Die Inflation der Crashprognosen…

28. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Während die Warnungen vor einem Aktienmarkteinbruch immer abstrusere Formen annehmen, verkündet die US-Notenbank, noch in diesem Sommer die Zinsen weiter anheben zu wollen. Warum das so sein muss…

Wenn immer mehr Geld hergestellt wird, also aus Luft und damit buchstäblich aus dem Nichts geschaffen, dann verliert dieses Geld an Wert. So erklären es uns die Experten. Das klingt auch logisch, denn wenn es zuviel von einer Sache gibt, dann fallen die Preise dieser im Überfluss hergestellten Güter.

Beim Geld spricht man dann von Inflation. Oder ganz praktisch formuliert: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist erst dann wirklich zufrieden, wenn unser aller Geld, der Euro, jedes Jahr um zwei Prozent an Wert verliert, so nämlich lautet das offizielle „Inflationsziel“. Wem das merkwürdig vorkommt, der hat natürlich vollkommen Recht, aber das soll heute nicht unser Thema sein.

Denn wovon spricht man eigentlich, wenn es zu viele Crashprognosen gibt? Und fallen dann automatisch auch die Aktienkurse? Oder sind die Crashprognosen bloß einfach „weniger wert“, wenn sie inflationär um sich greifen?

Das sind nicht ganz unbedeutende Fragen, über die Börsianer in diesen Tagen einmal nachdenken könnten. Denn es ist schon erstaunlich, wer sich da zuletzt alles zu Wort gemeldet und vor einem „beispiellosen Einbruch“ am Aktienmarkt gewarnt hat. Wahlweise wurde gar von einer „Katastrophe biblischen Ausmaßes“ gesprochen.

Den Anfang machte vor einiger Zeit George Soros. Seit seinem erfolgreichen Angriff auf das britische Pfund vor einigen Jahren, einem Coup, der dem gebürtigen Ungarn quasi über Nacht Milliardenprofite bescherte, gilt Soros als Vorbild einer ganzen Zunft.

Vorbild?

Wie herausragend die Rolle dieses „Edelspekulanten“, der sich selbst als „Menschenfreund“ bezeichnet, etwa in der europäischen Flüchtlingskrise daherkommt, das lässt sich hier nachlesen.

Deutlichere Worte zu den Soros-Aktivitäten hat der Blogger freeman vor einiger Zeit gefunden. Nun warnt besagter George Soros also vor einem beispiellosen Desaster an den Aktienmärkten und empfiehlt den Menschen, statt Aktien lieber Gold und Goldminenaktien zu kaufen. Ausgerechnet.

Den Reigen der Crashpropheten komplettieren Carl Icahn, der legendäre Stan Duckenmiller und Soros-Kumpel Jim Rogers.

Letzter befürchtet ganz besonderes Ungemach. Der bevorstehende wirtschaftliche Zusammenbruch werde mehr als 68 Billionen US-Dollar ausradieren, warnt Rogers und malt einen „biblischen Kollaps“ an die Wand, der viele alte Institutionen, Traditionen, politische Parteien, Regierungen, Kulturen, und sogar ganze Nationen dahinfegen werde.

Und das ist noch längst nicht alles:

Eine „Crashwarnung“ der ganz anderen Art, die sich gleichwohl hervorragend in die aktuelle Nachrichtenlage einfügt, hat kürzlich die Allianz-Tochter Pimco ausgebrütet:

Einer der weltgrößten Vermögensverwalter fordert, die US-Notenbank solle Gold für 5.000 US-Dollar je Unze am Markt kaufen – und anschließend den Privatbesitz verbieten. Dies sei weitaus wirkungsvoller als Negativzinsen und werde die heiß ersehnte Inflation von ganz alleine erzeugen.

Wer jetzt immer noch nicht verstanden hat, dass wir uns mitten im Endspiel unseres ungedeckten Schuldgeldsystems befinden, dem prophezeien wir einige sehr erkenntnisreiche Jahre.

Die Eingangsfrage ist damit aber noch nicht beantwortet. Das ist auch gar nicht so einfach, denn jetzt wird es etwas kompliziert:

Ausgerechnet in einer Zeit, da die Expertenwarnungen immer abstrusere Formen annehmen, kommt die US-Notenbank daher und verkündet, noch in diesem Sommer die Zinsen weiter anheben zu wollen. Schließlich gehe es der US-Wirtschaft „prächtig“. Da staunt der Laie und der Experte wundert sich.

Wissen Sie was ich glaube? Ich denke, dass die vielen Crashpropheten noch ihr blaues Wunder erleben werden. Und zwar nicht weil sie grundsätzlich falsch liegen, sondern weil sie vollkommen Recht haben – der Crash aber trotzdem nicht kommt. Jedenfalls noch nicht.

Aus dem gleichen Grund wird auch die US-Notenbank die Zinsen nicht anheben, zumindest nicht signifikant. Denn auch die Fed weiß natürlich, dass Soros und Konsorten sehr genau überblicken, warum sie genau jetzt auf einen einbrechenden Aktienmarkt spekulieren.

Und weil die US-Notenbank sieht, dass das gesamte Schuldgeldsystem bis zum Anschlag überdehnt ist, und ein Einbruch der Aktienmärkte die logische Konsequenz daraus wäre, inklusive einer sich daran anschließenden wirtschaftlichen Depression, wird, nein muss sie den drohenden Crash mit allen erdenklichen Mitteln verhindern. Denn einem solchen Szenario haben unsere so genannten Währungshüter nichts (nichts!) mehr entgegenzusetzen.

Entgleitet der Fed jetzt dagegen die, nun ja, „Kontrolle“, dann dürfte auf längere Sicht die gerade zitierte und insgesamt wenig erbauliche Rogers-Prognose zum Tragen kommen. Zur Erinnerung: Jim Rogers erwartet, dass es beim nächsten Crash auch viele althergebrachte Institutionen zerlegen wird. Damit dürfte er ziemlich richtig liegen.

Und weil auch die US-Notenbank das weiß, macht sie mit ihrer Zinsangehungsrhetorik genau jenen Schachzug, der notwendig ist, um noch einmal Zeit zu gewinnen und den unvermeidlichen Zusammenbruch dieses völlig aus dem Ruder laufenden Finanzsystems ein weiteres Mal hinauszuzögern. Die Fed „rettet“ sich sozusagen selbst.

Solange genügend Anleger auf diesen Taschenspielertrick hereinfallen, könnte das sogar klappen – und Soros und seine Freunde schauen dumm aus der Wäsche. Und wem dies alles wie der nackte Wahnsinn vorkommt, von dem er noch seinen Urenkeln berichten wird, den beglückwünschen wir zu seinem Weitblick.
Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

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