Die „Nebelbank“ – über Gold und Transparenz

1. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Oder: Oder warum es nicht einmal „Sandy“ gelingen würde, die Schleier der Bundesbank zu lüften.

vom Smart Investor

Stürmische Wahlkampfhelferin… Dass US-Präsident Obama einen „Schlag bei Frauen“ hat, war bekannt. Nun also „Sandy“, die mit enormer Bugwelle zu seinem Wahlkampfteam stieß und in den vergangenen Tagen reichlich Wind machte…

Obama konnte derartige Schützenhilfe gut gebrauchen, denn das Rennen um die Präsidentschaft war wesentlich knapper, als es in der hiesigen Berichterstattung zum Ausdruck kam…

Katastrophen, wie nun das „Sturm-Monster Sandy“, begünstigen den Amtsinhaber, es sei denn, dieser würde sich hilflos zeigen. Hilflosigkeit aber ist die Sache des Präsidenten nicht, selbst da, wo er tatsächlich nichts tun kann. So sprühte Obama geradezu vor Aktion und Mitgefühl und konnte sich der Nation als tatkräftiger Macher präsentieren. Dem Herausforderer blieb mangels Befehlsgewalt nichts anderes übrig, als tatenlos daneben zu stehen und zustimmend zu nicken.

Da „Sandy“ zu einer zweitägigen Zwangspause des New Yorker Aktienhandels führte, darf man gespannt sein, wie die Börse heute die Nachrichten der beiden vergangenen Tage abarbeitet und einpreist. Naheliegend ist, dass Unternehmen, die am Wiederaufbau verdienen, zu den Gewinnern gehören werden. Aber schon bei Versicherern und Rückversicherern ist das Bild weniger eindeutig. Zwar scheint es plausibel, dass sie zunächst unter dem Großschaden leiden werden. Auf lange Sicht sind solche Schadensereignisse aber die besten Argumente für den künftigen Verkauf von Policen und die Erhöhung der Prämien.

Dauerbrenner deutsches Gold

Gegen „Sandy“ nahm sich der Sturm um das deutsche Staatsgold vergleichsweise bescheiden aus. Dabei dürfte das Thema mehr Sprengstoff enthalten, als auf den ersten Blick sichtbar wird.

Nach Jahrzehnten des Mauerns, praktizierte die Deutsche Bundesbank – die in Sachen Gold den Begriff „Nebelbank“ neu definiert hat – gerade ein wenig Glasnost – gezwungenermaßen: Weniger als ein Drittel des deutschen Goldes (31%) lagern demnach tatsächlich im Inland, was die Befürchtungen etlicher Beobachter bestätigte.

Laut Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele würde die Bundesbank „… Gold an internationalen Goldhandelsplätzen halten, um es im Fall der Fälle binnen kürzester Zeit als Währungsreserve verfügbar zu haben.“ Was Thiele damit konkret meint, bleibt unklar. Die Betonung des Zeitfaktors („binnen kürzester Zeit“) deutet darauf hin, dass es einmal sehr schnell gehen könnte, wenn es darum geht, das deutsche Gold einzutauschen.

Die viel interessantere Frage, wogegen es konkret getauscht werden könnte, bleibt dagegen offen. Im Zweifelsfall dürften dies US-Dollar oder US-Dollar-Derivate, etwa Sonderziehungsrechte sein. Ein Tausch gegen Euro wäre dagegen nur eine Bilanzverkürzung der Bundesbank und dürfte wohl ausscheiden – Euro gäbe es zudem in Frankfurt reichlich.

Die Kommentatoren der Mainstreampresse beeilten sich, das Thema in bewährter Manier herunterzuspielen oder von Anfang an ins Lächerliche zu ziehen. Die angekündigte Rückholung von insgesamt nur 150 Tonnen wurde entsprechend als der entscheidende Schritt bewertet, mit dem die Sache nun erledigt sei. Sie ist es nicht.

So hängt es beispielsweise schon vom konkreten Auswahlverfahren für die „Reisebarren“ ab, ob der anschließenden Prüfung überhaupt ein Aussagewert zugemessen werden kann. Aber noch etwas anderes zeigt die Episode: Freiwillig wird die Bundesbank auch weiter nicht das Geringste an Informationen herausrücken. Auch öffentlichem Druck standzuhalten, ist man in Frankfurt gewohnt. Es bedurfte der rechtlichen Keule, die der Bundesrechnungshof schwang, um die Mauer des Schweigens ein Stückchen weit einzureißen. Wer also jetzt hofft, dass die Bundesbank nun endlich auch die bewusst verschleiernde Bilanzposition „Gold und Goldforderungen“ aufschlüsseln wird, der dürfte enttäuscht werden… (Seite 2)

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