Die Last der Dollar-Schulden

28. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Auslandsschuldner, die Dollar-Kredite aufgenommen haben, geraten jetzt unter Druck – und können das Weltfinanzsystem erschüttern. Die Aufwertung des US-Dollar, die bereits gegen Ende 2011 eingesetzt hat, schreitet voran. Bis heute hat der Außenwert des Greenbacks bereits um knapp 29 Prozent zugelegt.

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Die US-Dollar Aufwertung wird aufgrund von zwei Faktoren nicht folgenlos bleiben: In den letzten Jahren ist (1) die Verschuldung von Ausländern in US-Dollar stark angestiegen und (2) die Verschuldung vieler Volkswirtschaften im Ausland merklich in die Höhe gegangen. Die Niedrigzinspolitik der amerikanischen Notenbank (seit Beginn des 21. Jahr-hunderts) hat die Kreditmarktzinsen in US-Dollar abgesenkt und den US-Dollar als Verschuldungswährung für Ausländer attraktiv gemacht.

poll-usd-2Zudem hat sich weltweit die grenzüberschreitende Kreditaufnahme (in Form von Bankkrediten und Wertpapieremissionen) markant erhöht. Sie erreichte im dritten Quartal 2014 9,2 Billionen US-Dollar – gegenüber 2,5 Billion US-Dollar im Jahre 2000.

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Vor allem hat dabei die Auslandsverschuldung des asiatischen Raumes überaus rasant zugenommen: Seit Anfang 2013 ist sie durchschnittlich mit einer Jah-reswachstumsrate von mehr als 20 Prozent gewachsen. Auf den Kreditmärkten gibt es keine Anzeichen für eine „Entschuldung“. Im Gegenteil: Die Kreditvolumina nehmen weiter zu. Lediglich das Wachstum der grenzüberschreitenden Kreditvergabe hat sich abgeschwächt.

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Dass der Außenwert des US-Dollar steigt, könnte vor allem daran liegen, dass die US-Konjunktur sich besser zu entwickeln scheint als die in anderen Wirt-schaftsräumen dieser Welt (wie insbesondere der Euroraum und Japan). Die US-Zentralbank hat bereits Zinserhöhungen in Aussicht gestellt, die die At-traktivität des US-Dollar aus Sicht der internationalen Investoren natürlich weiter erhöhen.

Der große Neustart: Kriege um Gold und die Zukunft des globalen Finanzsystems

Renditesuchendes Kapital drängt in den US-Dollar und lässt ihn aufwerten. Das wiederum setzt diejenigen, die sich in US-Dollar verschuldet haben bezie-hungsweise im Ausland Kredite aufgenommen haben, unter Druck. Kredite verteuern sich: Dollar-Schuldner aus beispielsweise den ‚Emerging Markets‘ müssen nun verstärkt mit US-Dollar-Anlagen konkurrieren, und das treibt ihre Kreditkosten in die Höhe.

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Steigen die Zinsen in den ‚Emerging Markets‘, erweisen sich die Investitionen, die bislang mit billigen Krediten finanziert wurden, als unrentabel. US-Zinssteigerungen haben folglich das Potenzial, eine ernste Wirtschaftskrise in vielen aufstrebenden und Dollar-abhängigen Volkswirtschaften zu provozieren. Ein aufwertender US-Dollar verteuert natürlich auch den Schuldendienst der ausländischen Dollar-Schuldner, und ihre Kreditqualität auf den Märkten trübt sich ein und trägt dazu bei, die Kreditkosten weiter zu erhöhen… (Seite 2)


 

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