Die Menschen und ihre Laster

8. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) Vergangene Nacht wandelte ich in so nachdenklicher Stimmung vom Büro nach Hause, dass ich quasi von einem Bus überfahren wurde, wenn ich kein Glück gehabt hätte. Ich hatte einige unabhängige Forschungen durchgeführt – zum Thema Lasterhaftigkeit. Also habe ich einen Umweg durch ein Vergnügungsviertel gemacht, um mir dort die ganze Sache einmal genauer anzusehen…

Treten Sie ruhig ein – es wird ihnen gefallen, was sie hier zu sehen kriegen“, drängte eine Frau in einem schockierenden Outfit. Ihr Ausschnitt zeigte einen so großen Ausschnitt, dass sie sich um den Ausschnitt eigentlich von vorneherein nicht hätte bemühen müssen.

Na, wie wär‘ es mit uns beiden“, rief eine andere, die ein Kostüm trug, das sie hätte im Büro tragen können. Ein graues Geschäftskostüm, in dem sie es vermutlich auf die Geschäftsleute abgesehen hatte, die nicht aus der Stadt sind und in der großen Stadt nach neuen Phantasien suchen.

Ich sah Buchläden, die Schilder mit der Aufschrift Super Sex Videos – nur für Volljährige“ zu Schau stellten und Bars, die ihre Türen für mich öffneten. Casinos und Spielhallen leuchteten mir entgegen. Und auf der Straße standen die Leute mit Bier in den Händen und mit zu viel Zeit und zu viel Geld in den Taschen.

Mein Interesse am Laster ist, dass muss ich wohl nicht extra erwähnen, ausschließlich ein berufliches Interesse – genauso wie bei jemandem, der Marihuana als Medikament konsumiert. Es gibt mir die Gelegenheit, einen Blick auf das Leben der unteren Schichten zu werfen, ohne mir selbst die Finger schmutzig zu machen. Abgesehen davon war ich so sehr in Gedanken versunken, dass mir die verschiedenen Aufforderungen kaum auffielen.

Wenn die Wirtschaft weich wird, dann raten die Finanzexperten den Anlegern zu defensiven“ Positionen überzugehen… Und Laster-Aktien“ sind da mit die beliebtesten. Wenn die Zeiten hart sind, dann fangen die Leute an zu trinken, zu rauchen, zu spielen und sie wenden sich dem Sex zu, sagen die Experten.

Ich bezweifle, dass das so stimmt. Gute Männer sind ihren Fußballvereinen und ihren Lastern treu. Sie geben sie nicht auf, wenn die Zeiten hart werden, aber sie lassen sie auch nicht fallen, wenn sie leben wie die Maden im Speck. Jeder braucht ein gut ausgebildetes Laster. Eines, an das er sich in guten wie in schlechten Zeiten halten kann. Andernfalls wäre er ein gutes Opfer für jede Modeerscheinung, die des Weges kommt. So kann er z.B. nicht zugleich ein Weiberheld und ein Trinker sein.

Sobald er zu häufig zur Flasche greift, werden die Damen ihn fallenlassen. Sie werden nicht bereit sein, ihn zu teilen. Auch die Spielsucht lässt sich mit der Trunksucht nicht gut vereinbaren. Ein Betrunkener lässt sich zu schnell über den Tisch ziehen, er hat nicht wirklich die Gelegenheit, eine echte Spielsucht auszubilden. Nein, jeder Mensch muss das Laster finden, das zu ihm passt, und sich dann daran halten… (Seite 2)

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