Die heimliche Enteignung und goldiger Experten-Unsinn

30. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Fake News sind kein Phänomen der Neuzeit. Vor einem Jahr tönten die Posaunen der Analysten, Gold wäre mit das Dümmste, was man 2016 haben könnte. Die US- Zinswende würde das gelbe (und vielleicht sogar radioaktive???) Blech unter 1.000 US-Dollar pro Unze knüppeln – ganz freundlich gerechnet. Und dann kam es wieder mal anders…

Ein Jahr später stellt man fest, die mysteriöse US-Zinswende gehörte zweifelsohne zu den Fake News des Jahres 2016, mantrahaft bemüht von der FED und nachgeplappert von den Experten. Die FED sagte für das zu Ende gehende Jahr vier Zinserhöhungen voraus. Aber geschenkt. Man wurde keinen Moment müde, daran festzuhalten. Zinserhöhungen wären Gift für Gold, so das Argument der Experten. Komischerweise fand Gold mit der ersten Zinsanhebung sein Tief und sein zweites Tief vor ein paar Tagen.

Ein Jahr später ist Gold sogar in der angeblich stärksten Währung der Welt um neun Prozent gestiegen, was nichts anderes bedeutet, dass der US-Dollar gegenüber Gold um neun Prozent abgewertet hat. Dabei hieß es neulich, dass die FED im nächsten Jahr die Zinsen viermal anheben wird, also um ein ganzes Prozent. Mindestens! Auch wegen der Glaubwürdigkeit, sagte einer ihrer Gurus, um glaubwürdig zu bleiben. Überhaupt sind die FED-Vertreter ziemlich das Gegenteil davon, aber witzig in ihren Formulierungen, in ihren live gespielten Witzen. Natürlich wird deshalb Gold im nächsten Jahr fallen, heißt es zur Jahreswende. Wenn nichts dazwischen kommt.

Am 14. Dezember wurde der US-Leitzins auf 0,50 bis 0,75 Prozent angehoben. Einen Tag später fiel Gold auf das Tief von 1.123 US-Dollar und steigt seitdem. Offenbar musste man erst mal 24 Stunden nachdenken. Doch was kümmert uns der US-Dollar, wenn der Euro auf dem Kurszettel in die Binsen fährt? Er hat gegenüber dem Gold in diesem Jahr um 12,5 Prozent abgewertet.

Armer Euro…

Er mag zwar zum Einkaufen taugen, nicht aber als Wertspeicher. Inzwischen steht er so tief wie seit 13 Jahren nicht mehr gegenüber der US-Währung. Woran liegt es? An zu wenig Rettung sicherlich nicht. Vielleicht aber an zu viel davon…
Vergleicht man die Renditen der zweijährigen deutschen Staatsanleihen mit denen in den USA, liegt die Differenz bei 2,04 Prozent und im 10-jährigen Bereich bei 2,31 Prozent. Klar, dass die Finanzströme so in die USA gerichtet sind, wohl ahnend, warum sie das tun. Sorgen um die Zukunft dieser Eurozone sind sicherlich nicht dabei. Sonst würde es ja in der Zeitung stehen. Nein?

Bleibt diese üppige Zinsdifferenz auch 2017 bestehen, wird der US-Dollar gegenüber dem Euro aufwerten und der Euro bleibt auf seiner schiefen Bahn. Die Parität soll nur eine Frage der Zeit sein. Wird es soweit kommen? Da jeder davon ausgeht, habe ich meine Zweifel. Schließlich kann ein starker US-Dollar schon lange nicht mehr im Interesse der USA liegen. Und vielleicht war die letzte Zinsanhebung nur ein Gruß an den von Frau Yellen nicht sonderlich gemochten Herrn Trump. Ein Prozent mehr Zinsen belastet die Staatskasse mit jährlich 200 Milliarden US-Dollar.

Zunächst ein kurzer Blick auf den Goldpreis in Euro im Jahr 2016.

goldeuro2016-1

Und jetzt das auf den Kopf gestellt…

goldeuro2016-3

… hat der Euro gegenüber Gold 13 Prozent Kaufkraft verloren.

Wie lange haben wir den schon den Euro? Am 1.1.2017 werden es 15 Jahre. Gibt es Feierlichkeiten? Warum auch? In dieser Zeit hat der Euro gegenüber dem Gold um 71 Prozent abgewertet. Aber auch gegenüber dem DAX um 55 Prozent. Nein, der Euro taugt wirklich nicht als Wertspeicher. Irgendwas anderes… ihn in etwas tauschen, was besser die Kaufkraft erhält.

Komischerweise steigt der Goldpreis in jeder großen Währung der Welt seit 2001 im Schnitt rund zehn Prozent, was näher an der gefühlten Inflation liegt als das, was und monatlich in die Haare geschmiert wird.

goldeuro2016-4

Aber jetzt steigen erst einmal die Zinsen. Der war gut! Ja?

Der Goldpreis hängt an anderen Dingen als an den Projektionen von Experten gerade am Ende eines Jahres. Wenn die Zinsen auf Gespartes mehr abwerfen als die Inflation wegfrisst, hat es Gold schwer. Dann sind Tagesgelder, Sparbriefe, Anleihen und auch Bares besser als Gold, das nun wirklich keine Zinsen abwirft. Es gibt deshalb keine Zinsen, weil es kein Ausfallrisiko gibt. Von daher müssten deutsche Anleihen sogar noch sicherer als Gold sein. Ja klar! Wer Bares für Wahres hält, setzt auf ein „Produkt“ aus Baumwolle, das auf Vertrauen basiert. Glauben Sie wirklich an steigende Zinsen für Otto Normal?
Erinnern wir uns an das, was in Europa zwischen Ende 2005 und 2007 passierte. Der EZB-Leitzins stieg von zwei auf vier Prozent und Gold verteuerte sich in der Zeit von rund 380 auf 550 Euro. Als der US-Leitzins zwischen 2002 und 2006 von einem auf 4,25 Prozent angehoben wurde, legte der Goldpreis um rund zwei Drittel zu. Ja, steigende Zinsen wären Gift für den Goldpreis.

Nominal – Real – Egal?

Was bekommen Sie derzeit auf dem Sparbuch, sollten Sie noch eins haben? Im Schnitt 0,06 Prozent. Wer also 5.000 Euro gespart hat, bekommt nach einem Jahr drei Euro Zinsen. Da kann man es doch mal richtig krachen lassen. Bei einer offiziellen Inflationsrate von jetzt 0,8 Prozent hat man von den 5.000 Euro nach einem Jahr politisch gewollt 40 Euro verloren, ohne es zu merken, denn nominal hat sich ja nichts geändert. Vielleicht hat man dann 5.003 Euro auf dem Sparbuch, aber noch 4963 Euro Kaufkraft übrig. Herzlichen Glühstrumpf! Packen Sie den Prosecco wieder weg. Aber um wieviel ist die Kaufkraft des Euro wirklich abgesackt? Wahrscheinlich um etwas mehr…

Machen wir uns nichts vor, die realen Zinsen in Europa sind negativ. Man verliert automatisch Kaufkraft. Gleichzeitig werten die Schuldenberge von Staaten und Unternehmen ab – ganz automatisch. So ist es gewollt. Der Name des Herrschers sei gepriesen: Draghi! Man erzählt nur etwas anderes.

Es ist jedoch der reale Zins, der den Goldpreis beeinflusst, und nicht der Leitzins oder das Gequatsche der Glaskugel-Auguren. Die schauen ja nur auf den Goldpreis in US-Dollar, auch wenn wir hierzulande (noch) in Euro bezahlen, auch beim Edelmetallhändler, soweit wir herausfinden konnten.

Schon länger laufen Gerüchte oder auch Fake News umher, die Inflationsrate läge hierzulande bei winzigen 0,8 Prozent. Dabei erweist sich der offizielle Warenkorb der Statistikbehörde im Alltag als eher untauglich, fehlen ihm doch alle anderen Anlagegüter, die die EZB mit ihrer Politik nach oben treibt. Im wirklichen Leben fühlen aber die meisten Leute eine höhere Teuerung, als ihnen die „Aktuelle Kamera“ erzählt. Stabil erweist sich nur der Nennwert eines Geldscheins. Aber der Einzelne hat ja bekanntlich keinen Durchblick und schon gar keine Deutungshoheit über die Preisentwicklung – nur ein komisches Gefühl und wird wohl erst viel später erfahren, was die 50 auf dem 50er in der Realität später wirklich noch wert sein wird.

Print Friendly

 

Schlagworte: , , , ,

4 Kommentare auf "Die heimliche Enteignung und goldiger Experten-Unsinn"

  1. JayJay sagt:

    Ein schöner Artikel zum Jahresende, wünsche dem Team einen guten Rutsch nach 2017 und weiter so im neuen Jahr. 🙂

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  2. Igila sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer,

    ich kommentiere wenig, lese aber regelmäßig Ihre humorvollen und sehr guten Artikel, wie auch diejenigen von BankhausRott, die immer akkurat und fundiert sind.
    Übrigens möchte ich auch meinen Dank für die hervorragend gute Ausdrucksform der Artikel – von Ihnen beiden – aussprechen!

    Es ist für mich ebenfalls bemerkenswert, daß Sie seit Jahren diese Seite kostenlos betreiben! Bei dem hohen Niveau und den oft mit erheblichem Aufwand (fachlich und zeitlich) verbundenen Artikeln ist das außergewöhnlich. Auch dafür vielen Dank!

    Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr und Gesundheit und Erfolg!

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.