Die gottgleiche Eitelkeit der zentralen Planer

16. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Es gibt diejenigen, welche denken, sie können die richtige Entscheidung noch richtiger machen… oder den Poeten noch poetischer. Und obwohl viele dieser Menschen sich mit einem schnellen Dollar Gewinn begnügen, sind einige langfristiger orientiert. Das sind die zentralen Planer…

Die Illusionen, Fehler und Fehleinschätzungen der zentralen Planer fordern auf vielfältige Weise ihren Tribut – größtenteils sind es kostspielige Ärgernisse. Gelegentlich, wenn die besonders ehrgeizig sind, schaffen sie es in die Geschichtsbücher.

Napoleons Marsch auf Moskau. Die große Hungersnot von Mao. Die wirtschaftlichen Experimente der Sowjetunion, welche 70 Jahre dauerten. Diese Fiaskos wurden durch wohlmeinende, kluge Politiker verursacht. Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.

Die fatale Einbildung

Manchmal kann eine fehlerhafte Politik geändert werden, bevor sie ernsthaften Schaden anrichtet. Meistens allerdings macht eine Kombination bestimmter Umstände die Korrektur unmöglich. Eine desaströse Politik wird dann fortgeführt, bis sie letztlich zu einem katastrophalen Weg führt. Planer großen Ausmaßes scheitern, weil sie an drei Dinge glauben, die nicht stimmen.

Erstens glauben sie, dass sie wissen, wie der genaue aktuelle Zustand der Gemeinschaft ist, für die sie planen (Wünsche, Hoffnungen, Kapazitäten, Ressourcen)

Zweitens, dass sie wissen, wohin die Gemeinschaft gehen sollte (welche Zukunft die beste wäre)

Drittens, dass sie annehmen, dass sie die Zukunft, die sie wollen, auch erschaffen können.

Keiner dieser Punkte ist mehr als eine Illusion. Zusammen sind sie das, was F.A. Hayek eine fatale Einbildung nannte. Jeder Mensch gibt immer sein Bestes, um die Welt so zu formen, wie sie ihm gefällt. Einer will eine dicke Frau. Einer will Reichtum. Einer will seine Zeit mit Golfspielen verbringen. Jeder wird versuchen, das zu bekommen, was er will, abhängig von den Umständen. Und die Zukunft wird eintreten. Die Annahme der zentralen Planer ist, dass sie eine bessere Zukunft kennen – eine, die sie selber bringen können. Die gottgleiche Eitelkeit dieser Ansicht ist bemerkenswert.

Niemand weiß, welche Zukunft für die Menschheit am besten ist. Die Leute wissen nur das, was sie wollen.

Die Zukunft muss warten

Ich nehme an, dass die beste Zukunft die ist, in der die Leute das bekommen, was sie wollen… oder zumindest das, was sie verdienen. Ein Mann, der in der Hölle schmort, mag Eiskrem wollen; es bedeutet nicht, dass er das bekommt. Aber der zentrale Planer ist der Ansicht, dass er nicht nur weiß, was dieser Mann will, sondern auch, was er haben sollte. Wo individuelle Pläne uns kollektiv hinführen werden, weiß niemand. Das Schicksal wird bestimmen. Aber die zentralen Planer stören die Pläne von Millionen Menschen. Die haben keine „amor fati“.

Stattdessen wollen sie ihre Version der Zukunft auferlegen. Und so bald Ressourcen für die Ziele der zentralen Planer und nicht für die der individuellen Planer aufgewendet werden, verlangsamt sich das Tempo des natürlichen, evolutionären Fortschritts. Die Millionen privater Aktivitäten, welche sonst stattgefunden hätten, werden verschoben oder aufgehoben. Die Fehler, welche Dinge offenbart hätten, werden nicht entdeckt. Die Zukunft muss warten. Selbst wenn zentrale Pläne rigoros umgesetzt werden, wird kein „Arbeiterparadies“ jemals erscheinen. Der Krieg gegen die Drogen (oder gegen die Armut… oder das Verbrechen… oder den Terror… oder den Krebs) endet mit einer Niederlage, keinem Sieg.

Die Arbeitslosigkeit fällt nicht. Der „Krieg alle Kriege zu beenden“ beendet Kriege nicht. Die Domino-Theorie scheitert. Der Zweite Weltkrieg ist ein Beispiel für zentrales Planen, welches zu funktionieren schien (auf Seiten der Alliierten). Aber die Alliierten haben letztlich nur die Pläne von ambitionierteren zentralen Planern in Deutschland und Japan unterbunden.

Ein nicht so rationales Leben

Normalerweise ist das Leben auf der Erde nicht so „rational“, dass naive soziale Ingenieure arbeiten können. Natürlich, wir können Brücken erschaffen. Auch Häuser. Aber können nicht Volkswirtschaften managen. Und noch weniger können wir Sprachen erfinden. Märkte. Liebe. Heiraten. Kinder. Oder andere der wichtigen Dinge im Leben. Man soll auch nicht übersehen, dass es stimmt, dass Menschen eine bestimmte Form der Zukunft erschaffen können. So haben zum Beispiel die Planer des Pentagon entschieden, dass ein nuklearer Krieg eine gute Sache wäre.

Sie schafften es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Die Auswirkungen wären riesig. Dieses extreme Beispiel zeigt die einzige Art von alternativer Zukunft, welche zentrale Planer bringen können. Zentrales Planen großen Ausmaßes kann effektiv sein – aber nur, wenn es darum geht zivilisiertes Leben zu pulverisieren.

Es ist eine Zukunft, die praktisch niemand will, denn dies würde die vielen unterschiedlichen Zukunftsszenarien zerstören, welche bereits in der Mache sind – Heiraten, Geschäfte, Kinder, Taufen, Jagdreisen, Einkäufe, Investments und all die anderen Aktivitäten des normalen Lebens. Nicht jedes zentrale Planen führt natürlich zu Problemen riesigen Ausmaßes.

Je mehr die zentralen Planer erreichen wollen, desto mehr kommen sie mit privaten Zielen in Konflikt, und desto mehr verzögern oder zerstören sie den Fortschritt der Menschheit… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , ,

Ein Kommentar auf "Die gottgleiche Eitelkeit der zentralen Planer"

  1. Argonautiker sagt:

    Bravo, Bravo, Bravo !!!

    Deshalb ist Politik meines Erachtens auch nicht in der Lage das Problem zu lösen, denn Politik IST das Problem, denn Politik ist nichts anderes als die Beschaffung von Mehrheiten, um durch diese gewonnene Dominanz, ihre Sicht von Leben, Anderen aufdrücken zu können.

    „Imperien sind nicht das Ergebnis bewussten Nachdenkens; sie treten in Erscheinung, wenn eine Gruppe groß und mächtig genug ist, um sich anderen aufzudrängen. Aber Imperien sind teuer… !

    Ganz hervorragend!

    Schönen Gruß aus Bremen

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.