Die große Lüge der Fed

27. Dezember 2013 | Kategorie: Gäste

von Bill Bonner

Mal sehen, was Larry Summers zu sagen hat. Ich schätze Summers immer. Sein Intellekt ist messerscharf – er schafft es immer haargenau, die falsche Schlussfolgerung zu ziehen…

„Warum Stagnation das neue normal sein könnte“, so der Titel eines Artikels von ihm in der Financial Times.

Summers hat es erneut getan. Was man auch immer über die heutigen Volkswirtschaften sagen kann – es gibt nichts „Normales“ an ihnen.

Was ist normal an einer Regierung, die so viel neue Schulden anhäuft wie im gesamten Zweiten Weltkrieg – ohne Krieg…ohne nationalen Notstand… und ohne Möglichkeit, das Geld zurückzuzahlen?

Was ist normal an einer Volkswirtschaft, die von den niedrigsten Zinsen seit drei Generationen abhängt…und einer Zentralbank, welche diese Zinsen unten hält, wie ein Metzger mit seinen Fingern auf einem Stück Fleisch?

Und was ist normal an einem fortgeschrittenen kapitalistischen Land, wo ein durchschnittlicher Mensch heute weniger verdient als vor 43 Jahren?

Ok… lassen Sie uns Summers eine Chance geben…

Es könnte das „neue normal“ sein, weil die Werkzeuge der Fed – Politik des leichten Geldes und niedrige Zinsen – nicht länger eine Volkswirtschaft reparieren können, sagt er. Bestenfalls „führen sie zu moderatem Wachstum“.“ Und selbst Zinsen von Null reichen nicht aus, um „genug Investitionen zu veranlassen, welche zu Vollbeschäftigung führen.“

Man ist gefangen, mit anderen Worten, in der Falle, die man selbst aufgestellt hat!

Wenn man in so eine Situation kommt, dann sehen Konsumenten und Investoren fallende Preise, und sie entscheiden sich dazu, still zu bleiben.

Warum soll man jetzt etwas kaufen, wenn man es später für weniger kaufen kann?

Schauen Sie nach Japan

„Schauen Sie nach Japan“, schlägt Summers vor.

Nachdem dort die Blase im Jahr 1990 geplatzt war, war das Wachstum in den darauf folgenden Jahren stärker als das in den USA in den Jahren nach dem Platzen der Blase des Jahres 2008. Dann – anstatt wieder zu einer boomenden Wirtschaft zu werden – blieb Japan in einem deflationären Sumpf des an-aus-an-aus.

Ja, einige Male sah es so aus, als ob die japanische Wirtschaft wieder im Wachstumsmodus sei. Und jedes Mal fiel sie wieder schnell zurück auf die Erde.

Warum konnte die japanische Zentralbank – welche alles tat, was die Fed getan hat – ihre eigene Volkswirtschaft nicht beflügeln? Niemand weiß es wirklich.

Summers meint, dass es eine Kombination von Dingen sei – welche jetzt sowohl die US-Volkswirtschaft als auch Japan beeinflussen.

Zunächst einmal wächst die Zahl der Beschäftigten langsamer als zuvor. Dann sei es schwieriger geworden, Produktivitätswachstum zu erzielen. Drittens könnte der Konsum fallen „wegen eines starken Anstiegs des Anteils des Einkommens, welcher von den sehr Reichen gehalten werde, und des steigenden Anteils des Einkommens, welcher durch Kapital erreicht werde.“

Anders als die Armen erhöhen die Reichen ihren Lebensstandard nicht, wenn sie mehr verdienen. Denn sie genießen bereits den Lebensstandard, den sie wollen; mehr Geld wird entweder gespart oder in andere Projekte investiert.

Untypischerweise bietet Summers keine Lösung aus diesem Dilemma. Er teilt uns nur sinngemäß mit, dass die „Stagnation etwas sei, gegen das man sich versichern solle – kein Schicksal, gegenüber dem man resignieren solle“.

Wie sollen wir uns schützen?

„Strukturelle Stagnation ist so profund wichtig“, argumentiert er, weil die Standard-Rezeptur dagegen, Politik des leichten Geldes, die „Investoren dazu führe, größere Risiken zu übernehmen, was Spekulationsblasen wahrscheinlicher macht.“

Wie man die Stagnation stoppt

Summers bietet mehr Einsichten dazu, warum den USA eine Stagnation a la Japan bevorstehen könnte, aber er sieht nicht den einzigen Punkt, der das wirklich erklärt.

Mal sehen…

Die japanische Blase platzte. Die japanische Notenbank kam zur Hilfe mit den üblichen Tricks und Behandlungsmethoden der modernen makroökonomischen Einmischung.

Ergebnis: Lange Stagnation.

18 Jahre später. Die US-Blase platzte. Die Fed kam zur Hilfe – mit denselben Mitteln. In Japan wie in den USA haben Zentralbanken und Regierung auch via bailouts „Stabilität“ geschaffen. In jedem Land haben sie eine schnelle, schmerzliche Korrektur verhindert.

Banken und andere Unternehmen, welche Pleite gehen sollten, wurden gerettet. Investments, welche mit dem Bauch nach oben hätten treiben sollen, wurden gerettet. Die Reichen – zumindest in den USA -, welche einen Teil ihres Reichtums hätten verlieren sollen, wurden sogar noch reicher.

Und beide Länder erhielten eine lange Periode der Stagnation. Im Fall von Japan geht das seit 23 Jahren so. In den USA wird es bald ins siebte Jahr gehen.

Wollen Sie die Stagnation stoppen? Einfach. Einfach aufhören, sich einzumischen… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Die große Lüge der Fed"

  1. Michael sagt:

    Der Preisindex bleibt niedrig, da viele staatliche Leistungen an den CPI gekoppelt sind. Den Eindruck habe ich. Die Preisniveausteigerungen sind an sich nicht ganz einheitlich, hätte aber in den letzten 2 Jahren keinen im Chat gehabt der feststellte, dass die Preissteigerung erstaunlich niedrig wären ausgefallen.

  2. samy sagt:

    Ich denke das passt hier ganz gut zu Bonner’s Betrachtungen über die USA. Er hat bestimmt seinen Spaß an so was.:

    „http://www.n-tv.de/wirtschaft/Das-Parlament-der-Reichen-article12057121.html“

    Hieraus: “ In Deutschland ist die „Millionärswahl“ eine TV-Show, in den USA Realität. Zum ersten Mal sind mehr als die Hälfte aller US-Abgeordneten Millionäre. Amerikas Volksvertreter sind schon lange viel reicher als ihre Wähler: Ihnen gehört ein Milliardenvermögen. … Nur in Chinas Volkskongress sitzen noch mehr Superreiche. …“

    Ja, ja, die einen brüllen „we are the 99%“ und die anderen säuseln zurück „Yup! And we are 1%“

    VG

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