Die gefährliche Welt der Sparschweine

1. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Am Freitag wurde der Weltspartag gefeiert. Was für eine Party bei diesen Zinsen! Man musste frühmorgens damit beginnen, um spätnachts überhaupt etwas von den Prozenten zu merken. Vielen Sparschweinen wurde dabei der Garaus gemacht…

Die Kinder schleppten sie zur Bank und bekamen Bonbons, Kugelschreiber und Luftballons mit auf ihren Weg. Sparen ist wichtig! Die Kleinen müssen doch lernen, dass Sparen bedeutet, weniger auszugeben als man einnimmt.

Dennoch ist es ein teils trauriger Akt voller Hoffnung, bedrucktes Papier zu sammeln oder minderwertiges Metall bzw. elektronische Verrechnungseinheiten auf dem Konto. Das Zeug ist später mal nichts mehr wert. Aber Banken lieben die Sparer! Des Sparers Geld dient ihnen als Grundlage, um ein Vielfaches davon als Krediten herauszugeben.

Seit dem ersten Weltspartag im Jahr 1925 haben Sparer ein paarmal fast alles verloren, also Sparbücher, Bankeinlagen und Versicherungen – mal schneller mal langsamer, mal direkt, mal indirekt. Die meisten Aktien von damals hat es auch bis auf wenige Ausnahmen zerrissen. Komisch ist aber, dass diese Sparformen heute am beliebtesten sind, außer Aktien.

Nach zwei Generationen muss man offenbar immer wieder die gleichen Erfahrungen machen, da die alten Erfahrungen der alten Leute, die sie gemacht haben, von uns gegangen sind oder nicht ernst genommen werden. Wer hört heute schon auf Opa und Oma?

Eigentlich könnte der Weltspartag nach 90 Jahren auch als Mahnmal stehen, wenn, dann richtig zu sparen und die Werthaltigkeit seiner Ersparnisse ausnahmsweise mal zu hinterfragen.

Werthaltigkeit

Laut einer Umfrage der Sparkassen im Vermögensbarometer 2015 setzen 58 Prozent der Deutschen beim Aufbau von Vermögen auf die selbstgenutzte und 28 Prozent auf die vermietete Immobilie – gefolgt von Aktien/Investmentfonds (28%), Bausparverträgen (24%), Lebensversicherungen (23%) und Rentenversicherungen (22%).

Ist das mit der Immobilien eine sichere Sache? Soweit ich sehe, handelt es sich dabei um Verbrauchsgegenstände, die sich, wie der Name schon sagt, mit der Zeit verbrauchen – vielleicht aber langsamer als die Kaufkraft des Geldes. Man hat es warm und trocken, bis das Dach und anderes undicht wird. Nach dem Sparbuch (16%) rangieren die Edelmetalle mit 15% in der Gunst der Sparer. Fraglich ist aber, ob diejenigen, die dem Gold vertrauen, auch wirklich welches besitzen außer einem Ehering.

Tagesgeld (10%), Festgeld (8%) und auch die Riester-Rente (10%) wirken da sehr abgeschlagen in dieser Studie. Moment! Es laufen doch aktuell über 16 Millionen Riester-Verträge… Vielleicht nur deshalb, weil man etwas geschenkt bekommt aber ihnen sonst wenig vertraut? Kost` ja nix! Bringt vielleicht auch nix? (Quelle: Statista

riester

Mag sein, dass es derzeit einen schleichenden Übergang im Sparverhalten gibt – weg von den Versprechen hin zu echten Werten. Manche davon passen ja gar nicht in ein Sparschwein.

Wie dem auch sei, wenn die Not später mal wieder Elend trifft, specken herkömmliche Sparschweine schnell ab. Der bedrohten Art aus Keramik wird schon jetzt zugesetzt: Ob durch permanente Geldentwertung, einem möglichen Bargeldverbot oder weil das Futter für sie knapp wird. Sollten Sie ihr Sparschwein besonders gerne haben, sorgen Sie auch für dessen ausgewogene Ernährung und mischen dem bunten Papier und Blech ab und zu mal ein paar Gold – und Silbermünzen bei.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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4 Kommentare auf "Die gefährliche Welt der Sparschweine"

  1. FDominicus sagt:

    Leider trifft Ihr Eintrag mal wieder genau zu. Was ich im Grunde entsetzlich finde. Wie könnten lernen, wir könnten die fatalen Zusammenbrücher der Vergangenheit nutzen um etwas zu haben was nicht so katastrophal zusammenbrechen muß.

    Leider bewahrheitet sich dieses Zitat mit jedem Tag mehr:

    „Der Mensch, mit seiner nahezu einzigartigen Fähigkeit, aus den Fehlern anderer zu lernen, ist ebenso einzigartig in seiner festen Weigerung, genau das zu tun.
    Douglas Adams

    Ich habe keine Ahnung von der Zukunft, ich weiß nur, daß jedes Zahlungsmittelsystem mit so gut wie immer fatalen Folgen zusammenbrach und was passiert. Jede Nation macht immer und immer wieder dasgleiche und es wird ein anderes Ergebnis erwartet.

    Hat hier irgendwer eine Idee wie man diesen Wahnsinn stoppen kann?

  2. Ralf sagt:

    Frank Meyer, Sonntag, 1. 11.2015: „Am Freitag wurde der Weltspartag gefeiert. ….Seit dem ersten Weltspartag im Jahr 1925 haben Sparer ein paarmal fast alles verloren, also Sparbücher, Bankeinlagen und Versicherungen – mal schneller mal langsamer, mal direkt, mal indirekt. Die meisten Aktien von damals hat es auch bis auf wenige Ausnahmen zerrissen.“

    So geht es, seit es Geld gibt. Die Bibelschreiber erklären uns, daß in Babylon die Geldwirtschaft innerhalb „einer Stunde“ (kann auch

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