Die Leuchten von Brüssel: Oettinger fordert mehr Kontrolle

23. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Nicht nur die Euro-Krise zeigt, wie EU-Kommissare ticken. Auch die wirtschaftliche Lenkung im Namen „höherer Ziele“ weist für EU-Europa den Weg vom Markt zum Plan. Schon der Einstieg in den Ausstieg aus der Glühbirne war ein Bubenstück. Nicht nur, dass über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden wurde, es wurde – wohl aufgrund eigener, höherer Einsicht – geradezu gegen deren Willen gehandelt…

Ein beliebtes, ausgereiftes und preiswertes Produkt, das zudem ein von vielen als angenehm empfundenes Licht produzierte, wurde vorgeblich auf dem Altar der „Klimarettung“ geopfert. Staatlicher Zwang ebnete den Weg für ein wesentlich teureres Produkt, das auch unter dem Blickwinkel eines echten Umweltschutzes fragwürdig erscheint (Stichworte: Quecksilbergehalt/Entsorgungsproblematik). Tatsächlich dürfte das „Hauptproblem“ der Glühbirne gewesen sein, dass damit kaum noch Geld zu verdienen war. Ohnehin liest sich die Geschichte der Glühbirne über weite Abschnitte wie ein Wirtschaftskrimi.

Zwar verschwand das Phoebus-Glühbirnenkartell – eines der bestdokumentierten der Wirtschafts(kriminal)geschichte – 1942 von der Bildfläche, wurde aber als „International Electrical Association“ (IEA) fortgeführt. Erst 1989 soll es angeblich(!) endgültig aufgelöst worden sein. Eines der Ziele der Kartellbrüder war die Begrenzung der Lebensdauer von Glühbirnen auf 1.000 Stunden, wofür man seinerzeit aber noch keine „höheren Ziele“ als den eigenen Geldbeutel vorschieben musste.

Auch in Brüssel leisteten die Leuchtmittelhersteller ganze Arbeit. Wer ein wenig über die dunkle Seite des Glühbirnenverbots erfahren will, dem sei der Film „Bulb Fiction“ empfohlen. Interviewanfragen des Autors Christoph Mayr zu den Hintergründen des Glühbirnenverbots wurden vom ehemaligen Energiekommissar Andris Piebalgs (Begründung: Heute nicht mehr zuständig) ebenso abgelehnt, wie vom aktuellen Energiekommissar Günther Oettinger (Begründung: Damals noch nicht zuständig). Schön, dass wir darüber geredet haben.

Kein bisschen Spaß darf sein

Am 1. September ist es jedenfalls soweit und auch die letzte Glühbirne wird aus dem Handel verschwinden. Wird sie? Gegen die entsprechende Verordnung Nr. 244/2009 gab es originelle Formen des Widerstands, wie etwa den Heatball (www.heatball.de), der allerdings an der vorhersehbaren Humorlosigkeit des Apparates scheiterte.

Dennoch bildeten sich in der Bevölkerung zahlreiche Widerstandsnester in Form von Glühbirnenhortern: Es wird zudem befürchtet, dass die nicht vom Glühbirnenverbot erfassten Speziallampen deutlich an Popularität gewinnen werden – bis hinein in die „Gute Stube“. Stern.de spricht gar von einer „Rebellion an der Glühbirnenfront“. Wenn Propaganda nicht verfängt, müssen es eben Zwang und Kontrolle richten, so denken wohl die „Leuchten von Brüssel“: „Obersparbirne“ Oettinger, der bekanntlich alles außer Hochdeutsch (und Englisch) kann, fühlt sich inzwischen jedenfalls höchst zuständig und regte eine strenge Kontrolle des Verbots an. Eine Steilvorlage für die Verwaltung im Lande. Das bankrotte Berlin forderte laut welt.de gleich Planstellen für sieben neue Beamte. Die Bürokratie hat eben immer Konjunktur.

Das Ganze erinnert fatal an ein anderes, volksbeglückendes grünes Produkt, das die Verbraucher bis heute ebenfalls mehrheitlich ablehnen – der angebliche „Biosprit“ E10. Angesichts von Dürre und rekordhoher Nahrungsmittelpreise fordert inzwischen sogar die Lobbyorganisation Greenpeace einen sofortigen Verkaufsstopp. Beide Beispiele zeigen plastisch, dass die zentral geplante Wirtschaft auch im grünen Gewand nicht besser funktioniert, als jede andere aus der Geschichte bekannte Spielart der Planwirtschaft. Sagte jemand Solarindustrie? Und sie zeigt die typische Reaktion: Läuft es nicht wie geplant – und das tut es eigentlich nie – dann kehrt man nicht etwa um, sondern drangsaliert und kontrolliert.

Fazit

Immmer wieder sind wir mit der marktfeindlichen Denkungsart vieler EU-Funktionäre konfrontiert. Solange hier nicht endlich eine Rückbesinnung auf die Kräfte von Wettbewerb und freiem Austausch stattfindet, ist der Weg der EU hin zu mehr Vorschriften, mehr Gängelung und mehr Kontrolle vorgezeichnet. Unter diesen Vorzeichen erscheinen uns Anlagen im Ausland oder „länderunabhängige“ Anlagen, wie z.B. Edelmetalle, weiter als die bessere Wahl.

©Ralf Flierl, Ralph Malisch (Auszug aus dem Smart Investor)

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.