Die Geschäftsgrundlage des Euro schwindet

11. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Die Probleme des Euro lassen sich nicht durch eine Renationalisierung des Geldes heilen. Aber eine Entstaatlichung des Geldes könnte die Lösung sein.

Mit dem neuen Geist, der mit der US-Präsidentschaft von Donald J. Trump Einzug hält, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es mit dem Euro weiter bergab gehen könnte – dass seine innere und äußere Kaufkraft herabgesetzt wird, oder dass er sogar ganz auseinanderbricht. Warum? Und wie kann ein Lösungsweg aussehen?

Es ist kein Geheimnis, dass der Euro einer ideologischen Idee, einem politischen Traum entspringt, nicht aber der ökonomischen Vernunft. Der „Globalismus“ war der intellektuelle Nährboden für die Schaffung der Einheitswährung: Das Bestreben, die wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen der Menschen aus unterschiedlichen Nationen nach obrigkeitsstaatlichen Vorgaben zu formen. Das Vorhaben ist an der harten Lebensrealität zerschellt.

Der Euro gleicht einer Zwangsjacke

Die Einheitswährung hat nicht wie versprochen mehr Wachstum und Beschäftigung gebracht. Vielmehr erweist sie sich für viele Länder als unerträgliche Zwangsjacke. Ihre mangelnde Wettbewerbsfähigkeit können sie durch eine Währungsabwertung nicht wiederherstellen. Und es ist ihnen auch nicht möglich, sich durch Preissenkungen (Deflation) zu befreien, ohne dadurch von ihren Schuldenlasten erdrückt zu werden.

Durch die vielen „Rettungspakete“ und vor allem auch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der Euro zu einem großangelegten Umverteilungsmechanismus mutiert, durch den die einen Nationen die Zeche zahlen für andere Nationen. Die Länder im Euroraum leben sich immer weiter auseinander. Wie stark die Sorge vor den Fliehkräften bereits geworden ist, deutet der Brief an, den der EZB-Präsident jüngst an italienische Europapolitiker geschickt hat. Darin schreibt er, ein Land, das den Euroraum verlassen will, müsse vorher seine Verbindlichkeiten gegenüber der EZB vollständig ausgleichen. Die Botschaft: Ein Austritt ist teuer, spielt also nicht weiter mit dem Gedanken!

Die EZB hält Banken und Staaten über Wasser

Die EZB hält den Euro zusammen. Sie verhindert Zahlungsausfälle von strauchelnden Staats- und Bankenschuldnern, indem sie die Zinsen auf beziehungsweise unter die Nulllinie drückt und dem Bankensystem immer mehr Euro verabreicht. Ohne diese Maßnahmen hätten Regierungen und Kreditinstitute längst die Hand heben müssen, wäre die Euro-Schuldgeldpyramide in sich zusammengebrochen.

Als Produktionsmonopolist des Euro hat die EZB die Macht, die Zinsen niedrig zu halten. Sie steuert mittlerweile nicht nur die Kurzfristzinsen, sondern auch die Langfristzinsen, indem sie Schuldpapiere mit langen Laufzeiten kauft – und sie mit „aus dem Nichts“ geschaffenen neuen Euro bezahlt. Dadurch kann sie zwar die Rendite absenken. Durch die Schuldpapierkäufe weitet die EZB jedoch die Euro- (Basis-)Geldmenge aus.

Höhere Preise sind vorprogrammiert

Das wird früher oder später die Güterpreise im Euroraum in die Höhe treiben – beziehungsweise die Güterpreise höher ausfallen lassen im Vergleich zu einer Situation, in der die Geldmenge nicht ausgeweitet worden wäre. Mit anderen Worten: Die Politik der EZB, die Zahlungsausfälle von Staaten und Banken abwehrt, indem sie die elektronische Notenpresse einsetzt, läuft darauf hinaus, die innere und äußere Kaufkraft des Euro zu schmälern.

Beginnen die Inflationserwartungen erst einmal zu steigen, beginnt der „Ausverkauf“ auf den Anleihemärkten: Die Kurse sinken und die Renditen steigen. Will die EZB das verhindern, muss sie die Anleihen, die die Anleger auf den Markt schmeißen, aufkaufen. Dadurch steigt die Geldmenge weiter und heizt den Verkaufsdruck weiter an. Im Extremfall muss die EZB die Schulden in kurzer Zeit und in ganz großem Stil monetisieren und hohe Inflation produzieren.

Aber vielleicht gelingt es ja dem US-Präsidenten, einen „Boom“ in Amerika auszulösen, der auch die Euro-Wirtschaften erfasst und die Probleme mit dem Euro lindert? Das ist durchaus möglich und auch wahrscheinlich. Doch selbst eine Konjunkturerholung würde dem Euro wohl nur vorübergehend eine Verschnaufpause gewähren. Denn die Geschäftsgrundlage für eine Einheitswährung in Europa ist verloren gegangen.

Donald Trump hält nicht viel von Europa und dem Euro

Die Trump-Administration wird – anders als ihre Vorgänger – dem Europa-Projekt keine Schützenhilfe mehr gewähren. Damit ist eine der bisher wichtigsten machtpolitischen Stützen des Euro-Bauwerkes weggebrochen. Wenn nun aber die Vereinheitlichung und Vergemeinschaftung in Europa nicht weiter fortgeführt oder gar rückabgewickelt wird, dann stellt sich die Frage: Wozu braucht man dann noch den Euro?

Zwar ist denkbar, dass einzelne souveräne Länder eine einheitliche Währung haben, wie das in den Zeiten des Goldgeldes der Fall war: Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Gold quasi das Weltgeld. In Europa war es grenzüberschreitend das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Das war möglich, weil Gold ein entpolitisiertes Geld war. Ein Geld, dessen Kaufkraft sich der politischen Willkür entzog.

Der Euro hingegen ist durch und durch politisches Geld. Warum aber sollten sich souveräne Staaten, die eine weitergehende politische Vereinheitlichung mit ihren Nachbarn ganz offensichtlich ablehnen, einem Währungsregime unterwerfen, das sie gar nicht kontrollieren können, weil es auf eine supranationale Ebene gehoben und damit effektiv ihrem Zugriffe entzogen wurde? Noch dazu einem Währungsregime, das im Grunde allen Beteiligten Probleme verursacht?

Der Ausweg aus der Krise ist die freie Wahl der Währungen

Der Ausweg aus dem Europroblem besteht jedoch nicht in einer Renationalisierung des Geldes – dass also jedes Land seine eigene staatliche Währung wiedereinführt. Vielmehr besteht er darin, das Geld zu entstaatlichen, also einen freien Markt für Geld, ein Währungswettbewerb, zuzulassen. Jeder Geldnachfrager soll fortan die freie Wahl haben, die Geldart zu wählen, die aus seiner Sicht seine Bedürfnisse am besten erfüllt.

Der Währungswettbewerb ist ein Entdeckungsverfahren. Man kann nicht im Vorhinein wissen, was das Ergebnis sein wird. Allerdings lässt sich schon heute abschätzen, das die „natürlichen“ Geldkandidaten Edelmetalle wären, allen voran Gold und Silber, vielleicht auch die Cybereinheit Bitcoin. Der Währungswettbewerb würde in jedem Falle für „gutes Geld“ sorgen. Allein schon deswegen, weil niemand „schlechtes Geld“ nachfragen wird.

Was immer sich auch als Geld durchsetzt: Dank der neuen Technologien könnte wie gewohnt gezahlt werden: per Internetbanking, Schecks, Apple Pay oder PayPal. Und es ist sehr einfach, den Währungswettbewerb einzuläuten: Man streicht die Vorgabe, dass der Euro das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel im Euroraum ist. Ein freier Markt für Geld ist der wirkungsvollste und produktivste Weg, um mit dem Europroblem fertig zu werden.

Er gibt den Bürgern eine echte Alternative zum Euro-Monopolgeld und schützt sie gegen die Kaufkraft- und Umverteilungsverluste, die bei einer Fortführung der jetzigen EZB-Geldpolitik abzusehen sind. Zudem würde er auch einen disziplinierenden Druck auf die EZB ausüben, es nicht zu toll zu treiben mit der Geldmengenvermehrung. Ein Währungswettbewerb birgt so gesehen auch die Chance, einen Totalschaden des Euro abzuwenden.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

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