Die irre Welt des Sparens

2. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Der Rummel um den Weltspartag am Donnerstag hat mich nachdenklich gestimmt. Sparen als Tugend wurde da zwar von den Sparkassen und einigen ihrer Konkurrenten einigermaßen hoch gehalten, aber ansonsten konnte man eher den Eindruck gewinnen, Sparen sei nicht mehr zeitgemäß…

Ganze Reporterteams rückten aus, um Passanten in Fußgängerzonen nach dem Umgang mit Geld zu fragen. Die Antworten, ausgestrahlt zur besten Fernsehsendezeit, mündeten überwiegend in Loblieder auf den Konsum. Begründung: Wenn Sparen wegen der Zinsen nahe null nichts bringt, wird das Geld eben für Smartphones und teure Klamotten ausgegeben.

Dabei müsste es eigentlich umgekehrt sein: Wenn Zinsen als Einkommensquelle weitgehend entfallen, kann Konsumverzicht für Ausgleich sorgen. Alternativen? Keine – es sei denn, Sparer nehmen das Risiko in Kauf, auf das falsche Pferd zu setzen. Es gibt Banker, die zum Beispiel allen Ernstes behaupten, Unternehmensanleihen seien jetzt genau das Richtige. Dass in diesem Anlagesegment Pannen, Pech und Pleiten mittlerweile an der Tagesordnung sind, klammern sie aus. Andere Banker schwören auf Renten- oder gemischte Fonds; beide Kategorien hatten in letzter Zeit große Absatzerfolge. Doch damit bewegen wir uns in die Richtung von Anlagen, die sich nicht mehr mit Omas und Opas Sparbuch vergleichen lassen, weil ihre Erträge mehr oder weniger stark schwanken.

Die Geburtsstunde des Weltspartags datiert aus dem Jahr 1924, die offizielle Einführung in Deutschland war dann ein Jahr später. Eigentlich ein Hohn, weil die deutsche Hyperinflation kurz zuvor, im Jahr 1923, die Ersparnisse total vernichtet hatte. Spätestens deren nochmaliger, fast vollständiger Verlust nach dem Zweiten Weltkrieg hätte die deutschen Sparer zur Räson bringen und auf lukrativere Anlagen umsteigen lassen müssen. Doch der Mythos vom Sparen als Tugend lebt in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern bis heute fort.


Die Ursachen sind mannigfaltig, zum Teil geschichtlich, zum Teil psychologisch, zum Teil kulturell bedingt. Um nur vier wichtige Ursachen zu nennen: Sicherheitsbedürfnis, Zahlengläubigkeit, mangelnde Geldbildung und Manipulation. Sicherheit verbinden die meisten Deutschen mit dem Ausbleiben jeglicher Verluste, auch der temporären. Darauf basiert die Zahlengläubigkeit: Wenn die Unternehmensanleihe eines maroden Mittelständlers oder ein Genussschein der Pleitefirma Prokon 5 Prozent laufende Zinsen verspricht, lockt das Sparer mehr an als etwa ein Aktienfonds, von dem man heute nicht weiß, ob er morgen Gewinne oder Verluste mit sich bringt. Die Geldbildung ist in Deutschland eine Katastrophe. Umso leichter lassen sich Sparer manipulieren, wenn ihnen geraten wird, solche Finanzprodukte zu kaufen, die den Banken und Sparkassen die höchsten Gebühren und Provisionen bescheren.

Die Geldbildung wird allseits beschworen. Sie müsse unbedingt in die Schulen Einzug halten, tönt es von den einschlägigen Verbänden, die dabei aber nur ihre eigenen Interessen im Sinn haben. Ich behaupte, dass es eine qualifizierte Geldbildung in den Schulen weder 2020 noch 2030 oder 2050 geben wird. Warum, liegt auf der Hand: allein schon wegen der Interessenvielfalt, die sich in unzähligen Finanzprodukten niederschlägt: Spar-, Tages- und Festgeldkonten, Aktien-, Misch-, Renten-, Geldmarkt- und Immobilienfonds, Kapital- und fondsgebundene Lebensversicherungen, Riester-Rente, Bausparen, Anlage- und Hebelzertifikate. Dabei sind einige Direktanlagen noch gar nicht berücksichtigt, wie Aktien, Anleihen, Immobilien und Edelmetalle.

Geldbildung ist und bleibt eine individuelle Angelegenheit. Weil die dafür erforderlichen Bildungsstätten fehlen und, wie hier dargelegt, auch weiter fehlen werden, führt in erster Linie Autodidaktik zum Lern- und schließlich zum finanziellen Erfolg. Sie sollte zunächst alle Medien umfassen, die sich mit Geld beschäftigen, von Büchern bis zum Internet. Das ist zeitraubend und besonders am Anfang verwirrend, aber als theoretische Grundlage wichtig. Noch wichtiger: die eigene Anlagepraxis und damit letzten Endes die Erfahrung.

Der Lerneffekt ist umso größer, je mehr und je häufiger man Erfahrung aufbaut. Das gelingt mit täglich handelbaren Edelmetallen, Gold- und Silberaktien (gerade jetzt) und sonstigen Aktien (erst nach einem Kurseinbruch) besser als mit Kapitallebensversicherungen, die langfristig binden. Wenn Sie den Weltspartag in diesem Sinn definieren, sind Sie den meisten Anlegern schon weit voraus.

MANFRED GBUREK – Homepage



 

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Ein Kommentar auf "Die irre Welt des Sparens"

  1. Michael sagt:

    Viel trägt die Inflationslüge bei. Bei uns wird schon wieder hausieren gegangen mit dem Argument – Höhere Löhne erzeugten die Inflation. Das die Verwendung in der Wirtschaft damit empirisch belegt werden kann verwundert jetzt mal keinen.

    Das muss man sich mal im Kontext der heutigen Geldmenge und deren permanenten Ausweitung mal vor Augen führen. Da lacht bestenfalls noch das Gerippe des Huhns dessen Eier am Ende des WWI mehr wert waren als das Arbeitseinkommen respektive so bewertet. Wenn permanent Inflation in die Assets läuft, dann ist es nicht wirklich unschlüssig das die Preise steigen und der Wert sich reduziert oder eben die umgekehrte Sicht das Geld entwertet wird. Ein Haus zum doppelten Preis wird mit Geld der halben Kaufkraft gekauft.

    Wenn sie einen bestimmten Betrag beiseite legen und günstig Aktien kaufen in der Zukunft ist nix mit Inflation – sie setzten auf ‚Deflation‘. Geld das man nicht braucht ist losgelöst von der Inflation der Warenkörbe zu sehen zumindest mal mit Bezug auf Assetklassen.

    Der kapitale Fehler in der Breite und den machen sie viele zunutze ist – Geld das der Mensch nicht sieht geht ihm nichts an. Das ist ein massiver Irrglaube. Bei einem ordentlichen Geld stimmt das sogar noch eher.

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