Die große Inflations-Lüge

27. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Wir leben in einem Zeitalter der von Menschen erschaffenen Wunder. Dazu gehören Preiskontrollen der Zentralbanken. Ich bin in den letzten Wochen viel gereist. Auf dem Weg fing ich mir eine Erkältung ein. Aber die Sicherheitskontrollen am Nashville International Airport scheint die beseitigt zu haben…

James Bullard, der Präsident der St. Louis Fed, hatte im Bloomberg TV gesagt, dass die Zentralbank sicherstellen müsse, dass die Inflation und die Inflationserwartungen in der Nähe des Zielwertes bleiben würden.

Vielleicht wird eine zukünftige Generation von Philosophen das besser verstehen. Für mich bleibt es eins der großen Mysterienzusammen mit der jungfräulichen Geburt und dem Favoritenstatus von Hillary bei den nächsten Präsidentschaftswahlen.

Statistisches Wunder

Bullard macht sich über zu wenig Inflation Sorgen. Statt um 2% pro Jahr zu steigen – so der offizielle Zielwert – steigen die Konsumentenpreise nur um 1,7% pro Jahr. Natürlich könnte eine andere Berechnung die Differenz einfach löschen. Oder sie könnte ignoriert werden, da sie größtenteils ein statistisches Wunder ist, mit keiner Bedeutung in der realen Welt. Das ist so, als ob die frühen christlichen Gelehrten darüber stritten, ob die Hostie Christus repräsentierte oder ob sie wirklich sein Fleisch sei. Da sie solche Themen nicht durch Logik oder Argumente lösen konnten, zogen sie deshalb oft gegeneinander in den Krieg.

Und so kam es, dass James Bullard sagte, dass bei der Inflation 0,3% fehlen und dass er für eine ordnungsgemäß funktionierende Volkswirtschaft diese 0,3% mehr Inflation braucht. Bedeutet das, dass eine Volkswirtschaft mit einer Inflation von nur 1,7% notwendigerweise Witwen und Waisen hungrig und ohne Obdach zurücklassen wird? Werden die Investoren größere Investitionen zurückstellen, wenn sie sehen, dass die Inflation 0,3% unter dem Inflationsziel der Fed bleibt? Werden Arbeitgeber zögern, bevor sie eine „Hilfe gesucht“ Anzeige aufgeben, weil sie das Fehlen von Inflation als Bedrohung für ihre Geschäfte sehen? Lasst die guten Zeiten herrschen!

Die Investoren machten sich wegen Bullards Worten oder dessen Bedeutung nicht allzuviele Sorgen. Sie interpretierten seine Worte so, als ob gesagt worden sei: Lasst die guten Zeiten herrschen! Eric Rosengren, Präsident der Boston Fed, sagte, er sei „ziemlich komfortabel“ damit, dass QE später diesen Monat als eingeplant auslaufen würde.

Der Präsident der EZB, Mario Draghi, kämpft mit demselben Teufel: Niedriger Inflation. Sagt Draghi. Das erinnert mich an ein altes Sprichwort: Die Menschen, die immer darauf bestehen, dass wir ihren Ideen folgen, sind immer dieselben Menschen, dessen Ideen idiotisch sind.

Der goldene Anker

Ich frage mich, was diese Leute vor 100 Jahren gedacht hätten. Denn da gab es weder Inflation noch Inflationserwartungen. Und dennoch wuchs die US-Wirtschaftsie absorbierte Millionen Einwanderer aus Europamit Vollbeschäftigung und steigenden Einkommen für Arm und Reich.

Das Fehlen von Inflationserwartungen war ein großer Vorteil. Die Zentralbanker waren nicht alarmiert. Deren Aufgabe war es, die Stabilität des Dollars zu sichern. Sie taten das auf einfache und effektive Weise – indem sie sicherstellten, dass der Dollar mit Gold gedeckt war. Gold war auch Subjekt von Inflation – große Goldentdeckungen in Südafrika und Kalifornien erhöhten das Angebot und ließen die Konsumentenpreise in der Mitte des 19. Jahrhunderts steigen. Aber dann arbeitete der Markt – die Produktivität und der Output wurden erhöht, womit sich auch das Angebot an Gütern und Dienstleistungen erhöhte, was dieses Gold kaufen konnte. Ergebnis: Die Konsumentenpreise fielen im letzten Teil des 19. Jahrhunderts.

Der goldene Anker, an den der Dollar gebunden war, war so fest, dass das Schiff im Jahr 1914 wieder da im Hafen war, wo es ihn 100 Jahre zuvor verlassen hatte. Die Kaufkraft des Dollars lag da fast exakt, wo sie 1814 gewesen war. Die Herren Draghi und Bullard können aufhören, sich Sorgen zu machen…


Quelle: Kapitalschutz Akte
Die große Inflations-Lüge (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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