Die griechische Komödie

2. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer

Die Inszenierung könnte dem bayerischen Komödienstadl ebenso entsprungen sein, wie dem Hamburger Ohnsorg oder dem Kölner Millowitsch Theater. Jedes beliebige Kasperltheater verfügt über die erforderlichen Charaktere und kann die passenden Soundeffekte einspielen…

Varoufakis spielt den Kasper, oder (wer sich auskennt, kennt ihn, den „Trickster“). Schäuble mimt das Krokodil, mit weit aufgerissenem Maul, und ist überzeugt, das Kasperl wird sich vor Angst in die Hose machen. Lagarde vom IWF spielt die Hexe, verkleidet sich jedoch als die liebe Großmutter und hofft, dass ihre geheuchelten guten Ratschläge nicht durchschaut werden. Mario Draghi als Polizist fetzt immer wieder mit Jean Claude Juncker, der den Teufel mimt, über die Bühne, sie können sich jedoch nicht einigen, wer der Stärkere ist und den anderen in den Kerker bzw. in die Hölle verfrachten darf.

Tsipras – sinnbildlich für ganz Griechenland – spielt das arme Waisenmädchen, die Gretel, mit blondem Haar und dickem Zopf, das der böse König So von Ros aus dem Haus seiner Eltern gejagt hat und nun verharmt auf der Straße steht und unter der Brücke schlafen muss.

Nachdem sich die Handpuppen nun dem Publikum ausführlich vorgestellt und reichlich Turbulenzen und Klamauk auf die Bühne gebracht haben, nähert sich das Stück immer grotesker werdend dem Finale Furioso.

Gretel rennt schreiend von rechts nach links und immer linkser, dicht gefolgt vom vor Wut schäumenden und geifernden Krokodil mit weit aufgerissenem Rachen. Das Publikum macht sich vor Angst und Schrecken eins ums andere Mal stockvoll in die Hose- und im Hintergrund lacht sich der fiese König ins Fäustchen. Die Hexe reißt sich die weißhaarige Großmutterperücke vom Kopf und reitet auf ihrem gesalbten Besen hinter dem Krokodil her, gefolgt vom Teufel mit seinem Dreizack, der auch unbedingt miterleben will, wie die gute Seele Gretel für alle Zeiten im Rachen des Krokodils entschwindet.

Schon kommt die wilde Jagd erneut von rechts hinter dem Vorhang vor, doch in der Mitte der Bühne baut sich urplötzlich Kasperl auf, wie ein Popup-Menu, hält kurz seine Klatsche in die Höhe, um sie dann mit aller Macht irgendwie unter das Krokodil zu stoßen. Das Publikum glaubt, er habe das Krokodil verfehlt, viel zu tief gestoßen, doch das Krokodil macht einen letzten großen Satz und bleibt regungslos auf dem Bauch liegen. Stolz hebt der Kasperl seine Klatsche in die Höhe und damit den motorisierten Rollstuhl, zwischen dessen Speichen die Klatsche steckt. Hexe und Teufel krachen in vollem Flug in den eroberten Rollstuhl und fallen – schwer verletzt und bewusslos – auf den Boden.

Der Polizist will Kasperl verhaften, doch der zeigt ihm einen Zettel, den Schuldschein den Gretels Vater unterschrieben hat, und weist ihn darauf hin, dass die letzten drei Nullen, die aus dreihundert Millionen dreihundert Milliarden gemacht haben, vom König aus Raffgier nachträglich auf den Zettel geschrieben wurden, was man schon an der Handschrift und der grünen, königlichen Tinte klar erkennen könne.

Also ziehen der Polizist und Kasperl gemeinsam zum König, der Kasperl haut dem König ein paar Mal kräftig mit der Klatsche auf die Krone und der Polizist fordert den König auf, er müsse diesen Schuldschein nun sofort eigenhändig verbrennen, sonst würde er abgesetzt, in den Kerker geworfen und am nächsten Mittwoch öffentlich auf dem Marktplatz geköpft.

Also holt der König sein schweres goldenes Gasfeuerzeug und verbrennt nicht nur diesen Schuldschein, sondern auch alle anderen gefälschten Schuldscheine, die er in seiner schweren Schatulle aufbewahrte.



Teufel und Hexe, die inzwischen wieder bei Bewusstsein sind, verziehen sich fluchend in den höllischen Untergrund, das Krokodil bittet erfolglos, doch wieder in seinen Rollstuhl gehievt zu werden, der Polizist ernennt sich selbst zum Oberkriminalrat und verleiht sich den Verdienstorden, während Kasperl das Gretel an die Hand nimmt und es heim führt in sein Elternhaus, wo sie von nun an glücklich und zufrieden miteinander leben, bis an ihr Ende.

In der Realität wird das Kasperltheater nicht ganz so glücklich ausgehen, aber wer nur einigermaßen bei Verstand ist, weiß, dass man einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen kann, schon gar nicht, wenn man ihn in den Schuldturm geworfen und aller Möglichkeiten beraubt hat, seine wirtschaftlichen Verhältnisse wieder in Ordnung zu bringen.

Also wird es in Kürze einen Schuldenschnitt geben. Die allermeisten griechischen Anleihen liegen inzwischen sowieso bei europäischen Institutionen. Gekauft wurden sie mit Geld, das auch diese Institutionen nie hatten, sondern einfach mal eben so nachgedruckt haben. Niemand verliert etwas, wenn die EZB schlicht die griechischen Staatsanleihen aus dem Tresor holt und öffentlich verbrennt. Niemand!

Das müssen am Ende selbst die größten Spekulanten einsehen, wenn sie vermeiden wollen, dass sie am Ende der Lynchjustiz zum Opfer fallen, zumal ja nicht nur die Griechen, sondern die ganze Welt bei ihnen mit trickreich eingesammelten Schuldscheinen in der Kreide steht. Schäuble wird einsehen müssen, dass sein feuchter Traum vom in der Schuldenfalle zwangsvereinten Europa endgültig ausgeträumt ist – und, falls es einen klügeren Nachfolger geben sollte, was unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen ist, könnte es für Europa einen neuen Anfang in Freiheit geben.

Mann! Die haben schon Negativzinsen beschlossen! Dieser Sündenfall wider den Geist des Urzinses zeigt doch, dass die Finanzwelt längst auf dem Kopf steht und mit den Fußzehen wackelt. Da ist es bis zur ersatzlosen Streichung von Schulden nur noch ein kleiner Schritt. Wie sang Zarah Leander einst so schön? Davon geht die Welt nicht unter!
Egon Wolfgang Kreutzer – Homepage


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5 Kommentare auf "Die griechische Komödie"

  1. Lickneeson sagt:

    Superbe „Theaterkritik“ des Finanztheaters aus dem Hause der „Ausbeuter Puppenkiste“.

    Wir können nur hoffen, das auch bei uns demnächst Cannabis legal wird, sonst haben wir bald nix mehr zu lachen. Das nächste Kaschperlspiel wird ja in Kürze in der Nähe der Alpen zelebriert, noch ein Event, das völlig überflüssig, überteuert und zwecklos ist. Medial aufbereitet, als wäre Kolumbus mit der Santa Maria auf dem Mars gelandet.

    Panem et Circenses!

    • bluestar sagt:

      Die Selbstinszenierung der Mafia in Alpennähe, vom Volke hermetisch abgeschottet, pompös und feudal, finanziert mit erpressten Steuergeldern.
      Der absolutistisch herrschenden Adel der spät-feudalistischen Dekadenz dürfte vor Neid erblassen.
      Der souveräne Mensch von heute empfindet nur noch Abscheu beim Anblick dieser lächerlichen Kreaturen mit ihrem hohlem Gedöns.

  2. Insasse sagt:

    „Davon geht die Welt nicht unter!“ Das ist richtig, aber dafür geht eine Ideologie unter. Und das ist für den Ideologen das Schlimmste, was ihm passieren kann. Denn seine Ideologie offenbart sich dann als unrealistischer und zudem überaus teurer Unfug. Der Ideologe steht in diesem Fall – wie der berühmte Kaiser – nackt da, was ihm das zahlende Publikum nicht einfach durchgehen lassen wird.

    Ich glaube daher eher an eine Einigung in (alleralleraller..) letzter Minute, welche diesen Ideologie-GAU verhindert und das Publikum dafür auch weiterhin mehr oder weniger verdeckt zahlen lässt. Schaun mer mal, was uns diese schäbige Inszenierung noch alles bietet.

  3. Erich sagt:

    Also so ganz simpel ist dies auch nicht. Erstens haben wir und die anderen Retter für die ESFS und ESM Kredite ja auch zusätzliche Bonds ausgegeben, die wir auf jeden Fall bedienen müssen. Und die EZB Kredite, die mit neu geschaffenen Euros vergeben wurden, hätten statt nur Griechenland zu helfen ja auch anteilsmäßig alle Eurostaaten entlasten können.

    Aber klar, Griechenland wird das Geld niemals zurückzahlen können. Sollten wir die Kredite aber tatsächlich streichen und selber drauf sitzen bleiben, was soll dann Griechenland daran hindern, wieder neue Kredite aufzunehmen, damit sich das Spiel dann in 5 Jahren genauso wiederholt? Im wesentlichen geht es doch darum Griechenland dazu zu zwingen, einen moderaten Primärüberschuss zu fahren, damit die Transfers nicht endlos werden.

  4. cubus53 sagt:

    Es wird keinen Grexit geben, weil Griechenland eine wichtige Rolle in der NATO spielt. Man versucht gerade, den Verbleib Griechenlands dem dummen Steuerzahler zu verkaufen. Ich warte schon auf die Titelzeile „Geldgeber und Athen finden Kompromiss“. Und hier ein paar Vorschläge für stereotype Sprüche der Politiker :

    – „alles ist auf einem guten Weg“
    – „Griechenland wird seine Schulden bis zum letzten Cent zurückzahlen“
    – „die Finanzmärkte können nun aufatmen“
    – „wenn es ernst wird, muss man lügen“
    – „ein Grexit wäre dem deutschen Steuerzahler teurer gekommen“

    Aber das ist und war doch alles Volkes Wille, und 2017 werden die gleichen Pappnasen wieder gewählt. Und ob nun Herr Gabriel oder Frau Merkel Bundeskanzler ist, ich sehe da keinen Unterschied.

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