Die Fed hatte Recht…

9. November 2013 | Kategorie: Gäste

von Bill Bonner

Wer weiß, was morgen bringen wird. Einen Crash? Eine Blase? Nicht für mich! Ich habe bewiesen, dass ich in Bezug auf Prognosen nicht gut bin. Ich habe den größten Bullenmarkt der Geschichte verpasst!

Bloomberg hat die Details…

Der S&P 500 ist in diesem Jahr 23,6% gestiegen, was der größte jährliche Zuwachs seit 2003 (+26,4%) gewesen ist. „Das bullishste, was ein Markt tun kann, ist steigen, und das hat er getan“, so Bruce Bittles, Chief Investment Strategist bei RW Baird & Co. Seine Firma verwaltet 100 Mrd. Dollar.

Ich hätte mehr Vertrauen in die Fed haben sollen. Die begannen in einer Panik, die Aktienkurse zu beflügeln. „Yes we can!“ sagten sie. „Nein, könnt ihr nicht“, antwortete ich.

In meinem Fall investiere ich das Geld meiner Familie. Und es wäre unglaublich riskant und dumm gewesen, 100% unseres Familienvermögens in US-Aktien zu investieren. (Ich folge einer strikten Verteilung des Vermögens, welche uns davon abhält, dass wir mit einem einzigen Investment Haus und Hof riskieren.)

Nebenbei gesagt – ich nahm an, dass die Fed es verderben würde. Und ich glaubte, dass deren Bemühungen in einem Scheitern enden würden – wie fast jedes staatliche Programm seit dem Zweiten Weltkrieg. Dann hätte es einen finalen Bärenmarkt-Selloff gegeben, wie 1982, als man Aktien für ein KGV mit 6 kaufen konnte. (Und man konnte sogar alle Aktien des Dow Jones für den Gegenwert einer Unze Gold kaufen.)

Nun, ich lag richtig…und falsch zugleich.

Was die Erholung betrifft, so ist das gar keine. Die Amerikaner sind im Durchschnitt seit 2007 jedes Jahr ärmer geworden. Welche Form von Erholung ist das, wenn das Einkommen der Privathaushalte fällt? Das ist überhaupt keine Erholung.

Aber mit dem Aktienmarkt hatte die Fed Erfolg. Es wurde nicht die Hälfte der Verluste wieder reingeholt, wie ich dachte – sondern 100%, und dann noch mehr…woraufhin das Geld vieler Investoren verdoppelt wurde.

Aber Moment…

Was für ein Aktienmarkt ist das, wenn die Kurse sich verdoppeln, obwohl die zugrundeliegende Wirtschaft sich dahin schleppt? Von woher kommt ein Bullenmarkt, wenn nicht von Wachstum und Reichtum der Gesellschaft, welcher er dient?

Das war kein Boom, auf den man sich verlassen konnte, dachte ich. Es war ein gefährlich manipulierter Boom – ein Boom, angetrieben von der Fed, nicht von realem Wachstum. Es war nur eine Frage der Zeit, dachte ich, bevor er in die Luft fliegen würde.

Und so hisste ich meine „Crash-Gefahr“ Flagge, und zwar monatelang…im Regen…in der Sonne. Das arme Ding ist nun in Fetzen… (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "Die Fed hatte Recht…"

  1. Michael sagt:

    Stimmt der Preis ist gestiegen, der Wert ist gesunken.

    Das ist aber bei Inflation mal so. Das ist das selbsterfüllende Element einer Liquiditätsfalle. Es gibt ja einen Zusammenhang zwischen Lohnniveau und Unternehmensgewinnen. Je niedriger die Löhne, desto höher die Gewinne. Der Zusammenhang ist bestätigt. Jetzt haben sie den Effekt, die Unternehmensgewinne steigen, respektive die Prognose, damit wird die Illusion bestätigt und die Liquidtät läuft in die Assets. Perfekt oder. Ok bis jemand draufkommt. Obwohl, das war schon immer so.

    Aber mehr verkaufen im Sinne mehr produzieren und an den Mann bringen ist vorbei. Wer BI System hat, hebt die letzten 3% und nicht die ersten 97% an Produktivität. Deswegen wird ja zur Erreichung des Umsatzes das Unternehmen über Zukauf von anderen attraktiven Mittelstandsunternehmen zumeist erweitert. Glauben sie wirklich, irgendjemand produziert mehr.

    Die Abwrackprämie war schon steil, aber noch besser ist, sofern ich den Artikel von Zerohedge richtig interpretiere, die Kreditversorgung beim Kauf von Autos über staatl garantierte Kredite während die Besitzer vermutlich mit Food Stamps das Essen kaufen oder wie auch immer. Der BMW als der neue Trabant oder so … alles allein eine Frage der Finanzierung.

    Überlegen sie sich mal eines. Wie wollen sie eine Volkswirtschaft aufrecht erhalten in der bei rücklaufendem Energiepotential, rückläufigen Ressourcen und zunehmender Automatisierung die Realwirtschaft zurückgedrängt wird. Der Mensch ist selten Fällen bereit anderer Menschen arbeit als wertvoll zu erachten von sich aus.

    Unsere Wirtschaft funktioniert heute nach dem Motto. Man tauscht eine bestimmte Menge and Illusion von gedrucktem Wert auf Papier (welches auch immer) um einen Bedarf zu befriedigen der zuvor nicht bestand und das Resultat einer zuvor ans Unterbewußtsein gesendeten Nachricht ist. Das ist Marketing/Propaganda und gilt für Aktien genauso wie für Realwirtschaftsgüter oder Dienstleistungen.

    Aktien sind ohne Liquditätsfalle nicht mehr an den Mann zu bringen, etwas verkürzt gesagt, das war eh nie anders. Das wird das bittere Ende. Im großen setzt sich der Markt durch – Kreditzyklus. Und jetzt wird es mal 20 bis 30 Jahre essig. Jo mei. In 1971 kostete die Maß am Oktoberbest auch 2,50 DEM und heute fast 10 EUR.

  2. Skyjumper sagt:

    „Ich habe den größten Bullenmarkt der Geschichte verpasst! “

    Ja. Na und? Das Risiko des Crash bestand und es besteht weiterhin. Was macht man in einer solchen Situation, wo die Fundamentaldaten offenbar keine vernünftige Basis mehr für Investmententscheidungen sind?

    Egal wie man sich bei seinem Investment entscheidet, man kann in solchen Situationen sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel, bis hin zu alles, verlieren. Es sei denn ………..
    Bingo! Man macht einfach gar nichts. Dann kann man zwar garantiert nichts gewinnen, aber auch ziemlich sicher nichts verlieren. Für mich beim derzeitigen Gebaren der Finanzmärkte die absolute win-win Entscheidung. Und nein, ich habe die Inflation bei meiner Betrachtung nicht vergessen.

  3. Reiner Vogels sagt:

    „Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewger Bund zu flechten. Und das Unglück schreitet schnell“ wusste schon Friedrich v. Schiller in seinem berühmten „Lied von der Glocke“.

    Mit anderen Worten: Nichts im Leben ist ohne Risiko. Dem nach wie vor bestehenden Crash-Risiko am Aktienmarkt steht als in meinen Augen mindestens ebenso großes Risiko die Gefahr gegenüber, dass der steuerliche Raubstaat, in dem wir leben, in Gestalt der drohenden großen Koalition über Nacht beschließt, von allen Barvermögen auf den Privatkonten der Menschen einen bestimmten Prozentsatz einzuziehen. Zypern hat es ja vorgemacht.

    Und natürlich wird in einem solchen Fall die 100.000,-Euro-Garantie nichts bedeuten, weil es sich ja nicht um eine Bankpleite, sondern um eine hoheitliche Maßnahme des Staates handelt. Ich halte eine solche Raubmaßnahme für wahrscheinlicher als den vom IWF vorgeschlagenen 10%-Abschlag auf alle Vermögensarten. Gegen den IWF-Vorschlag sprechen einfach die unüberschaubar großen Bewertungsprobleme bei Immobilien, die ja schon beim Aussetzen der Vermögenssteuer eine Rolle gespielt haben und die mit einem hohen Prozessrisiko behaftet sind. Auch an Aktien dürfte sich der Raubstaat nicht so schnell heranwagen, weil die Politik am Ende vielleicht doch nicht die Kuh schlachten wird, die sie noch melken will.

    Auf Grund dieser Überlegungen halte ich Aktien immer noch für eine relativ sichere Anlage, zumal die Gelddruckerei der Notenbanken noch lange ungebremst weiter betrieben werden dürfte.

    Allerdings würde ich prinzipiell vor deutschen Aktien warnen, obwohl es großartige deutsche Firmen gibt. Das Störpotential, das von der großen Koalition ausgehen dürfte, ist einfach zu groß. Es droht, die deutsche Wirtschaft in den Niedergang zu zwingen.

    Das gilt insbesondere, wenn man sich den Würgegriff vor Augen hält, in dem sich die deutsche Wirtschaft durch die Energiewende mit ihren programmierten Kostenexplosionen im Energiebereich und der dadurch unvermeidlichen großflächigen Vernichtung von Arbeitsplätzen, verbunden mit dem Zerreißen ganzer Wertschöfpungsketten befindet. Erleichterungen sind ausweislich der jüngsten Ergebnisse der Koalitionsgespräche nicht in Sicht, sondern eine frohgemute Fortsetzung des Wahnsinns.

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