Die Notenbank-Tricks funktionieren nicht…

3. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Bekanntlich strebt die US-Notenbank eine weitere Normalisierung der Zinsen erst für den späteren Jahresverlauf an. Die Zentralbanken in Europa, Japan und China ergriffen allesamt kühnere und unbedachtere Maßnahmen … dabei folgte die Bank of Japan einigen europäische Zentralbanken und ging mit negativen Zinsen in den Vollgas-Modus über.

Nun ist es schon zum Narrativ in der Mainstream-Finanzpresse geworden, dass sich die Investoren darüber Sorgen machen würden, dass die Maßnahmen der Zentralbanken nicht wirklich effektiv seien.

Was den letzten Punkt angeht, haben Sie Recht; Zentralbanken können nur so viel tun. Sie kreierten die Situation so, wie es jetzt ist. Jetzt können sie es nur noch schlimmer machen.

Wie? Indem sie noch mehr von dem hinzufügen, was die Ursache des Schlamassels ist. Alles, was sie tun können, ist mehr Schulden in eine Welt zu kippen, die im Schuldenmeer bereits ertrinkt.

Wenn jemand eine andere Art und Weise weiß, wie die Geschichte nun weitergehen wird, würden wir es gerne hören. Aber nach all dem Rätseln, Mutmaßen, Hinterfragen ist es am Ende immer wieder die gleiche Geschichte: Schulden werden aufgetürmt; Schuldner können nicht zahlen; sie gehen pleite. Es passiert ständig und immer wieder.

In einer gesunden Wirtschaft – mit echtem Geld und ehrlichem Bankwesen – machen die Menschen auch Fehler. Sie gehen pleite. Die Insolvenzen werden absorbiert und bestens „entsorgt“. Die Assets aus den Insolvenzen werden verkauft. Hungrige Investoren und Unternehmer schnappen sie sich … und profitieren von diesen.

Das System bereinigt die Fehler … Geld wird den „schwachen Händen“ abgenommen und es bewegt sich zu den stärkeren, zu einem fähigen Management hin.

Aber jetzt wird das ganze System schlecht verwaltet.

Dank kreditbasierten Geld – und modernem Zentalbankunwesen – werden aus den normalen Höhen und Tiefen des Kreditmarktes heimtückische Flutwellen… Vermögenswerte werden blasenartig auf absurde Höhen hoch getrieben … und stürzen danach auf den harten Felsen des wirklichen Lebens zurück ab.

Kaputte Surfbretter der Schuldner

Nehmen wir als Beispiel hier nur eine Gruppe von Surfern, deren Bretter vor kurzem kaputt gingen: junge Leute.

In den Nachrichten war in dieser Woche dieser interessante Artikel aus dem Wall Street Journal:

„40% der Studenten, die Geld ausgeliehen haben, zahlen die Raten nicht.“

200.000.000.000 $ – das ist die Darlehenssumme, die dem Journal zufolge derzeit insofern notleidend ist. Das Journal schreibt, das sei eine gute Nachricht; im vergangenen Jahr seien es 46% studentische Kreditnehmer gewesen, die nicht zahlten.

Und die Bank of America sagt uns, dass die Unternehmensschuldner bald an den Strand zum Waschen gehen. Hier ist der Bericht von Bloomberg:

„Wenn die nächste Insolvenzwelle bei den Unternehmen kommt, könnte diese Investoren mehr als erwartet Schaden zufügen. Die Verluste auf Anleihen von bankrotten Unternehmen sind wahrscheinlich höher als in früheren Zyklen, da US-Emittenten in Relation zu ihren Vermögen mehr Schulden im Verhältnis haben würden. Das sagen die Strategen der Bank of America Corp. Diese hohe Schuldenlast bewirkt im Falle der Liquidation eines Unternehmens, dass der Erlös ein Mehr an Schulden abdecken müsse.

„Wir haben mehr als je zuvor Unternehmensanleihen ausstehen, und eine so hohe Fremdkapitalquote in den Unternehmensbilanzen. Das vergrößert das Potenzial für noch größere Schmerzen“, so Edwin Tai, Senior Portfolio Manager für notleidende Investments bei Newfleet Asset Management.

Verlustquoten sind bereits jetzt gestiegen … In schlechten Zeiten verlieren Investoren mit Unternehmensanleihen ungefähr 70 Cent pro Dollar, wenn ein Kreditnehmer pleite geht. In diesem Zyklus könnte diese Zahl höher liegen. Ähnlich hoch wie Mitte der 80er Jahre, als die Verluste bei 80 Cent pro Dollar lagen, so die Bank of America-Strategen. Diese Verluste würden die schlimmsten seit Jahrzehnten sein …

Die Geldmenge kontrahiert

Wiederholt haben wir davor gewarnt, dass es einen fatalen „Fehler“ im System gibt.

Wir sprachen über den Mangel an realen, physischen Dollars. In einer Kreditkrise, so unsere Argumentation, würden in den USA die realen Dollars schnell ausgehen. Geldautomaten würden geschlossen und nicht wieder befüllt. Das ganze System würde sich verklemmen. Aber da gibt es noch mehr …

Wir sind immer noch dabei herauszufinden, wie es funktioniert, aber dies scheint eine der faszinierendsten Nuancen der ganzen Geschichte zu sein. Sie sehen, Kreditgeld hat eine Besonderheit hat, die echtes Geld nicht hat.

Wenn ich Ihnen einen echten Dollar leihe, können Sie den Dollar ausgeben, und ich eben nicht. Wenn Sie den Dollar dann mir zurückgeben, kann ich den Dollar ausgeben und Sie eben nicht. So oder so bleibt die Geldmenge unverändert.

Beim Kredit-Dollar ist das anders. Wenn die Banken Ihnen einen Kredit-Dollar, „machen“ sie das mit wenigen Tastendrücken auf einem Computer. Denn vorher hat der Dollar, den sie bekommen, ja nie existiert. So weit, so gut. Aber was passiert, wenn Sie den Dollar zurückzahlen?

Er verschwindet, obwohl er ja zuvor nie wirklich existiert hat. Die Geldmenge kontrahiert.

Wir sollten besser sagen, dass selbst wenn sie den Dollar zurückzahlen, die Geldmenge kontrahiert. Es gibt auch andere Wege, dass das Geld verschwindet.

Negative Zinsen, zum Beispiel, führen dazu, dass Menschen Bargeld horten oder sogar noch mehr sparen, wie dies in Japan der Fall ist. So oder so, Geld verschwindet aus dem Umlauf … die „Umlaufgeschwindigkeit des Geldes“ reduziert sich… und die zur Verfügung stehende Geldmenge fällt. Die Ausgaben gehen nach unten, nicht nach oben.

Der Effekt ist das genaue Gegenteil von dem, was die (Geld-)Politiker versprechen.

Auch hier sehen wir den Beweis, dass etwas nicht funktioniert. Nicht für Janet Yellen, noch für irgendwelche ihrer Zentralbank-Freunde auf der ganzen Welt.

Ihre Tricks funktionieren nicht.

Sie machen nur die Flutwelle höher.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Die Notenbank-Tricks funktionieren nicht (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

2 Kommentare auf "Die Notenbank-Tricks funktionieren nicht…"

  1. cubus53 sagt:

    Ich vergleiche die globale Finanzlage mit einem heraneilenden Tsunami. Dabei entsteht ein erstaunlicher Effekt. Anfangs weicht das Wasser bis zu 100 Meter von der Küstenlinie zurück. Viele Menschen betrachten dieses Naturschauspiel sorglos, weil sie diesen Effekt nicht kennen. Tatsächlich hat man nach dem Zurückweichen des Wassers noch ca. 3 Minuten Zeit, um sein Leben zu laufen.

    Genauso ist es mit den Finanzen. Alle erwarten Inflation, stattdessen entsteht Deflation („Die Geldmenge kontrahiert“). Genau das wird in Kürze zu einer Explosion der Inflation führen („Sie machen nur die Flutwelle höher“). Ich habe schon lange die Flucht ergriffen, anstatt weiter den Tricks der Zentralbanken zu vertrauen.

  2. FDominicus sagt:

    Ich widerspreche: Die Tricks funktionieren noch so lange den Zentralbanken geglaubt wird. Und Sie funktionieren umso besser je weniger Ausweichsmöglichkeiten es gibt. Somit wäre das Bargeldverbot aus Sicht von Zentralbanken etwas Gutes und nun ja die Banken werden sich Auskunftspflichten und Strafzinsen kaum verschließen.

    Die Tricks funktionieren auch so lange noch, wie die Politiker tun um diese Tricksereien zu unterstützen. Es liege eine ganz üble Interessensübereinkunft vor. Staaten sind massiv an Zentralbanken interessiert und Zentralbanken hätten so gut wie keine Chance ohne Schutz durch Staaten.

    Somit sind die Tricks der Zentralbank nicht nur Tricks und Möglichkeiten eben der Banken sondern deren Staaten.

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