Die Folgen der explosiven Schuldenmischung

27. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Das muss man Ben Bernanke, dem Chef der US-Notenbank Fed, wirklich lassen, in puncto Psychologie hat er von seinem Vorgänger Alan Greenspan einiges dazugelernt: In der Abgeschiedenheit von Jackson Hole/ Wyoming hat er eine langweilige, aber beruhigende Rede gehalten, mit dem Hinweis auf die nächste Sitzung der Zentralbanker am 20. September Zeit herausgeschunden…

…und den Politikern drüben wie hüben Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben. Ganz nach dem Motto: Ich allein kann das internationale Schuldenproblem nicht lösen, jetzt seid ihr an der Reihe.

Daraufhin haben sich die Aktien- und Edelmetallmärkte mit Gewinnen bedankt, unter anderem mit einem Goldpreis von 1827 Dollar zum Börsenschluss am Freitag in den USA. Warum, liegt nahe: Zerpflückt man die Bernanke-Rede, ergeben sich deutliche Hinweise auf zusätzliche Geldspritzen für den Fall, dass die Wirtschaft weiter lahmen sollte. Nur müssen die Geldspritzen, so Bernankes Appell an die Politiker, dieses Mal bitteschön von fiskalischen Maßnahmen begleitet werden. Es geht nämlich darum, den Feind Nummer eins erfolgreich zu bekämpfen: die Deflation.

Warum Zentralbanker und Politiker die Deflation, also eine Preisspirale nach unten, ganz besonders fürchten, hängt zum einen mit den überlieferten Erfahrungen aus der Deflation zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts zusammen: Fallende Preise haben seit 1930 Erwartungen ausgelöst, dass sie weiter fallen würden. Die Folge damals: Weltwirtschaftskrise: Die Deflation mündete bekanntlich in eine Depression und diese letztlich mittelbar in den 2. Weltkrieg. Zum anderen muss man sich über das Wesen der Deflation und über ihr Pendant mit umgekehrten Vorzeichen, die Inflation, im Klaren sein:

Bei Inflation gibt es Gewinner, die Schuldner, und Verlierer, die Gläubiger. Das ist immer so; und die Inflation kann theoretisch bis ins Unendliche gehen, was anhand vieler Staatspleiten nachweisbar ist. Dagegen wäre es ein Trugschluss, wenn man einfach behaupten würde, bei Deflation seien Gläubiger immer die Gewinner und Schuldner die Verlierer. Denn zu den Gewinnern gehören Gläubiger in diesem Fall nur so lange, wie die Schuldner zahlungsfähig bleiben. Und weil die Zahlungsfähigkeit im Zuge der Deflation, also mit steigendem Geldwert, immer geringer wird, sind am Ende viele Gläubiger nicht Gewinner, sondern Verlierer.

Man braucht nicht erst die Geschichtsbücher zu bemühen, um auf Staatspleiten zu stoßen. Ein Blick in die Statistiken zu den aktuellen Schuldenquoten der meisten europäischen Länder und der USA genügt, um festzustellen, dass die Staatsschulden unter den heutigen Bedingungen auf keinen Fall mehr zurückgezahlt werden können. Nun sind in diesem Fall Geschäftsbanken einschließlich der Zentralbanken die Hauptgläubiger der Staaten. Die großen Geschäftsbanken sind „too big to fail“ (pleitenresistent), das heißt, sie werden im Zweifel von ihren Schuldnern, den Staaten, gerettet – ein in sich geschlossenes, geradezu perverses System. Dessen Besonderheit besteht darin, dass die Zentralbanken schon einen Teil der staatlichen Aufgaben übernommen haben, indem sie Staatsanleihen kaufen. Dadurch werden die Geschäftsbanken von dem Schicksal befreit, die von ihnen gehaltenen Staatsanleihen in dem Umfang abschreiben zu müssen, wie zur Bereinigung ihrer Bilanzen erforderlich wäre. Das haben die Börsianer längst erkannt und die Kurse der Bankaktien folgerichtig in den Keller geschickt.

Das alles kann auf Dauer nicht gut gehen. Deshalb kaufen sich Politiker und Zentralbanker Zeit, indem sie mittlerweile schon im Wochenrhythmus unhaltbare Versprechen abgeben und diese, wie jetzt Ben Bernanke, mit Psychotricks verbinden. Die Folge: entweder Ende mit Schrecken (plötzlicher Kollaps der führenden Währungen Euro und Dollar im Verhältnis zu realen Werten, wie Gold und Aktien solider Unternehmen, aber auch im Verhältnis zu soliden Währungen, wie Schweizer Franken und Norwegenkrone) oder Schrecken ohne Ende (schleichende Entwertung von Euro und Dollar im Verhältnis zu realen Werte und soliden Währungen). Zurzeit spricht mehr für die zweite Alternative.

Über die Ursachen des heftigen, aber nur kurzen Goldpreissturzes in der abgelaufenen Woche braucht nicht lange spekuliert zu werden: In eine schon viel zu euphorische Stimmung hinein, als der Preis vorübergehend über 1.900 Dollar nach oben schoss, forderten die Rohstoffbörsen in Shanghai, Hongkong und Chicago höhere Margen (Einschüsse) beim Handel mit Terminkontrakten. Ähnliches hatte sich bereits im Zuge der diesjährigen Silberspekulation ereignet. Die Folge mag für so manche Anlegergruppe, die sich kurzfristig verspekuliert hatte, bitter sein. Das ändert aber nichts an der Aussage, die Sie hier vor einer Woche lesen konnten: „Obwohl die Preisschwankungen jetzt etwas heftiger ausfallen, sind der Phantasie nach oben immer noch keine Grenzen gesetzt.“… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Die Folgen der explosiven Schuldenmischung"

  1. FDominicus sagt:

    Ich hatte mich gestern hier geäußert:
    http://www.freiewelt.net/blog-3502/bernanke-heute.html

    Und seit mehr als 2 Jahren habe ich immer mal wieder geschrieben, was man macen sollte (vermessen bin ich ja), daran habe ich mich auch gehalten.

    Verkauf aller Staatsanleihen in 2009 (IIRC)
    Kauf von Gold (immer mal wieder seit 2008)
    Umtausch von EUR in CHF, NZD,AUD, CAD

    Viele weitere Möglichkeiten gibt es nicht. Das Problem mit Immobilien ist: Diese können nicht „umziehen“, wenn also die ganze Choose zusammenkracht, dann sind die Zahlenden noch diejenigen die so etwas besitzen….

    Mit Gold ist man da durchaus flexibler. Man kann ja auch in anderen Ländern Gold in den Tresor legen.

    Bisher kann ich für mich nur sagen: „Gut gelaufen“…

    Ob da so bleibt werden die Delebets entscheiden. Es wären viele Dinge denkbar. Spekulationssteuer auf Goldkäufe, irgendwelche Zwangsanleihen oder andere Perversitäten. Ich traue hier den Betrügern eine ganze Menge zu….

  2. wolfswurt sagt:

    Grundsätzliches:

    Das Wesen der Börse besteht darin für sein Papier einen noch Dümmeren zu finden der bereit ist einen noch höheren Preis zu bezahlen.
    Soviel zu Aktien.

    Für Gold physisch spricht ganz einfach die Erfahrung mit Regierungen aller Coleur.
    Für Gold physisch spricht die Kenntnis über menschliche Verhaltensweisen allgemein.

    Beispiel:
    Nachdem J.Law dem französischem Volk das Papiergeld(Schuldscheine auf noch nicht geförderte Bodenschätze)schmackhaft machte und dieses Papiergeldsystem 1720 durch Betrug zusammenbrach wurde er auf der Flucht am Ärmelkanal durch frz. Soldaten gefaßt.
    In seiner Kutsche befanden sich Truhen mit Goldmünzen…

    Bernanke&Co = Law

    Da sich Ereignisse und Abläufe seit menschengedenken wiederholen, möge ein jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.

    PS:
    Bei Wikipedia ist die Episode mit der Kutsche und den Goldmünzen selbstverständlich NICHT zu finden.

    Zu Immobilien gäbe es noch das hier anzumerken:

    http://www.destatis.de/bevoelkerungspyramide/

  3. mfabian sagt:

    Ich habe ein bisschen Mühe mit dem Satz: „Im Zweifel lieber etwas mehr als zu wenig Liquidität vorhalten.“
    Liquidität in was? In Papiergeld?
    Ich halte neben ein paar Minen-Aktien nur Liquidität. Allerdings in Gold und Silber 😉

  4. bigpuster sagt:

    „Und weil die Zahlungsfähigkeit im Zuge der Deflation, also mit steigendem Geldwert, immer geringer wird, sind am Ende viele Gläubiger nicht Gewinner, sondern Verlierer.“

    Sie verlieren das Geld, bekommen aber die hinterlegte Sicherheit. Nichts mit Verlierer. Jahrelang Zinsen kassiert und am Ende die Sicherheit erhalten. So sehen keine Verlierer aus.

  5. […] Manfred Gburek: Die Folgen der explosiven Schuldenmischung […]

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