Die Rache der Marktmanipulation

23. Dezember 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von  Prof. Thorsten Polleit) Der Preis, der auf einem freien Markt durch Angebot und Nachfrage gebildet wird, zeigt relative Knappheiten an und übt damit eine wichtige Signalfunktion aus. Ein steigender Preis zum Beispiel zeigt an, dass das Gut knapp ist und gibt Anbietern so ein Signal, das Güterangebot auszuweiten…

In einer Marktwirtschaft werden daraufhin knappe Ressourcen eingesetzt, um das Angebot des aktuell knappen Gutes zu erhöhen – und das senkt dann nachfolgend den Preis des Gutes, der zunächst angestiegen ist, im Verhältnis zu anderen Gütern wieder ab. Auf diese Weise sorgt die Preisbildung auf dem freien Markt für eine bestmögliche Versorgung mit Gütern (in Menge und Qualität), die den Wünschen der Nachfrager entspricht.

Auswahl

Im Zuge des Marktprozesses werden die Anbieter belohnt, die die Wünsche der Kunden am besten erfüllen, die also bei gegebenem Marktpreis das gewünschte Gut zu den niedrigsten Kosten produzieren und anbieten. Sie machen Gewinne und können ihre Produktion aufrechterhalten und ausbauen.

Diejenigen Anbieter, die das nicht leisten können und/oder wollen, machen nur geringe(re) Gewinne oder erleiden gar Verluste. Sie fallen zurück oder scheiden aus dem Markt aus – und das zugunsten der Produzenten, die in der Lage und willens sind, die Kundenwünsche am kostengünstigsten und besten zu befriedigen.

Preismanipulation

Vor diesem Hintergrund kann man leicht ermessen, was es bedeutet, wenn der Marktpreis manipuliert wird: Wenn also politische Maßnahmen ergriffen werden, die dafür sorgen, dass der Marktpreis nicht das Niveau erreicht, dass er ohne die Manipulation erreichen würde.

Die Manipulierung des Preises führt entweder zu einem Angebotsüberschuss (und zwar dann, wenn der Marktpreis über das markträumende Niveau gehoben wird), oder es stellt sich ein Nachfrageüberschuss ein (und zwar dann, wenn der Marktpreis unter sein markträumendes Niveau gesenkt wird).

Bei einem Angebotsüberschuss werden Güter in einer übermäßigen Menge produziert. Ressourcen werden folglich fehlgelenkt, die Güterausstattung der Volkswirtschaft fällt schlechter aus im Vergleich zu einer Situation, in der der Marktpreis nicht manipuliert worden wäre.

Zinsmanipulation

Zwischen Preis- und Zinsmanipulation ist ein enger Zusammenhang. So besteht eine negative Beziehung zwischen dem Preis eines festverzinslichen Schuldtitels (wie zum Beispiel einer Bundesanleihe) und der Rendite auf solch einen Schuldtitel. Steigt zum Beispiel der Kurs des Schuldtitels, so sinkt die Rendite, fällt der Kurs, so steigt seine Rendite.

Wenn zum Beispiel eine Zentralbank die Zinsen manipuliert, so manipuliert sie damit auch die Preise der Schuldtitel, beitreibt also Preismanipulation.

Zentralbanken manipulieren traditionell die Marktzinsen. Mittlerweile manipulieren sie aber nicht „nur“ Kurzfristzinsen, sondern vor allem auch die Zinsen für mittlere und längere Laufzeiten: Auch diese Zinsen werden unter das Niveau gedrückt, das bestehen würde, wenn die Zentralbanken nicht manipulieren würden. Das lässt sichauch so ausdrücken: Die Zentralbanken sorgen für einen Angebotsüberschuss auf den Kreditmärkten – und damit zwangsläufig für Fehlentwicklungen.

Investoren, die schlechte Entscheidungen getroffen haben, werden Verluste erspart: Die Zentralbanken heben durch ihre Marktintervention die Wertpapierkurse künstlich an.

Durch die künstliche Kursanhebung wird verhindert, dass „bessere“ Investoren Gewinne machen. Ihnen wird durch die Marktmanipulation verwehrt, Wertpapiere zu niedrigeren Kursen zu kaufen.

Die künstlich gesenkten Zinsen halten Investitionen am Leben, die eigentlich gar nicht profitabel sind, binden damit also knappe Ressourcen (Produktionsfaktoren einschließlich der Arbeitskraft) in Produktionswegen, die anderweitig besser eingesetzt werden könnten.

Der künstliche gedrückte Zins verleitet Unternehmer zudem zu zusätzlichen Investitionen, die sich bei normaler Marktlage, also bei nicht manipulierten Zinsen, gar nicht rechnen würden und die nur profitabel erscheinen, wenn der Zins künstlich niedrig gehalten wird beziehungsweise auf immer tiefere Niveaus herabgesenkt wird.

Vor allem Staatsschuldner weiten ihre Verschuldung aus, weil der niedrige Zins die Haushaltslage entlastet. Bei einem künstlich gedrückten Marktzins geben sie Schuldtitel in einer Menge aus, die nicht mehr vollständig von den privaten Investoren gekauft werden. Die Zentralbank muss „einspringen“ und den Angebotsüberschuss der Schuldtitel aufkaufen und dafür neues Geld in Umlauf geben.

Eine Geldpolitik, die danach trachtet, den Marktzins künstlich abzusenken, verliert die Kontrolle über die Geldmenge. Wenn sie festhält an der künstlichen Niedrigzinspolitik, kann sie durch das Verschulden vor allem der Staaten in die Inflationierungspolitik „gezwungen“ werden.

Politiker werden wiedergewählt, die bei freier Marktpreisbildung nicht wiedergewählt werden würden.

Die freien Marktkräfte belohnen nicht nur diejenigen, die das produzieren, was die Nachfrager haben wollen. Sie „bestrafen“ auch diejenigen, die nicht in der Lage oder willens sind, die Kundenbedürfnisse zu erfüllen.Diese Einsicht lässt sich natürlich und gerade auf die Welt der Politik anwenden. Denn zu der Gesellschaftsgruppe, die von Zinsmanipulationen besonders begünstigt wird, zählen Parlaments- und Regierungsmitglieder und diejenigen, die ihnen nahestehen (Staatsangestellte, Bezieher staatlicher Aufträge etc.).

Eine Geldpolitik der Zinsmanipulation trägt dazu bei, dass die wahre Wirtschafts- und Beschäftigungslage vertuscht wird; dass Politik- und Gesellschaftsstrukturen aufrechterhalten werden, die beim freien Spiel der Marktkräfte keinen Bestand hätten; und zwar deswegen nicht, weil sie nicht den Nutzen erbringen, wie es die Zinsmanipulation der schlecht oder uninformierten Öffentlichkeit vorgaukelt. So werden schlechte Politiker nicht hinfort gefegt, sondern wiedergewählt.

Das politische Eingreifen in das Marktgeschehen wie insbesondere in Form von Preis- und Zinsmanipulationen kann kurzfristig eine „Wohlstandsillusion“ vorspielen. Doch es wird sich nachfolgend in (noch größeren) Wirtschafts- und Gesellschafskrisen niederschlagen – das ist die Rache der Marktpreismanipulation.
Thorsten Polleits Analysen kann man kostenlos und automatisch per Mail bekommen. Anmeldung hier…


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Ein Kommentar auf "Die Rache der Marktmanipulation"

  1. 4fairconomy sagt:

    Die Marktpreismanipulation beim Zins als Gleichgewichtspreis zwischen Angebot und Nachfrage beginnt, sobald den Sparern auf ihren Ersparnissen (=Geldangebot) ein Mindestzins von nominell 0% garantiert wird.

    Damit wird die Geldnachfrageseite gezwungen, stets deutlich darüber zu bieten, damit die Sparer ihre Ersparnisse zur Verfügung stellen (dies ist die Hauptursache des Wachstumszwangs).

    Ersparnisse würden nicht in dem Ausmass gebildet, würden die Zinsen aufgrund des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage unter null fallen, weil zu wenig Unternehmen Geld nachfragen bzw. Zinsen über null zahlen können.

    Die heutigen Zinsmanipulationen und die massive Geldnachfrage des Staates auf den Kreditmärkten sind verzweifelte Versuche, gegen die Folgen dieser Zinsgarantie von 0% anzukämpfen, welche, je nach konjunktureller Situation, zur Anhäufung von zu grossen Sparbeständen führt. Wobei die Zinsen nicht marktgerecht unter null fallen können.

    Würden die Geldschleusen nicht weit geöffnet, die Staaten nicht massiv auf Pump konsumieren und die Zinsen nicht nach unten manipuliert, würde noch weniger Geld in die Wirtschaft (zurück)fliessen und es käme relativ rasch zu einer deflationären Krise bis hin zu einer Kernschmelze des Systems.

    Die Herstellung einer Marktwirtschaft, welche ohne all die problematischen Eingriffen auskommt, müsste darin bestehen, dass zwischen Ersparnisbildung (= Geldangebot) und Investitionsbedarf der Unternehmen (=Geldnachfrage) die Zinsen als Gleichgewichtspreise frei spielen können. Dafür muss der garantierte nominelle Mindestzins von 0% für Ersparnisse abgeschafft werden.

    Die theoretische und praktische Problematik einer Zinsuntergrenze bei 0% und deren Aufhebung wurde in letzter Zeit auch prominent diskutiert:

    http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704644404575481390712384072.html#

    http://www.nytimes.com/2009/04/19/business/economy/19view.html?_r=0