Die Rettung des Euro zu Lasten deutscher Sparer

23. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek – Vorab eine Entwarnung an alle Leser, die – durch das Medienspektakel zum Thema Zypern total verunsichert – wie schon früher aus Anlass der Griechenland-Krise um ihre Ersparnisse bangen: An Zypern wird der Euro ganz gewiss nicht scheitern…

Die Affäre um die Schwarzgeld-Insel lenkt von wichtigeren Problemen ab, die Deutschland und damit letzten Endes uns Bürger nach der Bundestagswahl treffen werden: höhere Steuern und Abgaben, damit die Eurozone um jeden Preis zusammengekittet bleibt, verbunden mit einem Schuss Kapitalverkehrskontrollen…

Wer die Medien genauer verfolgt, besonders die unsäglichen Quatschrunden in ARD und ZDF zum Thema Armut und Reichtum, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Reichen – wer dazu gehört, bleibt offen – im Dienst der sogenannten sozialen Gerechtigkeit zur Kasse gebeten werden sollen. Fängt ein Sender erst einmal mit dem Reichen-Bashing an, ziehen die anderen – die privaten inbegriffen – ziemlich schnell nach, falls sie sich davon hohe Einschaltquoten versprechen. Was dann folgt, erinnert an die Inflation der Kochsendungen.

So weit die Betrachtung prima vista. Es geht allerdings um viel mehr. Denn in Wahrheit soll die Bevölkerung insgesamt, Mittelstand sowie normale Arbeiter und Angestellte inbegriffen, auf finanzielle Opfer vorbereitet werden. Das heißt, unter dem Vorwand, die Reichen und unter denen besonders die Boni-Empfänger zur Kasse zu bitten, basteln sogenannte Think Tanks bereits an Modellen zur Verschiebung von Einkommen und Vermögen. Ihre Vorgabe besteht darin, dass der Euro um jeden Preis erhalten werden muss. Den Preis wird in erster Linie Deutschland zahlen.

Wie kann man sich das konkret vorstellen? Eine wichtige Rolle spielt die EZB: Wenn sie Anleihen maroder Eurostaaten kauft – was sie ja ständig tut -, fällt das der Bevölkerung weniger auf, als wenn deutsche Steuern erhöht würden. Doch im Endeffekt läuft beides auf dasselbe hinaus: Die Staatsanleihenkäufe der EZB sorgen für ein nachhaltig niedriges Zinsniveau. Dadurch geraten die Zinsen unter Berücksichtigung der Inflationsrate real ins Minus. Ob die Ersparnisse der Bürger auf diese Weise oder durch höhere Steuern dezimiert und die Bürger dadurch enteignet werden, ist also gehüpft wie gesprungen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden beide Methoden zum Einsatz kommen.

Wer die Renditen zehnjähriger Euroländer-Anleihen verfolgt, stellt schnell fest, dass sie sich nach dem Auseinanderdriften im Zuge der Eurokrise 2010 und den darauf folgenden Turbulenzen an den Kapitalmärkten seit Sommer 2012 wieder stark annähern. Damit setzen sie die stabile Entwicklung fort, die sie in der Zeit vor 2010 jahrelang ausgezeichnet hat. Zwar wäre es verfrüht, dies schon jetzt als Zeichen der Stabilisierung der ganzen Eurozone zu deuten. Fest steht aber, dass der Verlauf der Renditen italienischer, spanischer, portugiesischer oder irischer Staatsanleihen wie von Zauberhand koordiniert leicht abwärts gerichtet ist. Nur dass das Ganze nichts mit Zauberei zu tun hat, sondern mit dem massiven Eingreifen der EZB.

Diese Institution, die einerseits zum Erfüllungsgehilfen der Euroländer geworden ist, verfügt andererseits mit Mario Draghi an der Spitze über einen durchsetzungsfähigen Pragmatiker, der sich nicht einfach so leicht etwas sagen lässt. Das heißt, er fungiert als Chef einer von den Euroländern so gewollten Schattenregierung, deren wichtigste Aufgaben darin bestehen, den Euro zu erhalten und darüber hinaus den Boden für eine Fiskalunion zu bereiten. Fiskalunion, das bedeutet zum Beispiel, dass die Euroländer ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik abstimmen, dass sie für Geldtransfers untereinander sorgen – und dass, siehe oben, deutsche Sparer zur Kasse gebeten werden… (Seite 2)

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