Die neue Goldpreismanipulation

13. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Ein Stück wie aus dem Tollhaus: Vor wenigen Tagen senkten mehrere internationale Großbanken, angeführt von Goldman Sachs, UBS und einigen anderen, ihre Goldpreisprognosen. Am vergangenen Dienstag erblickten dann, aus „Versehen“ einen Tag zu früh, vertrauliche Protokolle aus einer Sitzung der US-Notenbank Fed das Licht der Welt…

Am selben Tag schoss der Goldpreis am New Yorker Terminmarkt Comex für wenige Stunden in die Höhe. Tags darauf fiel er aber wie vom Blitz getroffen. Am Freitag kam es sogar zum Ausverkauf des Goldes, sein Preis rutsche reichlich unter 1500 Dollar.

Wie immer in ähnlichen Fällen, wurden die Begründungen nachgeliefert: eben jene Prognosen, außerdem Verkäufe des führenden Goldfonds SPDR Gold Trust, nicht zuletzt auch drohende Verkäufe aus Zypern. Spätestens hier muss man stutzen: Soll etwa Zypern mit offiziell angegebenen 13,9 Tonnen den Preis zu Fall bringen? Zum Vergleich: Deutschland verfügt zurzeit offiziell über 3391 Tonnen Gold, an den Terminmärkten wird ein Vielfaches gehandelt. Keine Frage, der Preisrückgang basiert auf einer gezielten Manipulation.

Armes Gold, aber reiche Spekulanten, die ihren Nutzen daraus gezogen haben und womöglich noch weiter ziehen? Damit würde man es sich indes zu einfach machen. Es geht ja nicht um irgendwelche Goldprognosen von Bankern, die regelmäßig schief liegen. Es geht auch nicht darum, wie viel eine Unze Gold in den kaputten Weltwährungen Dollar und Euro wert ist. Sondern es geht um die Geldpolitik der Notenbanken, und zwar nicht allein um die der Fed. Zitieren wir dazu Ulrich Byszio von coininvestdirect.com, Mitglied der renommierten LBMA in London, der neulich im Deutschen Anleger Fernsehen sagte: „Die Notenbanken manipulieren den Goldpreis, indem sie massiv Gold verleihen. Keine Notenbank will einen Run aufs Gold. Er würde nur deutlich machen, wie stark das Vertrauen in die Papierwährung sinkt.“ Byszio erwartet zwar fallende Goldpreise, falls die aktuellen und potenziellen Krisen vorüber gegangen sein sollten, fügt aber gleich hinzu: „Die Krisen sind noch nicht vorbei.“

Als Krisen kann man sich alles Mögliche vorstellen. Zum Beispiel dass Nordkorea einen militärischen Konflikt auslöst, der die schlimmsten Befürchtungen übertrifft, dass Italien, Spanien oder Frankreich als nächste Euro-Opfer an die Reihe kommen, dass die Konjunktur in China schwächer als erwartet ausfällt und vieles andere mehr. Doch die größte Gefahr droht – sie oben – von der Geldpolitik.

Der äußerst brisante Hintergrund sei hier anhand von drei treffenden Zitaten aus berufenem Mund dargestellt. Deutschbanker Jim Reid bezeichnet die Geldpolitik der Notenbanken als „Blindflug von historischer Bedeutung“. Mohamed El-Erian, Chef der zum Allianz-Konzern gehörenden US-Vermögensverwaltung Pimco, bemüht eine andere Bildersprache: „Die Notenbanken verhalten sich wie ein Pharmakonzern, der dem Markt Medikamente aufzwingt, die noch nicht klinisch getestet wurden.“ Der erfahrene deutsche Vermögensverwalter Jens Ehrhardt wählt noch ein anderes Bild, um die Brisanz und gleichzeitig das Dilemma der Geldpolitik zu beschreiben: „Wenn die EZB den Euro weiter erhalten will, muss sie schwere Geschütze auffahren. Sie muss genauso wie die Fed in den USA massiv Geld drucken.“ Im Übrigen sei die Politik der Notenbanken „ein Experiment, das keine Erfahrungswerte bietet“ – womit wir wieder bei dem treffenden Vergleich mit dem Blindflug wären.

Geht es nun um die Konsequenzen für Ihr Geld, stellt sich zu Beginn die berechtigte Frage: Wie kann ich beim Umgang mit Geld überhaupt noch rational handeln, wenn ich nicht einmal weiß, wohin der Flug geht und welche Route die verschiedenen Piloten – in Gestalt der untereinander zerstrittenen Notenbanker – fliegen werden? Zweifellos muss ich mit verschiedenen Möglichkeiten rechnen:… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Die neue Goldpreismanipulation"

  1. cubus53 sagt:

    Der aktuelle Preissturz von Gold bewegt mein Gemüt kaum. Die globale Politik kann es nicht leisten, dass Sparer aus Angst um ihre Einlagen ins Gold flüchten.

    Der physische Besitz von Gold lässt sich nicht kontrollieren, da lässt sich nichts versteuern, da kann man in zypriotischer Manier nichts abschöpfen. Die Sperrung von Geldautomaten und die Schliessung von Banken verpuffen wirkungslos. Auch bei einer Vererbung geht der Staat leer aus.

    Es ist kein Zufall, dass der Goldpreis kurz nach dem Sündenfall Zypern in den Keller geht. So wird suggeriert, dass Gold noch unsicherer ist als das Sparbuch auf der Bank.

    Die Politik und deren getreue Medien werden natürlich andere Wahrheiten verbreiten. Vielleicht hat ja wieder mal ein Börsenguru sein Gold verkauft. Ja klar, der muss es ja wissen.

    In diesem Sinne möchte ich allen verunsicherten Goldbesitzern folgendes mitgeben : Ihr physisches Gold können Sie im schlimmsten Fall steuerfrei Ihren Kindern geben. Es könnte eventuell mal das letzte sein, was Sie an realem Wert Ihren Kindern mit auf den Weg geben können.

  2. Skyjumper sagt:

    Ihren Ausführungen kann ich großteils nicht widersprechen, und ich fühle mich mit meinen Münzen genauso wohl wie letzte Woche, letzten Monat, letztes Jahr.

    Gleichwohl müssen auch Sie und ich damit leben, dass der reale Wert des Goldes nur darin besteht was uns ein anderer an einem Tag X dafür zu geben gewillt ist. Und wäre dieser Tag x gestern gewesen hätten wir dumm aus der Wäsche gekuckt. Da kann man reden und schreiben wie man will: Vorgestern gabs noch mehr Brötchen für die Unze als Gestern. Und am Ende aller Theorien bestimmt sich der wahre Wert jeder Währung oder Ware danach, wie dringend ich es gerade brauche.

  3. klugeranleger sagt:

    Gold und Silber sind in den letzten Monaten und vor allen Dingen in den letzten 24 Stunden abgeschlachtet worden. Nicht physisches Angebot ist dafür verantwortlich. Das ist weiter knapp. Nein, es ist „Papiergold“ und „Papiersilber“ an den US-Futuremärkten. Mit anderen Worten sind JP Morgan, HSBC und Citi (absolute Marktdominanz bei den US-Future-Edelmetallen = monopolistisches Oligopol) und dahinter stehende Kräfte dafür verantwortlich, dass Gold und Silber aggressiver über Futures „gedruckt“ werden als der JPY.

    Wo sind die Aufsichtsbehörden, die diese markante und nicht übersehbare Anomalie einer professionellen Untersuchung unterziehen?

    BaFin, SEC – aufwachen!!! Ist überhaupt jemand zuhause?

  4. samy sagt:

    N’abend,

    einmal ein Wort zu den Goldpreisdrückung. Als Gold rasant anstieg, da hat niemand von Goldpreishebungen gesprochen. Damals waren die gleichen Algo-Trader Programme dafür verantwortlich.

    So, nun fällt Gold halt mal wieder rasant. Die Frage ist doch, ob es neue Fakten gibt, die für neue Szenarien sorgen, die das erklären könnten. Die Börse handelt die Zukunft, wie es so schön heißt. Und die Herrscher sind Angst und Gier.

    Ich denke es gab in den letzten Wochen neue Entwicklungen, die das Deflationsszenario wieder stärken. Das ist das Thema, ob Zypern eine Blaupause war. Es gab dafür genügend Dokumente und Signale aus der Vergangenheit, die nuin in Zypern tatsächlich umgesetzt wurden. Die Signale sendeten ZB’s und Organisationen wie die Bank of London, das FDIC, die EZB, die Kanadische ZB oder einfach auch Berater wie die die Boston Consulting Group.

    Was ist denn nun „Zypern“ für die Marktteilnehmer anderes als der Startschuss für „War for Liquidity“? Schuldner schulden nun einmal Geld und müssen Geld beschaffen. Sie schulden nicht Äpfel, Calvados, Quadratmeter Wohnfläche, Autor oder Silber, sonder Dollar, Euro usw.. Werden Konten verbrannt, muß Sachvermögen verkauft werden, um nun an das Geld für den Schuldendienst zu gelangen. In Zypern werden die Preise für Immobilien usw. fallen. Es werden aber auch EM in Form von Zahngold, Anlagegold und Schmuck usw. verkauft werden, um dem Bankrott zu entgehen. Klar, Zypern ist klein und die Verkäufe der zyprischen Goldreserven belanglos. Nur, was ist, wenn das wirklich eine Blaupause ist, die wir nun in Italien, Griechenland, Portugal oder gerne auch Frankreich sehen könnten?

    Die Märkte preisen die Möglichkeit nun mal ein. Die ausufernden Geldmengen und Traderprogramme sorgen für die hohe Volatilität. Außerdem dürfte es nun interessanter sein, wieder rechtzeitig Cashbestände auzubauen, um in diesem Szenario viel später wieder Schnäppchen zu machen. Auch das könnten die Goldman-Sachs-Leute im Hinterkopf haben, wenn sie bärische Goldpreisprognosen abgeben.

    Und Gold wird auch in der späten Phase einer Deflation wieder interessant werden, nämlich dann wenn die ersten AG’s enttäuschen, Mieten nicht mehr gezahlt werden können, Haircuts auf Anleihen kommen oder Währungen untergehen.
    Somit bleibe ich langfristig bullisch für Gold. Lass es fallen. Seit 1100 $ die Unze habe ich fast nichts mehr gekauft und ich warte nur auf gute Kurse für kleine Käufe. Und überhaupt, Gold ist vor allem eine Versicherung, weniger ein Spekulationsobjekt. Das kann man mit Silber eh besser, wenn man denn will.

    Grüße

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