Die letzte große.. I ll u .s .i o n

2. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer

Im Kampf gegen das Bargeld hat Indien dem Rest der kapitalistischen Welt soeben eine Steilvorlage geliefert. Von heute auf morgen waren nicht etwa die Bankguthaben pauschal um eine Sondersteuer geschrumpft worden, wie das die Bargeldbefürworter immer wieder als Drohkulisse an die Wand malen…

…es waren auch nicht über Nacht die Hälfte aller indischen Banken durch den großen Finanzcrash zahlungsunfähig geworden, sondern (und das war der Clou!): Das ach so sichere Bargeld war plötzlich nicht nur nichts mehr wert, sondern ungültig.

Ungültig. Falschgeld. Altpapier.

Die Salden auf den Girokonten blieben hingegen unangetastet.

Welch ein Argument für das virtuelle Geld!

Für kurze Zeit ist es sogar noch möglich, mit dem frisch für ungültig erklärten Altpapier zur Bank zu gehen, wo es wie durch ein Wunder plötzlich wieder zum (Ein-) Zahlungsmittel und dann zum Giralgeld wird.

Welch ein Segen!

– und falls die Druckerpressen irgendwann einmal nachkommen sollten, sollen diejenigen, die vom Bargeld immer noch nicht restlos enttäuscht sind, sich dann sogar auch wieder neue, gültige Scheine geben lassen können.

Welch eine Gnade!

Ein Affentheater?

Nein. Ein Lehrstück!

Ein Lehrstück, das jedem, der seine fünf Sinne noch beeinander hat, beweisen sollte, dass Bargeld keinen Fliegenschiss mehr wert ist als das Papier, auf dem es gedruckt wurde.

Selbst die alte Weisheit, dass eine Währung ihren Wert nur vom Vertrauen ihrer Nutzer erhält, wurde damit (übrigens nicht zum ersten Mal) ad absurdum geführt. Die indischen Rupien-Nutzer hatten doch ausreichend viel Vertrauen in ihre Währung, um damit jeglichen Handel zu treiben. Sie hätten dieses Vertrauen auch nicht verloren, hätte nicht der Staat eingegriffen und einfach mal so verkündet: „Eh‘ ihr vertrauensseligen Inder, glotzt nicht so blöd. Schluss mit Lustig. Euer Bargeld ist ab sofort nichts mehr wert.“

Doch danach kommt erst der unglaubliche Trick der Illusionisten, die dieses Spiel ausgeheckt haben.

Wer sein Geld aus der Hand gibt und es einer Bank „anvertraut“ (Mein Gott! Immer diese Vertrauensseligkeit!), für den soll es seinen Wert behalten, er soll sogar darüber verfügen können (!), wenn er es braucht…

Was da passiert, das ist

Mafia-Pur.

Nachts um halb zwölf steht plötzlich ein halbes Dutzend zwielichtiger Gestalten im Wohnzimmer und verlangt mit der entsicherten Schrotflinte im Anschlag: „Gib uns dein Geld! Alles und sofort. Sonst bist du tot!“

Das überrumpelte Opfer wagt noch zu fragen, wofür und warum denn, und hört dann zu seinem Erstaunen:

„Es ist ja nur geborgt. Gib uns dein Geld, und du hast was gut bei uns. Ein Guthaben. Das steht auf deinem Konto bei uns. Und wenn du etwas bezahlen musst, dann gibst du uns einfach Bescheid. Wir erledigen das dann für dich!“

„Ja, aber warum? Warum kann ich mein Geld nicht behalten und mich selbst um alles kümmern?“

Da lachen sie ihn aus und sagen:

„Du hast doch gerade selbst erlebt, wie unsicher es ist, Geld zu haben.

Du hast doch gerade selbst erlebt, dass nur noch Verbrecher in der Lage sind, das Geld zu schützen.

Und, dass so ein Schutz nicht ganz umsonst ist, das wirst du noch erleben, und, dass du das auch verstehen wirst, dafür sorgen wir dann schon.“

Zum Abschied gibt es noch einen Schlag mit der flachen Hand auf die Nase und einen aufmunternden Tritt in die Kniekehlen. Dann ist der Spuk vorbei und das Geld weg.

Die geschickt formulierte Lüge lautet „Guthaben“.

„Guthaben“ klingt nach „haben“, nach Besitz und Eigentum. Doch wenn das Geld erst einmal weg ist, dann ist der arme Kerl vom Wohlwollen seiner Beschützer abhängig – und muss auch noch ordentlich Schutzgeld abdrücken.

Geld auf dem Konto befindet sich im Besitz der Bank.

Bitte machen auch Sie sich klar, dass ein Guthaben auf einem Konto bei einer Bank vollkommen außerhalb Ihrer Kontrolle liegt und Sie ausschließlich vom Wohlwollen der Bank und des Staates abhängig sind, sobald Sie Ihr Geld aus der Hand gegeben haben. Machen Sie sich klar, dass das auch nicht „Ihr“ Konto ist, sondern ein Konto der Bank, über das Sie – anders als beim Bargeld – nur verfügen können, wenn die Bank dies ermöglicht.

In Zypern hat man es schon durchgezogen. Allen, die sich nicht erinnern können, sei der hier verlinkte Artikel empfohlen.

Doch das war ja nur ein Anfang. Die EU hat seinerzeit die Schrotflinte angelegt und mit der Ermordung Zyperns gedroht. Und die Regierung und die Banken haben dafür gesorgt, dass die Sparer gefesselt und geknebelt zusehen mussten, wie die Einbrecher ihr Geld abgeräumt haben. Ohne jede Chance zur Gegenwehr.

Die Chance zur Gegenwehr, die hatten nur die Großinvestoren. Die sind durch internationale Abkommen zur Investitionssicherung geschützt. Wären auch deren Einlagen angegriffen worden, es hätten sich Anwälte und Gerichte gefunden, die Zypern unmittelbar erneut in die Pleite getrieben hätten.

Geld auf dem Konto kostet Geld – und Arbeitsplätze.

Dass wir bei der Bank für jeden Bezahlvorgang eine Gebühr entrichten müssen, daran haben wir uns schon gewöhnt. Ein Stück weit ist das auch gerechtfertigt, weil der Aufwand für einen Rosenheimer oder Berliner, die Rechnung eines Versandhauses in Hamburg bar zu bezahlen – betrachtet man nur die Reisekosten – vermutlich teurer wäre als der ganze Einkauf. Die Zeiten, in denen Versandhäuser, genau wie die kommunalen Versorgungsbetriebe, noch Angestellte beschäftigten, die regelmäßig monatlich die fälligen Raten bei den Kunden (ohne Zusatzgebühren) abholten, sind schließlich längst vorbei.

Es sollte dabei auch nicht unbeachtet bleiben, dass die Verödung der Innenstädte und ganzer regionaler Wirtschaftsräume so nicht hätte stattfinden können, hätte man uns nicht alle schon vor rund 50 Jahren aus Rationalisierungsgründen gezwungen, ein Konto zu eröffnen, und hätte man uns nicht mit dem Online-Banking die Möglichkeit eröffnet, von zu Hause aus nicht nur einzukaufen, sondern auch zu bezahlen. Der Weg zur Bankfiliale, um die Überweisung in den Briefkasten zu werfen, hatte uns immer noch an den Schaufenstern des örtlichen Einzelhandels vorbeigeführt – als Online-Banker sehen wir nur noch Amazon und jene, die bei Google Werbung treiben, und unterstützen bereitwillig einen Konzentrationsprozess, an dessen Ende wir hilflos in den Netzen der Monopolisten zappeln, weil wir die Artenvielfalt des Einzelhandels vor Ort haben aussterben lassen.

Wir waren noch bei den Gebühren. Von der Kostenseite her betrachtet sind Gebühren in dieser Höhe ganz und gar unberechtigt. Hier sind vollautomatisierte Verfahren im Einsatz, die auch noch zehntausend Überweisungen im Bruchteil einer Sekunde bewältigen, also ebensogut auch kostenlos zur Verfügung gestellt werden könnten. Die Hauptlast der Prozessoren der Rechner der Banken wird sowieso vom Investmentbanking verursacht. Der Zahlungsverkehr läuft mit niederer Priorität nebenher.

Negativ-Zinsen – noch ein Selbstbedienungsgeschäft für Banken

Dass nun auch das Gespenst der Negativ-Zinsen auftaucht und die Privatkunden einiger Institute auch schon erreicht hat, ist ein weiterer Schritt der Aneignung von Kundengeldern, der nur erfolgen kann, weil man einzig und allein den Zugriff auf die Konten hat, weil die Kunden ihr Geld nicht in Händen haben und daher auch nicht mehr schützen können.

Materielle Sicherheit als Gegenleistung? Von wegen.

Dass das Geld der Kunden im Keller im Tresor läge, also eine Sicherheit genießt, welche die Bank viel kostet, ist ein lächerlicher Witz. Die Bank verwahrt das Geld ihrer Kunden nicht in Form von Banknotenstapeln. Es existiert auch bei der Bank lediglich als Information auf den Speichermedien der Computer und kann dort allenfalls von Hackern gestohlen werden, nicht aber von Ede mit dem Schweißbrenner.

Es ist im Gegenteil so, dass die Bank das Geld der Kunden so verwendet als sei es ihr eigenes und nur einen ganz geringen Bruchteil nicht für eigene Spekulationsgeschäfte verwendet. Da unterscheiden sich Banken nicht von der Mafia, wenn der Pate von seinen Patenkindern eine Zwangsanleihe einzieht.

Für die meisten Bankkunden sind diejenigen „Manager“ die anschließend mit ihrem Geld zocken, vollkommen Unbekannte. Menschen, denen man auf der Straße keinen Fünf-Euro-Schein leihen würde, „vertraut“ man ohne zu zögern sein sauer verdientes Geld an, weil ja bisher alles gutgegangen ist.

Geld ist Kredit. Wird Kredit mit Geld getilgt, sind Kredit und Geld weg. Es muss neuer Kredit her, sonst ist kein Geld mehr da. Dass unser Geld ein Kettenbrief ist, der dafür sorgt, dass wenige Initiatoren am Ende alles eingesammelt haben werden, während alle anderen, die sich beteiligt haben, in die Röhre gucken müssen, will immer noch kaum jemand sehen.

Dabei ist überhaupt nicht alles gutgegangen! Erinnert sich denn niemand mehr, wie hunderte Milliarden in größter Eile in die Rettung von Staaten und Banken gepumpt (!) wurden, weil man auf diese Weise gerade noch einmal verhindern konnte, dass das große Spiel vorzeitig endete, weil sonst die von glänzenden Fassaden vermittelte Illusion zusammengebrochen und die gähnende Leere dahinter sichtbar geworden wäre?

Auch Bargeld ist nur Papier.

Auch das Bargeld ist, genau wie das Giralgeld, nur eine Illusion. An die Folgen der Währungsreformen in Deutschland kann sich leider außer einigen wenigen Rollatorschiebern kaum jemand mehr erinnern. Das Gespenst ist aus den Köpfen verschwunden.

Die Inder haben nun ein Zeichen gesetzt und erkennen lassen, dass auch Altpapier eben nur Altpapier ist. Man kann sich damit zwar vor Bankgebühren und Negativzinsen schützen, aber nicht davor, dass „höhere Mächte“ über Nacht das Vertrauen zerstören, das dem Papier erst einen Wert verleiht.

Auch Edelmetallbesitz und Handel müssen verboten werden. Die nächsten Schritte sind unweigerlich vorgezeichnet. Es geht gar nicht anders. Wenn das Bargeld weg ist, müssen die Edelmetalle weg. Ein Handelsverbot, bzw. eine Erlaubnispflicht für den Edelmetallhandel ist im Handumdrehen ins Gesetzbuch geschrieben. Und kontrolliert wird das durch die volle Transparenz über alle unsere Geschäfte von der gleichen Mafia, die unser Geld besitzt, solange wir es nicht ausgeben… (SEITE 2)

 

Seiten: 1 2

Ein Kommentar auf "Die letzte große.. I ll u .s .i o n"

  1. Insasse sagt:

    „Ein Lehrstück, das jedem, der seine fünf Sinne noch beieinander hat, beweisen sollte, dass Bargeld keinen Fliegenschiss mehr wert ist als das Papier, auf dem es gedruckt wurde.“

    Leider haben in diesem unserem Schland nicht mehr allzu viele Leute ihre fünf Sinne beieinander. Der billige Kredit, also das ungedeckte Fiat-Geld, hat den Weg in die Bequemlichkeits-Verblödung geebnet, die weitestgehend um sich gegriffen hat.

    „Das Geld sollte schließlich nicht mehr und nicht weniger sein als ein quantitativer, aber nicht qualifizierte Anspruch des Einzelnen gegen die Gesellschaft, für das, was er als Leistung erbracht hat, ohne dafür schon eine andere, reale, Gegenleistung erhalten zu haben.“

    Dem kann ich nicht ganz folgen. Warum soll Geld ein Anspruch gegen die Gesellschaft sein? Geld soll am besten gar kein Anspruch sein, sondern einen inneren Wert haben, der es ermöglicht, es immer und überall gegen Waren und Dienstleistungen aller Art einzutauschen. Sozusagen ein universelles Tauschmittel, dass in seiner Werthaltigkeit nicht von einem Dritten abhängt.

    „Es ist nicht von der Hand zu weisen: Die Welt, so wie sie ist, kann auf den klug regierten Nationalstaat nicht verzichten, will man nicht dem Raubtierkapitalismus Tür und Tor öffnen.“

    Diese – meiner Ansicht nach valide – Erkenntnis, hätte ich offen gesagt nicht gewagt, aus Herrn Kreutzers Munde zu hören. Um im Börsen-Jargon zu bleiben: Das kam „völlig unerwartet“. 😉

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.