Die letzte Phase hat begonnen

24. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Robert Rethfeld

Nachfolgend ordnen wir den Stand des US-Wirtschaftszyklus ein. Wir betrachten zwei Modelle. Erstens das Modell von Stockcharts.com; zweitens das Zyklenmodell von Martin Pring („All-season Investor)“.

Die vier Elemente Verbrauchervertrauen, Industrieproduktion, Zinsen und die Zinskurve werden von Stockcharts.com als Elementarfaktoren für die Standortbestimmung des US-Wirtschaftszyklus angesehen.

Quelle: http://www.stockcharts.com/charts/performance/SPSectors.html

Das US-Verbrauchervertrauen ordnen wir irgendwo in der Mitte zwischen „fallend“ und „scharf fallend ein“. Der Rückfall in die Range der „gefühlten Rezession“ ist auffällig (folgender Chart).

 Die US-Industrieproduktion steigt mit einer Wachstumsrate von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein positiver Wert. Die Zinsen fallen nicht mehr, sie befinden sich in einer Phase der Bodenbildung.  Die Zinsen ordnen wir daher mit „fallend“ ein. Die Zinsstrukturkurve flacht ab – als Folge niedriger Zinsen am langen Ende.

Zwischenfazit:

Im Gesamtbild weisen die Faktoren im Mix auf  eine „Spätphase der Erholung“ hin.

Der Autor Martin Pring unterteilt den Wirtschaftszyklus in sechs Phasen. Kurz nach Beginn der Rezession sollte man in Bonds investiert sein (Phase I). Inflation und Zinsen überschreiten in dieser Phase ihren Höhepunkt. Steigende Bonds (fallende Zinsen) beginnen, die Wirtschaftstätigkeit anzuregen. Es folgt die zweite Phase, in der die Aktienmärkte interessant zu werden beginnen. Die verbesserte Gewinnsituation der Unternehmen, die erhöhte Industrieproduktion sowie die verbesserte Kapazitätsauslastung zeigen, dass die Nachfrage in Gang kommt. Unternehmen erhalten ihre „Pricing Power“ zurück und regen die Inflation an.


Quelle: www.pring.com

Als Folge beginnen die Rohstoffe („Commodities“) zu steigen (Phase III). Zum Thema Gold schreibt Pring, dass Gold und Goldaktien ein spezieller Fall sind und in der Regel zeitlich vor den anderen Rohstoffen drehen. In der vierten Phase – es ist die erste Phase der Erholung – toppen die Bonds als Folge des erhöhten Inflationsdrucks aus, in der fünften Phase erzielen die Aktien ihr Hoch, u.a. weil sich die Kredite verteuern und dies Auswirkungen auf die Gewinnsituation hat. Die sich verringernde Verbraucher-Nachfrage führt schließlich zum Ende des Rohstoff-Bullenmarktes (Phase VI).

Wir betonen, dass die Darstellung des Wirtschaftszyklus nicht immer diesem idealisierten Zustand entspricht. Aber wenn man sieht, mit welchen Volumina derzeit beim Edelmetall Platin zugegriffen wird (siehe Kreis folgender Chart), dann kann man nur der Meinung sein, dass sich der Konjunkturzyklus in eine Phase steigender Rohstoffpreise hinein bewegt.

 Auch die anderen Edelmetalle steigen, der Sprit-Preis an den Tankstellen befindet sich in Europa auf einem Rekordhoch (in den USA noch nicht ganz). Die Agrarpreise laufen schon seit einigen Monaten voraus.

Fazit

Das Top eines „Business Cycle“ bildet sich auf dem Höhepunkt einer inflationären Bewegung. Das bedeutet: In der letzten Phase des Anstiegs zeigen diejenigen Aktien relative Stärke, die von Inflation profitieren (z.B. Minen, Energie). Die Rohstoffrallye nimmt Fahrt auf. Anleihen haben in einer solchen Phase ihren Hochpunkt bereits überschritten. Die letzte Phase des Konjunkturzyklus dürfte begonnen haben. Aktienmärkte und der Konjunkturzyklus bewegen sich selten deckungsgleich. Erst kippen die Anleihen-, dann die Aktien- und dann die Rohstoffmärkte. Der Dominostein „Anleihen“ dürfte bereits gekippt sein (Juli-Hoch). Der Aktien- und der Rohstoffmarkt knobeln den nächsten Dominostein aus. Meist ist es der Aktienmarkt, der sich zuerst aus der Aufwärtsbewegung verabschiedet (Ausnahmen bestätigen die Regel). Antizipieren Sie die Entwicklung der Finanzmärkte mit Hilfe unserer handelstäglichen Frühausgabe.

Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest

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