Die Fata Bernankiana steigender Aktienkurse

29. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Schalten Sie jetzt am besten kurzzeitig ihren gesunden Menschenverstand aus, sollten Sie noch über einen verfügen und unter ihm leiden. Am besten sperren Sie ihn weit weg. Er stört nur. Großartiges ist im Gange an den Börsen – so etwas wie Weihnachten, Ostern und Kindergeburtstag. Täglich steigen die Aktienkurse. Bitte? Sie sind nicht dabei? So ein Pech aber auch…!

Es ist keine gute Zeit für schlechte Nachrichten. Im Gegenteil. Wie kommen sie zustande? Blöde Frage! Sie sind einfach da. Gute Nachrichten liegen im Trend, vor allem an den Aktienmärkten. Schwarzmaler werden sich noch schwarz ärgern.

Lapidar sagt man, es wäre das billige Geld, das die Aktienmärkte nach oben treibt. Einfache Erklärungen sind heute in Mode. Früher war es echtes Wachstum. Wer braucht das heute noch? Es ist seltsam… Wenn die Wirtschaft wirklich brummen sollte, warum fallen dann die Preise der Rohstoffe? Kein höherer Verbrauch an Kupfer? Aluminium, Eisen? Kein Mehr an Energie? Hier muss etwas anderes im Gange sein. Vielleicht ist es das auch.

Ich bin über eine Studie von J.P.Morgan gestürzt. Nicht dass dieses Haus als Zentrale meines Vertrauens wähne, aber die Analysten kommen auf eine interessante Idee und liefern einen Nachweis. Dort hat man einen Blick auf die Aktienrückkäufe in Amerika geworfen. Unternehmen kaufen mit dem „Cash Flow“ immer mehr Aktien von der Börse und verringern so die Zahl der umlaufenden Anteilsscheine. Der Gewinn des S&P 500 stieg seit dem dritten Quartal 2011 bis zum Frühjahr 2013 von 94,60 auf 98,30 US-Dollar.

Der Zuwachs von 3,70 US-Dollar in dieser Zeit setzt sich aus organischem Wachstum von 1,50 USD und 2,20 USD durch Aktienrückkäufe zusammen. Weniger Aktien treiben so zusätzlich den Gewinn pro Aktie, ohne dass wesentlich mehr produziert worden ist. EPS, also Earnings per Share ist die Maßgabe für die Analystenschaft. Fragt jemand nach dem DPS, der Verschuldung (Dept) pro Aktie? Nicht dass ich wüsste. Schulden spielen keine Rolle mehr.

Erklärt das etwas? Jein. Woher kommt das Geld für die Aktienrückkäufe? Aus dem Cash-Flow. Was ist das?

Überschuss der Einzahlungen über die Auszahlungen einer Unternehmung, der je nach Abgrenzung der betrachteten Zahlungsgrößen unterschiedlich ermittelt wird. Der Net Operating Cashflow bezieht sich nur auf Zahlungen aus der Produktions- und Absatztätigkeit der Unternehmung, der gesamte Cashflow berücksichtigt zusätzlich Zahlungen aus Finanzierungs-, Investitions- und Ausschüttungsentscheidungen.

Liegt da etwa der Treibsatz unter den Indizes in den USA? Die Zinsen für aufgenommene Kredite sind außerordentlich niedrig und Unternehmensanleihen liegen voll im Trend. Sie finden reißenden Absatz, seit die Zinsen auf Staatsanleihen inzwischen vernachlässigbar geworden sind. Sollten die Kosten für Kredite unter der offiziellen Inflationsrate liegen, lohnt es sich doch, damit Aktien zurück zu kaufen und damit die Gewinne pro Aktie aufzublähen. Das sieht nach Wachstum aus. Und die Böse freut sich. Doch das ist nicht alles…(Seite 2)

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