Die fatale Schwachstelle der derzeitigen Wirtschaftswissenschaft

24. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill BonnerAls sich die Weltwirtschaftskrise verschärft hatte, dan hatte Keynes erklärt, dass es Probleme „mit der Zündung“ gebe, sprich dass die wirtschaftlichen Probleme vergleichbar seien mit denen eines Autos, mit einem kleinen aber kritischen Problem. Der Job der Ökonomen sei es, herauszufinden, wie man dieses technische Problem beheben könne. Welches Gehirn kann sich so etwas ausdenken? Wie kann man eine Volkswirtschaft mit einer Maschine vergleichen?

Ich besuche meine Kinder in den USA, bevor ich für den Sommer nach Europa reise. Letztes Wochenende verbrachte ich mit meinem Sohn Henry in La Jolla, Kalifornien. Henry arbeitet in Carlsbad mit der Investmentfirma von Rick Rule.

Jetzt bin ich in Mississippi, besuche meine Tochter Maria, welche dort einen Film dreht. Mississippi hofiert die Filmindustrie mit niedrigen Kosten und Steuervorteilen. Dies ist der zweite Film, den Maria in der Gegend dreht.

Bevor ich nach Kalifornien und Mississippi reiste, hatte ich in London einen Vortrag gehalten. In dem Vortrag zitierte ich den Ökonom Paul Krugman. Der hatte laut einem Artikel in der New York Times gesagt, dass keynesianische Wirtschaftspolitik fundamental darauf beruhe, dass Volkswirtschaft keine moralische Sache sei – sondern dass Depressionen vielmehr im Grunde technische Fehlfunktionen seien.

Als sich die Weltwirtschaftskrise verschärft hatte, dan hatte Keynes erklärt, dass es Probleme „mit der Zündung“ gebe, sprich dass die wirtschaftlichen Probleme vergleichbar seien mit denen eines Autos, mit einem kleinen aber kritischen Problem. Der Job der Ökonomen sei es, herauszufinden, wie man dieses technische Problem beheben könne. Welches Gehirn kann sich so etwas ausdenken? Wie kann man eine Volkswirtschaft mit einer Maschine vergleichen?

Ich verspreche nicht, dass ich nun ernst damit umgehe, aber dieses Gerede ist wahrscheinlich wert, ein paar Minuten untersucht zu werden. Das ist der fatale Fehler im Herzen der modernen Wirtschaftswissenschaften. Und das ist auch das Fundament der Versuche der Fed, die Wirtschaft zu beleben. Krugman, Bernanke, Summers und die anderen denken, dass sie Techniker seien…

Die haben die falsche Metapher. Man mag auch den menschlichen Körper als Maschine beschreiben. Aber man versucht dann nicht, den mit einem Schraubschlüssel zu richten. Wie gut, dass Paul Krugman kein Mediziner ist!

Anders als eine Maschine ist eine Volkswirtschaft weder von irgendjemandem designt worden noch in einer Fabrik gebaut. Es gibt keine Pläne…keine Gebrauchsanweisung…keine „Hilfe bei Problemen“…und keine Internetseite, wo man berichten kann, was für Probleme man hatte und wie die gelöst worden sind.

Nicht hergestellt von Menschen – kann sie auch nicht von Menschen repariert werden. Warum ist das so?

Zunächst einmal ist eine Volkswirtschaft ein komplexes anpassungsfähiges System. Es hat viele Teile, die sich bewegen, und jedes dieser Teile hat eigene Informationen und Wünsche.

Der Farmer in Mississippi mag wissen, dass seine 40 Ar zu nass sind, um säen zu können. Das Department of Agriculture hat keine Ahnung. Der Klempner in Milwaukee mag wissen, dass sich sein Geschäftsumfeld verschlechtert hat. Aber wie will das Krugman wissen?

Welche Maschine hat intelligente Teile… welche mehr oder weniger unabhängig handeln?

Und dann – vielleicht noch wichtiger: Die einzelnen Teile haben auch separate Wünsche. Man baut eine Maschine, um die Wünsche des Ingenieurs zu erfüllen. Eine Volkswirtschaft hingegen ist hingegen nur ein Weg für die Bestandteile, ihre eigene Ziele zu erreichen.

Stellen Sie sich ein Automobil vor, welches dahin fährt, wohin das Lenkrad fahren möchte! stellen Sie sich einen Motor vor, der schneller fährt, wenn es dem Vergaser danach ist… und der langsamer fährt, wenn die Ventile müde werden.

Sie können sehen, dass eine Maschine niemals so gebaut worden ist. In einer Volkswirtschaft wollen die Teile in verschiedene Richtungen gehen…mit unterschiedlicher Geschwindigkeit… aus unterschiedlichen Gründen. Die Wirtschaft ist mehr wie ein Schwarm Vögel als wie eine Boeing 747.

Im heutigen Amerika sind die Löhne inflationsbereinigt niedriger als vor zehn Jahren. Je nachdem, wie man die Inflationsbereinigung durchführt, können sie so niedrig sein wie zum Ende der zweiten Amtszeit von Eisenhower.

Deshalb sind die Leute natürlich vorsichtig mit ihrem Geld. Sie gehen zu großen Discountern…um so viel wie möglich für ihr Geld zu erhalten. Sie wollen niedrige Preise. Für was ist eine Volkswirtschaft da, wenn nicht zur Befriedigung der Wünsche und Hoffnungen der Menschen, die in ihr Leben? Und was ist das Ziel der aktiven Ökonomen, wenn nicht das, den Menschen zu helfen, was sie wollen?

Also was tut Paul Krugman?

Er fordert die Regierung dazu auf, die Konsumentenpreise zu erhöhen – also bewusst und absichtlich die Wünsche der Menschen zu sabotieren, durch eine Erhöhung der Lebenshaltungskosten. Denn darum geht es bei QE: Mehr Geld in Umlauf bringen, so dass die Preise steigen. Dann werden die Leute weniger für ihre Einkommen und ihre Ersparnisse erhalten…und sie werden es deshalb lieber sofort ausgeben, als für später sparen (weil sie richtigerweise annehmen, dass dann ihre Dollar an Wert verloren haben).

Und das ist der Grund, warum sich Krugman die Volkswirtschaft als eine Maschine vorstellt. Maschinen kann man manipulieren und kontrollieren. Reale Volkswirtschaften nicht… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , ,

5 Kommentare auf "Die fatale Schwachstelle der derzeitigen Wirtschaftswissenschaft"

  1. Thomas sagt:

    Man liest morgendlich 4 Stunden Zeitungen, aber hier fängt man erst an zu denken… Dankeschön.

  2. wolfswurt sagt:

    M. M. nach ist die größte fatale Schwachstelle mangelnder Verstand auf seiten der Wissenschaftler und deren Konsumenten.

    Ansonsten ist es unerklärbar, daß Ärzte nach einer Brustamputation aus Angst vor Krebs nun bei Männern die gesunde Prostata, ebenfalls aus Angst vor Krebs, entfernen.

    Darauf ein Prostatata…

    In der Finanzwirtschaft sieht es noch düsterer aus.
    Da scheint zwischen den Ohren noch nicht einmal irgendeine Masse vorhanden zu sein.
    Hier wäre dann noch nicht mal eine Gehirnamputation möglich aus Angst vor einem Gehirntumor.

    • stephan sagt:

      Die Ärzte haben keine Angst vor Krebs, sondern Angst, ihre Schulden, die Sie aus Statusdenken angehäuft haben, nicht mehr bedienen zu können. Außerdem sind sie gierig (wie viele andere auch) und sehen deshalb zu, wie sie zu Geld kommen. Dafür macht Arzt dann gerne auch ein paar unnötige Behandlungen bzw. Operationen. Natürlich gibt es solche und solche…

    • samy sagt:

      Hi,

      ja, ich las von derlei Amputationen 😉

      „http://www.eine-zeitung.net/gesellschaft_hirnamputation391224.html“

      VG

  3. 4fairconomy sagt:

    „Anders als eine Maschine ist eine Volkswirtschaft weder von irgendjemandem designt worden noch in einer Fabrik gebaut.“

    Und was ist mit dem Geld und dem Finanzsystem? Und es darf durchaus behauptet werden, in den heutigen Volkswirtschaften spielen Geld und das Finanzsystem keine unwesentliche Rolle! Also spielt es keine unwesentliche Rolle, wie Geld- und Finanzsystem designt wurden und werden! Die Frage ist, passt’s oder sind in dem design fundamentale Fehler enthalten.

    Eigentlich sollte zumindest ein Fehler auffallen: ein Geldsystem, welches so designt ist, dass nur dann investiert wird, wenn sich dabei das eingesetzte Geld nach dem Zinseszinsprinzip exponentiell vermehrt, kann auf Dauer nur zu Katastrophen führen. Ein solches Geldsystem funktioniert von seiner Anlage her wie ein Schneeballsystem. Oder anders ausgedrückt: Es ist wie ein Auto, welches entweder stehen bleibt oder stets beschleunigen muss. Das Fahren zu einer festen Geschwindigkeit ist nicht möglich.

    Das System funktioniert gut, solange eine Beschleunigung erwünscht ist. Dann aber kann mit dem Beschleunigen nicht mehr aufgehört werden, weil sonst zuerst ein Kater auftritt und dann alles zusammenbricht. Es ist wie eine Rauschmittelsucht: es braucht immer mehr.

    Dies ist logisch davon abzuleiten, dass Investitionen stets rentieren müssen. Und dies im Vergleich zur Möglichkeit nicht zu Investieren. Und für diese Möglichkeit erhalten die Besitzer von Geld, welche nicht wissen, was damit anfangen, garantiert 0% Zins. Also müssen sie mit stets genügend positiven Zinsen bzw. Renditeaussichten geködert werden.

    Da braucht man sich nur die Frage stellen, wie diese Zinsen bezahlt werden können. Wie können im Schnitt investierte Vermögen nach dem Zinseszinsprinzip wachsen? Wie kann dies finanziert werden? Durch die Investition selbst sind die zu bezahlenden Zinsen nicht in Umlauf gebracht worden. Jede Investition entzieht demnach dem System nach einer gewissen Zeit mehr Geld, als eingesetzt wurde. Es ist nicht schwierig aufzuzeigen bzw. zur logisch zwingenden Erkenntnis zu gelangen, dass stets positive Zinsen als Investitionsvoraussetzung eine stets exponentiell wachsende Wirtschaft erzwingen, damit diese real finanzierbar bleiben.

    Man kann es drehen und wenden wie man will, solange man an die Absurdität einer Zinsgarantie von mindestens 0% für das Nicht-Investieren festhält, solange muss man sich nicht wundern, wenn alle 70 bis 140 Jahren die Wirtschaft – genauer die Währungen!- kollabieren. Wie jedes Schneeballsystem mit Sicherheit irgend wann kollabiert.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.