Die Kapriolen fangen erst an…

19. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Einige Experten erwarten in diesen turbulenten Tagen die „Rückkehr zur Normalität“. In Wahrheit geschieht das genaue Gegenteil: Die Dinge laufen aus dem Ruder…

Wissen Sie eigentlich noch, wo Ihnen der Kopf steht? Oder haben Sie im US-amerikanischen Wahldrama und den anschließenden Kurskapriolen an den Finanzmärkten etwas den Überblick verloren?

Und dann auch noch gewalttätige Massenproteste in den USA gegen den neu gewählten US-Präsidenten – mit freundlicher Unterstützung von „Menschenfreund“ George Soros! Was soll man denn bitte davon erst halten?

Bleiben Sie locker, das alles war erst der Anfang…

Nachdem sich der erste Staub nach einem beispiellosen US-Präsidentschaftswahlkampf gelegt hat, wird allmählich klar, wie „President-Elect“ Donald Trump die drängendsten Probleme angehen will:

Der neue Mann im Weißen Haus hält es so ähnlich wie die meisten seiner Vorgänger und verspricht zunächst einmal einfache Lösungen:

Diesmal soll ein gigantisches Infrastrukturprogramm der Weisheit letzter Schluss sein: Rund eine Billion US-Dollar (1.000 Milliarden) sollen in marode Autobahnen, Schulen, Schwimmbäder, öffentliche Gebäude und Brückensanierungen investiert werden.

Das klingt zunächst mal gar nicht übel und dürfte daher auch den Beifall der Demokraten in Kongress und Senat erhalten.

Die Kehrseite der Medaille wird man sich erst später ansehen. Dort steht geschrieben, dass in einer hoch verschuldeten Volkswirtschaft höhere Schulden für immer weniger Wachstum sorgen. Im Experten-Kauderwelsch wurde dazu der hübsche Begriff vom „abnehmenden Grenznutzen“ erfunden. Was das bedeutet, lässt sich derzeit auf der ganzen Welt beobachten und geht so:

Immer mehr Geld erzeugt immer weniger Wirkung.

Warum das gerade jetzt nicht ganz unbedeutend ist, zeigen einige Zahlen: Die US-Staatsverschuldung notiert derzeit ganz grob bei 120 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Als Donald Trumps Vorgänger Barack Obama vor acht Jahren die Amtsgeschäfte übernahm, lag dieser Wert bei rund 75 Prozent.

Blöd ist nun, dass seriöse Experten in einem Punkt übereinstimmen: Liegt die Staatsverschuldung bei über 80 Prozent des BIP, bremst dies das Wachstum ganz erheblich. Klar, denn ein Großteil der erwirtschafteten Leistungen fließt dann in den unproduktiven „Zinsdienst“.

Da das jetzt in Aussicht gestellte riesige Infrastrukturprogramm der Trump-Administration nur über noch mehr Schulden zu finanzieren ist, kann man sich schon heute an fünf Fingern abzählen, was mit dem Wachstum in den USA passieren wird: Es wird bestenfalls stagnieren.

Hinzu kommt nämlich der derzeit relativ starke US-Dollar, der die US-amerikanische Exportindustrie schwächt, und so mögliche Wachstumsimpulse der Binnenwirtschaft aus dem Infrastrukturprogramm konterkariert.

Was heißt das?

Das heißt, die Vereinigten Staaten steuern auf eine Periode zu, die in den Geschichtsbüchern als „Stagflation“ traurige Berühmtheit erlangt hat. Gemeint ist eine Phase beschleunigter Geldentwertung (Inflation) bei gleichzeitig stagnierendem Wirtschaftswachstum.

Wenn daher einige besonders schlaue Köpfe derzeit ihr Gold verkaufen, und dabei auf die steigenden Zinsen verweisen, dann sollten diese Experten einen Moment innehalten:

In den 1970er Jahren ließen stagnierendes Wachstum und Inflation, Stagflation also, die Zinsen in den USA von acht auf rund 16 Prozent klettern. Weil gleichzeitig jedoch die Inflationsraten explodierten, kam es zu dem Effekt „negativer Realzinsen“. Und in diesem Umfeld gab und gibt es keine besseren Investments als Gold, Silber und Edelmetall-Aktien.

Besonders pikant ist in diesem Zusammenhang ein Blick nach Indien:

Dort zeigt sich gerade, was auch den Industrienationen in den kommenden Jahren blüht: Im Windschatten der US-Wahlen hatte die indische Regierung „völlig überraschend“ (wie sonst?) eine Währungsreform durchgeführt.

Dabei, und das ist ein hochinteressanter Nebenaspekt, geht man nun ganz neue Wege. Um zu verhindern, dass die Menschen ihr Geld von der Bank holen, hat man sich einen Trick ausgedacht: Neues Geld erhält nur, wer seine Ersparnisse zur Bank bringt – und zwar nur bis zu einer bestimmten Obergrenze. Der gefürchtete Bankrun wird so verhindert – und die Menschen verlieren trotzdem 90 Prozent ihrer Ersparnisse. Raffiniert, nicht wahr?

Dabei ist Indien natürlich nur ein Testballon. Stellen Sie sich darauf ein, dass in Europa und den USA ähnliches passieren wird, sobald die Zeit dafür reif ist. Denn die Probleme, die zu solchen Schritten führen, sind immer dieselben: Zerrüttete Staatsfinanzen und ein erodierender Geldwert.

Weil es im Vorfeld solcher Entwicklungen darum geht, die Bewegungsmöglichkeiten der Bürger so effektiv wie möglich einzuschränken, sollte man jetzt einmal einen entspannten Blick nach Australien werfen. Dort wird die Citibank ab dem 24. November keine Münzen und Scheine mehr annehmen. Bargeld wird so zwar nicht offiziell verboten, aber sehr effektiv aus dem Verkehr gedrängt. So einfach ist der Weg in den vollständigen Überwachungsstaat.

Abschließend noch eine letzte Bemerkung zu den US-Wahlen:

Wer jetzt völlig am Boden zerstört ist, weil es leider keine weibliche Präsidentin gegeben hat, der möge sich nur ein wenig gedulden:

Marine Le Pen sitzt bereits in den Startlöchern…

© Andreas Hoose – Antizyklischen Börsenbrief

 

2 Kommentare auf "Die Kapriolen fangen erst an…"

  1. Avantgarde sagt:

    Ich hab es hier schon mal geschrieben, daß ich das gigantische Infrastrukturprogramm (so es denn auch kommt) sehr gut finden würde.
    Nicht nur weil es die Wirtschaft anschiebt sondern auch weil die USA es schlicht nötig haben ihre Rückständige Infrastruktur wieder in Schuss zu bringen.

    Und wenn all die digitalen Nullen irgendwann verschwinden sollten – so sind die Straßen, Brücken, Schulen, Telekommunikationswege Gas/Wasserleitungen noch da und auf dem neuesten Stand.
    Mit einer verrotteten Infrastruktur hat man ganz miese Neustartchancen.

    Je weniger Zweifel die Administration an ihrem Plan aufkommen lässt desto eher werden auch die Privaten das gesparte Geld von der Bank nehmen in investieren. Bevor es im Nullzinsnirvana verschwindet.

  2. bluestar sagt:

    „Die Kapriolen fangen erst an“ – wie schön könnte man sagen, es wird auf jeden Fall spannend.
    Seit der US-Wahl ist nunmehr klar, dass die alten Rezepte des Gesellschafts-und Stimmungsmanagement der sogenannten Eliten über deren Medien nicht mehr so richtig funktionieren. Da waren die wohl selbst überrascht. Nachdenken ? Nö, Dosis erhöhen, wie bei den Schulden, hat ja bisher auch bestens funktioniert.
    Jetzt muss richtig Angst vor Trump, AFD, FPÖ Marine und sonstige Demokratiefeinde verbreitet werden. Auch Angst vor Terror, Katastrophen, Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretiker und Putin sind wichtig. Angst macht klein, unterwürfig und unmündig. Dazu noch schöne Feindbilder erzeugen und schon ist wieder alles in der gewohnten Ordnung. Wir (Blockparteien ) sind immer die Guten. Die Menschen suchen Halt, Orientierung ,Obhut und weniger ein Konzept. Das zwingt zum Nachdenken und ist zu anstrengend. Und vielleicht klappt es ja auch wieder mit Mutti. Da weiß man wenigstens was man hat. Laut Forsa-Umfrage sind 58% der Wähler für eine 4. Amtszeit. Klar doch bei dieser makellosen Bilanz für die Interessen Deutschlands. Allerdings sind Umfragen auch nicht mehr so sicher, wie die US-Wahl gezeigt hat.
    Schauen wir mal wie es mit der geistigen Emanzipation der Menschen in Deutschland dann 2017 so steht. Ob es Kapriolen geben wird ?

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