Die Iden des März

2. März 2013 | Kategorie: Gäste, RottMeyer

Es ist wieder soweit… Der März ist wieder da. Aus alter Tradition senden wir die Meister-Kolumne von Bill Bonner aus dem Jahr 2005 – nicht nur aus Tradition, sondern auch als Warnung vor dem Zukünftigen…Die Iden des März

von Bill Bonner

„Caesar spricht (zu einer Wahrsagerin): Die Iden des März sind da. Wahrsagerin: Richtig Caesar, aber noch nicht vorbei.“ – Aus Shakespeares Julius Caesar. Am 15. März vor 2046 Jahren wurde Julius Caesar von seinem Freund Brutus und anderen Verrätern ermordet. Caesar sah es natürlich kommen. Er war mit seiner Armee über den Rubikon gezogen – was vom römischen Gesetz verboten wurde – und hatte durch Stärke Macht erlangt…

Nachdem Caesar dem schlimmsten Schlag zum Opfer gefallen war, wurde ein Machtkampf um Rom ausgelöst, der schnell zum Aufmarsch von Armeen im gesamten Mittelmeerraum führte und unter anderem die Herrschaft der Ptolemäer in Ägypten durch den Tod Kleopatras beendete, der Geliebten des Antonius.

Was für eine wahnsinnige Geschichte, so voller Macht, Krieg, Betrug, Hinterhalt, Eifersucht, Sex und sogar Tieren. Kein Wunder, dass die Menschen die Politik lieben, sie ist schließlich so wie das wahre Leben.

Wie versprochen, wird sich der heutige Newsletter nicht mit Alan Greenspan oder der japanischen Wirtschaft befassen.

Stattdessen wollen wir Caesar geben, was Caesar gebührt und diesen Newsletter weg von den Märkten und hin zur Politik bringen. Das heißt von den Illusionen des Reichtums zu den Desillusionen von Größe, weg von Gier und Angst hin zu Heuchelei und Diebstahl und weg von charmanten Gaunern, hin zu Gaunern, denen jeder Charme abgeht.

Mit anderen Worten, wir wenden uns von den Entstellungen und Hypes der Wirtschaftsseiten ab, und den hohlköpfigen Aufgeblasenheiten der Leitartikel zu.

Insbesondere wenden wir uns den Zeitungen zu, um herauszufinden, was mit dem Krieg gegen den Terror los ist.

Wildglühnde Krieger fochten auf den Wolken, In Reihn, Geschwadern und nach Kriegsgebrauch, Wovon es Blut gesprüht aufs Kapitol. Das Schlachtgetöse klirrte in der Luft; Da wiehern Rosse, Männer röcheln sterbend, Und Geister wimmerten die Straßen durch.

Caesars Frau, Calpurnia, hätte damit auch den Krieg gegen den Terror beschrieben haben können. Stattdessen rief sie die Erinnerungen an einen Alptraum wieder wach um ihrem Mann eine Warnung zu geben: Hüte Dich vor den Iden des März.

Aber welcher Ehemann hört schon auf die schlechten Träume seiner Frau? Caesar machte unerschrocken weiter: „gar wohl weiß die Gefahr, Cäsar sei noch gefährlicher als sie.“

Ich lese die Nachrichten nicht so wie andere, das soll heißen, um nicht irgendetwas sinnvolles oder erhebendes tun zu müssen. Stattdessen wenden wir uns in der gleichen Weise an die Nachrichten, wie sich die Römer an die Auguren wandten. Wir halten Ausschau nach all den Dingen, die Probleme verursachen könnten. Passiert gerade etwas in der Welt, dass die üblichen Muster von guten und schlechten Blättern austrumpfen könnte, dass einen finanziellen Trend einholen könnte so wie man vom zweiten Weltkrieg sagt, er hätte das Ende der Great Depression bedeutet.

Eine vorweggenommene Zusammenfassung: Nichts in den Nachrichten könnte nahe legen, dass die Achse des Bösen sich heute auch nur ein bisschen langsamer bewegt als vor Ankündigung des Krieges gegen den Terror. „Terroristen“ wurden zu Tausenden eingefangen oder getötet. Aber wie die Terroristen, die die römischen Legionen heimsuchten, wird es auch hier noch etliche mehr geben, die ihren Platz einnehmen.

Und der schleichende Verdacht: Wenn die Terroristen sich nicht von selbst bewegen, dann werden wir sie schon dazu bringen.

Das hübsche daran, die einzige Supermacht der Erde zu sein, ist: Man kann die absurdesten Kampagnen durchführen auf Basis der groteskesten Vorwände, wer soll sich einem schon in den Weg stellen?

Und noch eine weitere Überlegung: Wenig bemerkt während der Feierlichkeiten zu den amerikanischen Siegen in Afghanistan (eines der Länder, die am allerwenigsten in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen)ist, dass das amerikanische Militär den Rest der Welt bei weitem ausgestochen hat. Es ist allen anderen so weit überlegen, dass es eine Gefahr für jedes Land darstellt, das eigene eingeschlossen. Da sich niemand dem amerikanischen Militär in den Weg stellen könnte, taucht es immer wieder an Orten auf, an denen es nichts zu suchen hat. Und ohne einen Feind, der in der Lage wäre, einen entscheidenden Gegenschlag zu unternehmen, wird es sich irgendwann selbst in die Luft jagen müssen.

Wenn der Kongress das Budget des Pentagon so weit ankurbelt, wie George W. Bush es gerne hätte, bemerkt der Leitartikel der New York Times, dann werden „die Vereinigten Staaten bald mehr Geld für die Verteidigung ausgeben, als alle anderen Länder der Welt zusammen. Das ist das Maß der amerikanischen Waffenmacht – und das eines globalen Ungleichgewichts der Macht, welches in diesem Ausmaß nicht mehr gesehen wurde seit den Hochzeiten des römischen Reiches.

Aber selbst zu Caesars Zeiten genoss Rom nicht den gleichen Machtvorsprung wie die USA heute. Es gab noch ein zweites großes Imperium in Persien“, schreibt Paul Kennedy, „und noch eines in China.“ Crassus, ein reicher Römer, versuchte sich einen Namen zu machen, indem er einen Feldzug gegen Parthia (das heutige Irak) unternahm. Die Parther attackierten auf Kamelen, und brachten damit die römischen Söldner derart durcheinander, dass viele davon das Weite suchten. Crassus wurde gefangen genommen und nahm sein Ende, indem ihm flüssiges Gold in den Rachen gegossen wurde. Die gefangenen Söldner wurden (ob Sie es glauben oder nicht) Söldner eines chinesischen Generals und siedelten sich schließlich in China an.

„Auf der Welt gibt es keine Machtkonzentration, die mit der des amerikanischen Trägers von Sonderkommandos vergleichbar wäre.“ schreibt Kennedy, „Die wenigen britischen, französischen oder indischen Träger sind im Vergleich dazu winzig, die russischen rosten vor sich hin.“

„Diese Anordnung von Macht verschlägt einem die Sprache. Würde sie jemals auf einem Punkt zusammenkommen, dann würde die Welt die maximale Konzentration aus Marine und Luftstreitkräften sehen, die es je gegebne hat.“

Kennedy schreibt, dass er in der Lage war, die Entwicklung und Ausführung des Kriegs gegen den Terror auf der Website der Navy verfolgen zu können. „Das riesige Flagschiff (der Flugzeugträger Enterprise) wurde zu dieser Zeit von zwei Kreuzern, sechs Zerstörern und Fregatten, zwei Angriffs-Unterseebooten, zwei Amphibienfahrzeugen zusammen mit den Truppen und den Versorgungsschiffen – alles in allem 15 Schiffe und 14.300 Personen – begleitet.“

Das bedeutet wirklich eine neue Ära der Kriegsführung. Vor nur einem halben Jahrhundert hätte die U.S. Navy wohl kaum die Zusammensetzung ihrer Kampfgruppen öffentlich gemacht. „Geschwätzigkeit kostet uns Schiffe“ hieß ein Motto des Zweiten Weltkriegs.

Aber heute hat der Feind keine Waffen mehr, mit denen er den US- Mächten etwas entgegensetzen könnte. Die amerikanischen Armeen marschieren rund um den Globus – und scheinen unbesiegbar. Warum also nicht die Positionen veröffentlichen? Was soll der Feind schon dagegen tun?

Die Schlüsse, die die meisten Leute aus dem afghanischen Krieg ziehen, kommen nach Paul nicht auf den Punkt. „Die wichtigere Lektion ist, dass es auf dem militärischen Gebiet nur noch einen Spieler gibt, der etwas ausrichten kann. Diese Lektion stößt das russische und chinesische Militär vor den Kopf, macht den Indern Sorgen und verstört die Befürworter einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik.

„Alle wussten“, fährt er fort, „dass nachdem die Streitkräfte der Sowjetunion in einem schrottreifen Zustand waren, die USA eine Klasse für sich waren. Aber es macht einen einfach sprachlos, zu sehen, dass ein einziges Land – eine demokratische Republik, die behauptet große Regierungen zu verachten – mehr für das Militär ausgibt, als die neun nächstgrößeren nationalen Verteidigungshaushalte zusammen.

„Nichts hat jemals existiert, was diesem Ungleichgewicht an Macht ähnlich wäre, nichts …“
Was soll das bedeuten. Ist das amerikanische Militär – so wie unsere Wirtschaft – zu groß, um zu versagen? (von 2005)


Quelle: Kapitalschutz Akte
Die Iden des März (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.