Die kindlich naive Theorie der FED

25. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Heute mit bekannten Themen. Wir haben das schon gesehen: Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Die zu hohen Preisen bzw. Kurse von Vermögensanlagen (besonders Aktien). Der große Anstieg der Schulden. „QE“ und „ZIRP“-Programme der Fed…

Aber auch wenn es bekannt ist, bleibt es merkwürdig… und mysteriös… Lassen Sie uns zurückschauen… Die Grundlage für diese heutige Wirtschaftslage der USA wurde in den 1960ern und 1970ern gelegt. 1968 wollte Präsident Johnson vom Kongress die Zustimmung, dass der Dollar nicht mehr durch Gold gedeckt werden muss. Dann, 1971, erließ Präsident Nixon die Executive Order 11615, welche das „Goldfenster schloss“.

Das bedeutete, dass der Dollar nicht mehr gegen Gold eintauschbar war. Die Menge der Dollar hatte nicht länger einen Anker in einem physischen Rohstoff. Dollar konnten nun aus dem nichts von privaten Banken geschaffen werden, und die Fed half dabei. Die Akademiker, welche die Fed führten, hatten eine Theorie – eine, welche kindlich naiv aussieht aber dennoch (bisher) in der Praxis zu funktionieren scheint.

Je mehr man die Leute dazu bringt, sich zu verschulden, desto größer sei die Nachfrage nach Güter und Dienstleistungen… und desto mehr würde die Wirtschaft produzieren, um diese Nachfrage zu befriedigen. Das wiederum würde den Amerikanern mehr Arbeitsplätze und höhere Einkommen geben…. und die Befriedigung, dass sie etwas für nichts erhalten hatten.

Die Kredit getriebene Volkswirtschaft In der Theorie wurde davon ausgegangen, dass die Banken soviel Kredite wie sie wollten vergeben konnten, was das Wachstum ankurbeln würde, solange die Konsumentenpreise nicht außer Kontrolle gerieten. Nach einigem Hin und Her in den 1970ern nahm das dann in den 1980ern Gestalt an.

Seitdem sind für 33 Billionen Dollar Ausgaben getätigt worden, Käufe, Investitionen, Konsum und Spekulation – alles finanziert auf Kreditbasis. Wenn der Schuldenstand in Prozent des BIP konstant geblieben wäre, dann hätte es in den letzten drei Jahrzehnten etwa 1 Billion Dollar pro Jahr weniger wirtschaftliche Aktivität gegeben.

Ist das ein Erfolg der Akademiker? Oder was? „Oder was?“ ist meine Frage. Fast in diesem gesamten Zeitraum – von 1980 bis 2013 – sind die Konsumentenpreise nicht außer Kontrolle geraten. Stattdessen schienen sie sogar mehr unter Kontrolle gekommen zu sein – mit einer graduell fallenden Inflationsrate (durch schönrechnen der Zahlen wurde dem geholfen!), von über 13% Inflation im Jahr 1980 auf kaum 1% heute. Aber hier ist der neugierig machende und unbegreifliche Teil. Wenn man 100 Dollar pro Woche verdiente, konnte man normal auch 100 Dollar pro Woche ausgeben.

Wenn man 10 Dollar gespart hatte, dann konnte man sich dazu entscheiden, diese in einer Woche auch auszugeben. In dieser Woche konnte man sich dann für 110 Dollar Dinge leisten. Und die Wirtschaft konnte sich über 10 zusätzliche Dollar Nachfrage freuen. Aber die genannten 33 Billionen Dollar, welche die Amerikaner in den letzten vier Jahrzehnten oder so ausgegeben haben, kamen nicht von Ersparnissen.

Stattdessen kamen sie aus dem Nichts – aus dem Bankensystem, welches anders als allgemein angenommen Kredite vergeben kann, welche aus dem Nichts geschaffen worden sind (es müssen nicht Einlagen oder Rücklagen in derselben Höhe vorhanden sein).

Mit anderen Worten, dieses neue Geld repräsentierte keine Ressourcen, welche beiseite gelegt worden waren – wie Saatgut – für zukünftiges Wachstum. Niemals sparte jemals ein einziges Essen oder ein Bier ein, um dafür Geld zu sparen. Niemand arbeitete dafür auch nur eine Stunde. Wenn derjenige, der 10 Dollar gespart hatte, diese jemandem geliehen hätte – und der das dann ausgeben würde -, dann hätte das denselben Effekt auf die Wirtschaft, als ob der Sparer das Geld selber ausgegeben hätte.

Wenn die Wirtschaft sich also 33 Billionen Dollar „leiht“…und ausgibt, dann sollte das denselben Effekt haben, richtig? Und was ist, wenn die 10 Dollar oder die 33 Billionen Dollar nicht zurückgezahlt werden können, an diejenigen, welche das gespart hätten? Dann wären die Ersparnisse weg. Die Sparer hätten nichts. Aber zumindest würde es Sinn machen.

Die Autos, Shoppingmalls, Urlaube, Renten, Gesundheits-Schwindel, parasitäre Rechtsstreitigkeiten und fragwürdigen Finanzprodukte müssten dann mit realem Geld bezahlt werden. Sie würden dann mit Grund bestehen – wenn auch nicht notwendigerweise aus gutem Grund.

Aber was passiert, wenn die 33 Billionen Dollar purer Kredit gewesen wären, nicht gedeckt durch Ersparnisse, und nicht zurückgezahlt werden können? Wer verliert dann? Und wie konnten Güter und Dienstleistungen im Wert von 33 Billionen Dollar existieren, wenn dahinter kein reales Geld oder keine Ressourcen standen? Kümmert das überhaupt jemanden?

Bin ich hier alleine?

Quelle: Kapitalschutz Akte
Die kindlich naive Theorie der Fed (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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4 Kommentare auf "Die kindlich naive Theorie der FED"

  1. FDominicus sagt:

    Nein Sie sind nicht allein, diesen Wahnsinn prangern mehr als Sie schon eine Weile an. Nur – es hilf rein gar nichts. Die Leute wählen weiterhin genau diesen Weg. Es haben sich bei der letzten Bundestagswahl um die 25 000 Leute für eine Alternative entschieden oder anders herum ca
    0,0625% der Wählenden (Annahme 40 Millionen Wähler) oder glatt 0.03125% der in Deutschland Lebenden. Sie sind nicht allein aber jemanden zu finden der Ihrer Meinung ist, und dafür auch eintritt ist ein sehr mühsehliges Unterfangen.

  2. bluestar sagt:

    Nein, es kümmert niemanden wirklich, da die katastrophalen Folgen erst morgen eintreten
    und die Masse noch gar nicht ahnt was da kommen wird.
    Selbst wenn ein Krieg vor unserer Haustür aus Übersee provoziert wird tut sich nichts besonderes. Die Schlafschafe fühlen sich in der Obhut ihrer Schlächter sehr wohl.
    Und wenn das Blut fließt, sind die Wölfe schuld, welche von den Schlächtern fleißig
    aufgestachelt und angefüttert werden….

  3. Adam Smith sagt:

    Als ich noch Nationalökonomie studierte, lauteten die3 Instrumente der Nationalbank:

    Mindestreserve (Anteil in % des verliehen Geldes, das bei der NB hinterlegt werden mußte)
    Leitzins und Lombardzins (Zinssätze, zu denen Gelb bei der NB ausgeliehen werden konnte )
    Offenmarktpolitik (der Aukauf/Verkauf von Staatstiteln und Kapitalmarkttiteln)

    Nun lese ich seit Jahren, daß z.B. dieNB der Schweiz Einlagen der Kreditinstitute hält, die das 300-fache der Mindestreserve ausmachen. So kann doch keine Steuerung funktionieren!

    Gleichzeitig ist die Refinanzeirung bei den NB’s spottbillig! Allerdings nicht im Verhältnis zwischen Bank und Kunde! Das war doch der Grund für diese Politik: Geld für Investitionen!

    Und wei das nicht ausreicht kommt die Offenmarktpolitik dazu und kauft besonders die schlecht gerateten Staatspapiere oder auch Unternehmensanleihen. Was soll das, die Förderung von Investitionen durch billiges Geld sieht anders aus, Fanny Mae/Freddy Mac z.B.?

    Es sieht so aus, als hätte sich die Währungspolitik in eine ausweglose Situation gebracht, jedes Manöver wird jetzt riesigen Schaden anrichten. Das Einsammeln der großen Geldvermehrung wird zunächst Otto NormalverbraucheGeld ja gar nciht bei ihm angekommen ist. Aber die explodieren Vermögenspreise werden die zusammenfallen wie eine ausgebrannte Supernova. Überbewertete Aktien werden Banken straucheln lassen, überzogene Immobilienpreise z.B. in Wien 6.000-12.000 € je qm im ersten Bezirk, mir schaudert, wenn hier eine Bereinigung auf die Herstellungskosten plus Zuschlag für die Lage stattfindet. Keine der Transaktionen der letzten 4 Jahre hat dann den Wert, der als vorsichtige(!) Hypothek zu Buche steht. Das wird bitter!

    Oder haben wir das Ei des Kolumbus gefunden? Was passiert eigentlich, wenn die NB und die Regierungen das geliehene Geld gleichlautend streichen oder 1:10 abwerten? Die Staatsschulden sind dann nur noch 1/10, aber die Nb ist pleite! Ist sie wirklich pleite? Eine NB kann nie Pleite gehen, sie kann immer auseichend Geld schöpfen!

    Sie sehen: der Fachmann wie der Laie enden beide vor unbeantworteten Fragen, nur unterschiedlich schnell! Vielleicht hilft jemand dem Bill Bonner, dem Polleit und mir?

    Ihr AS

  4. Politinteresse sagt:

    Ich mache mir seit Jahren die gleichen Gedanken. Wie fließen Werte und Ansprüche? Wie realistisch ist eine Umsetzung der Ansprüche? Welche Ansprüche sparen/sammeln normale Bürger im Laufe ihres Lebens und was sind diese wert?

    Daran hängt auch ein großer Teil der Arbeits- und Sparmotivation der Bürger in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Bricht das zusammen, ist die Basis zerstört.

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