Leimspuren der Notenbanken: Süß und klebrig

(von Frank Meyer) Geht es Ihnen auch so? Bei mir schlägt die Deflation jeden Tag zu. An jeder Ecke werde ich neuerdings von ihr zu Boden gestreckt. An der Tankstelle, beim Einkaufen, an der Börse. Neulich hat sie mich an einem Weizenfeld überfallen. Ist es nicht herrlich? Unterdessen beginnen auch Gold und Silber einen preislichen Ausflug nach oben und keiner bekommt es mit. Wie sollte man auch…
…wenn man täglich auf der von den Notenbanken ausgelegten Leimspur entlang kriecht und dabei die Draghi`schen und Bernanke`schen Krümel nach irgend einem Inhalt durchsucht. Man sollte sich nicht wundern, wenn man dann nicht das bekommt, was man sich wünscht, sondern das, was man verdient.
Viel Zeit wird verplempert auf der Suche nach dem richtigen Weg, wenn man sich an den falschen Hinweisschildern orientiert. Überall hängt werblicher Buchstabendurchfall herum. „Vertrauen Sie uns!“ und dann verteilen sie eimerweise Leim. Täglich wird diese Leimspur erneuert, mitten in der Nacht – und sollte der Tag zu lang werden, oder die Kurse zu niedrig stehen – auch zwischen Mittagessen und Nachmittagstee – gerne im Umfeld verbogener Wirtschaftsstatistik.
„Was werden die Notenbanken tun?“
Das ist die derzeit am meisten gestellte und besonders blöde Frage ohne Chance auf befriedigende Antwort. Gesunder Menschenverstand würde helfen, den Firlefanz als Täuschung zu entlarven. Wer wird davon profitieren? Zinspolitik ist wie Armenspeisung. Vorn am Schalter stehen die Schlangen, während am Hinterausgang der Braten und Champagner verteilt wird.
Oh Freude! Die FED bringt wohl bald einen weiteren Schwall frisches Geld oder Kredit in Umlauf – oder unters Volk. Kleiner Scherz. Quantitative Easing nennt sie ihr Werk der Zerstörung. Offiziell soll das die Wirtschaft ankurbeln, finanziert aber die Regierung zu geringsten Kosten, indem die Zinsen künstlich nach unten gedrückt werden. Manche werden dann glauben, sie wären reicher, wenn „Währungshüter“ mit “QE” herum experimentieren. Und später sind sie alle ärmer, ohne es gemerkt zu haben, denn die Zeit der freien Märkte ist längst vorbei. Auf der Flucht erschossen…
Und was ist das? Geheime Zinsziele der EZB bestimmt die Headline der „Welt“. Einen „viel versprechenden Weg haben die Notenbanker ins Auge gefasst…“, ist da zu lesen, um Obergrenzen für italienische und spanische Zinsen zu zementieren. Was Betonmischer eben so tun. Was kümmert`s mich?
Ich weiß, dass sie wissen, wie man Märkte zerstört, obwohl man vorgibt, sie zu retten. Im Gegenteil. Sie stacheln mich an, gegen sie zu wetten, indem ich ihnen ihre bunten Zettel auf den Tisch werfe und sie in eine bessere Währung tausche – eine, der sie nichts anhaben können, da sie außerhalb ihrer Zauberwelt existiert und sie nur eine Zeit lang ihre Preise manipulieren können, aber nicht ihren Wert.
Gold ist Teufelszeug. Silber noch viel teuflischer. Nicht dass ich das teure Goldzeug und seinen silbernen Gespielen kaufen möchte. Die selbst ernannten Hüter der Währungen zwingen einen förmlich dazu…(Seite 2)
Pages: 1 2
8 Responses to Leimspuren der Notenbanken: Süß und klebrig
Hinterlasse eine Antwort
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.



Tags: 









Smaras wird sein Versprechen halten. Er ist zwar kein Goldesel, heisse Luft hat er aber genug. Wird wohl ein bisschen stinken!
“…wenn man täglich auf der von den Notenbanken ausgelegten Leimspur entlang kriecht”
“Oh Freude! Die FED bringt wohl bald einen weiteren Schwall frisches Geld oder Kredit in Umlauf – oder unters Volk.”
Vielleicht ist das ja auch die Leimspur? Zumindest für eine Zeit lang? Ist doch schön wenn alle anfangen zu rennen nur weil man behauptet etwas bald(!) zu tun.
“An jeder Ecke werde ich neuerdings von ihr zu Boden gestreckt. An der Tankstelle, beim Einkaufen, an der Börse.”
Tankstelle => Wert des Euro spielt dabei (neben der Saisonalität; ob nun manipuliert oder nicht ist dabei PillePalle) wohl die treibendste Rolle.
beim Einkaufen => Echt? Ich nicht (und ja ich führe Buch)… Was ich bisher feststelle ist im Bereich der üblichen Schwankungsbreite sprich: Es spielt (noch immer) eine weit(!) größere Rolle ob gerade für Obst das ich mag Saison ist als alles Andere…
an der Börse => Tja die Entwicklung von ZIRP zu NIRP tut sicher ihr übriges. Andererseits sind wohl die Experten z.B. für den DAX so bullisch wie lange nicht mehr… und gleichzeitig bringen sich viele Firmen zum Sparen in Stellung => Meldungen zu Stellenstreichungen (oder auch Kurzarbeit etc.) “häufen” sich ja langsam(!) wieder…
Schauen wir mal was passiert wenn die Daddelmaschine ob des Brechens von bestimmten charttechnischen Marken ans realisieren von Gewinnen “denken” und was nun kurzfristig wirklich kommt (noch wesentlich(!) mehr QE? Bei den Ständen am Aktienmarkt etc?).
Über China etc. wird ja auch viel geschrieben (z.B. aktuell Einkaufsmanagerindex für China der HSBC) und auch Stöferle war/ist ja im “In Gold we trust”-Report, wenn ich mich recht entsinne, der Meinung das u.a. China eine bedeutende Rolle im EM-Sektor spielt und eine “Entschleunigung” des dortige Wachstums sich als einer der kritischeren Faktoren für eine positive Entwicklung herausstellen könnte.
Nichts muss, alles kann (und im EM-Sektor dabei sein sollte man aus gewissen Gründen schon), aber hatten wir das gleiche Spiel nicht in den ersten Monaten diesen Jahres?
Schauen wir mal wir werden es erleben…
PS: Langfristig gebe ich Frank recht wird wohl Inflation bei rauskommen… aber kurz- und mittelfristig?
@gilga:
Warum bei Inflation / Deflation so sklavisch am ODER hängen? Es läuft eher darauf hinaus, dass es Inflation UND Deflation geben wird. Ersteres bei essentiellen Gütern (jetzt z.B. schon bei den Spritpreisen, aber teils auch bei Nahrungsmitteln und bei öffentlichen Gebühren), Zweiteres bei nichtessentiellen Gütern (z.B. Immobilien). Deflationäre Tendenzen sind derzeit – wenn überhaupt – noch gering, sie werden sich aber verstärken, wenn die Inflation bei essentiellen Gütern richtig ins Rollen kommt. Denn dann ist immer weniger oder kein Geld mehr für nichtessentielle Güter vorhanden.
Ich würde eher, wie ich in einem anderen Kommentar vor einiger Zeit schon schrieb, die Unterscheidung zwischen “von außerhalb der Eurozone” und von innerhalb ziehen wollen statt zwischen essentiellen und nichtessentiellen Gütern. Aber am Ende kommt das grob aufs Gleiche (Energie und damit zum Teil auch Nahrung vs. “Luxusgüter” bzw. Güter der Konsumgesellschaft) hinaus…
Fakt ist das ich momentan dieses Szenario, also Teuerung in einigen Bereichen bei gleichzeitigem Preisverfall an anderen Fronten (um bewusst nicht Inflation/Deflation zu sagen) für das wahrscheinlichste halte.
Was der momentane kleine(!) Hüpfer nach oben bei Gold und Silber genau zu sagen hat… wer weiß das schon. Ich glaube die Meinung ist da genauso indifferent wie zu meinem obigen Posting (momentan 2,8 aus 5)
PS: Passend dazu auch: “China: Stimmung sinkt” unter http://www.querschuesse.de/china-stimmung-sinkt/
@gilga:
“Was der momentane kleine(!) Hüpfer nach oben bei Gold und Silber genau zu sagen hat… wer weiß das schon.”
Ganz so schleierhaft ist die weitere Entwicklung nicht. Wer die Geschehnisse aufmerksam verfolgt, sieht sich den Verschuldungsgrad der Staaten und die Entwicklung der Edelmetallpreise an. Beide laufen quasi parallel nach oben – insbesondere in der letzten großen Verschuldungsphase seit Anfang 2000. Da die Weginflationierung der Schulden – soweit möglich – für die Politik das geringste Übel ist (z.B. gegenüber einem Währungsschnitt, der den Verlust der Ersparnisse auf einen Schlag offensichtlich macht), geht sie diesen Weg durch (immer schnelleres) Gelddrucken. Dies wirkt sich sukzessive kurssteigernd auf die EM aus, welche in solchen historischen Situationen als “Ersatzwährung” – jedenfalls als Geld – angesehen werden.
Schaun mer mal, wie es weitergeht…
Warum über Deflation und Inflation streiten? Nun, weil in beiden Fällen eine Steuerung durch die Notenbank lehrbuchmässig möglich ist.
Deshalb hört man auch so wenig von der Stagflation, der meiner Meinung nach zutreffenden Beschreibung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Stagflation
Besser also man diskutiert das Eine oder das Andere, als die Hoffnungslosigkeit einzusehen.
Aber, da gibt es ja noch Gold und Silber… .
Frank vom feinsten!
Wie wahr, wie wahr!
“…nicht dass ich das teure Goldzeug und seinen silbernen Gespielen kaufen möchte. Die selbst ernannten Hüter der Währungen zwingen einen förmlich dazu…”
Besser kann man nicht beschreiben, wie aus “aufgeweckten Bürgern in Anlagenot” zwangsweise-Goldbugs bzw. notgedrungenerweise-Silberbugs entstehen.
Noch so ‘ne tolle Analogie:
“Der Zug stand monatelang im Bahnhof.”
…ich ergänze: und auf der Anzeigetafel stand “€ 13.59 – Silberne Philharmonie”. Damals stand der Zug auch Monate. Damals, vor 3 Jahren.