es die Erfahrung der Jahre seit Krisenbeginn, wird man sich bald überall wieder der Fantasie hingeben, allen zu helfen, ohne dass jemand zahlt. Geld, das man nicht hat, gibt sich bekanntlich am einfachsten aus. Viel Vergnügen.


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