Die Geldlawine rollt weiter

11. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Bevor das dritte Lichtlein brannte, stand die Börse längst schon in Flammen – angezündet hat sie die EZB. Sie versteht sich im Zündeln…

Ihre Geldorgie wird um 540 auf 2.300 Milliarden Euro ausgeweitet. Viel soll bekanntlich auch viel helfen. Die Bundesbank war übrigens dagegen, doch sie hat unter ihren europäischen Brüdern kaum noch etwas zu bestimmen.

Der DAX war wegen dieser geldlichen Drogenlieferung schon im Vorfeld high, egal, was in Italien oder anderswo passierte. Und der Euro ähnelt jetzt schon immer mehr der italienischen Lira. Kein Wunder, wenn davon immer mehr gedruckt werden. Das bisherige Geld wird so verdünnt, dass man immer mehr davon berappen muss, um etwas bezahlen zu können.

So wurde der DAX in dieser Woche 6,7 Prozent teurer. Er schloss auf einem neuen Jahreshoch. Manche redeten schon von „heilenden Händen“ des Herrn Draghi. Die Börse treibt weniger die Wirtschaft an, vielmehr die Druckerpresse.

Wer dennoch an das Wahre im Baren glaubt, wird später tief in die Röhre gucken. Nicht nur der Glaube versetzt Berge, auch der Aberglaube an die Geldwertstabilität.

Schon rennen die Experten wieder mit ihrer Meinungen den Kursen hinterher. Manche schauten aus ihrem Glühwein-Kessel und reden von ersten Zeichen einer strafferen Geldpolitik. Ich weiß nicht, was die Leute zu sich nehmen, vielleicht wirken ja die Gelddrogen auch im Kopf? Oder ist es die Sorge, sonst keinen Job mehr zu haben?

Seltsam ist, dass viele von ihnen beim dritten Glas Wein eine oft ganz andere Meinung vertreten als sonst offiziell. Glaubt ernsthaft einer der Wendehälse, dass die EZB aus der Nummer wieder herauskommt? Das ist wie das Aufhalten einer ins Tal stürzenden Lawine.

Eigentlich ist das alles nichts Neues unter der Sonne. Jedes Problem wurde und wird künftig mit mehr Geld bekämpft, welches dann wieder ein neues Problem verursacht. Doch in finanziellen Dingen und den Folgen der Druckerpresse kennen sich heute nur noch die Geschichtsbücher aus. Und laut der neuesten PISA-Studie droht in dieser Hinsicht keinerlei Gefahr.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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