Die falschen Propheten…

25. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

„Hütet Euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe“. (Matthaeus 7:15) Die wenigen Kollegen, die schon vor Jahren darauf hingewiesen haben, dass die bestehenden Strukturen völlig aus dem Ruder laufen, und dass unser Geldsystem immer deutlicher an seine Grenzen stößt… sie können sich gratulieren…

Derart „krude Thesen“, für die diese Kollegen unermüdlich aufgestanden sind, und für die auch wir an dieser Stelle gerne belächelt wurden, werden allmählich salonfähig. Was vor einigen Jahren noch als Spinnerei einiger durchgeknallter „Verschwörungstheoretiker“ abgetan wurde, das findet allmählich nicht nur den Weg in die Mainstream-Medien. Handelsblatt, Fokus, Stern und Spiegel haben sich längst des Themas angenommen. Doch sogar hochrangige Finanz-Institutionen und Regierungsvertreter „schmücken“ sich plötzlich mit veritablen Crashwarnungen.

Ex-Fed-Chef Alan Greenspan beispielsweise, den sie einst den „Magier der Märkte“ nannten, und der maßgeblich zu dem ganzen Schlamassel beigetragen hat, findet Gold plötzlich doch ein „sehr sinnvolles Investment“. Der frühere Notenbanker kokettiert dabei keineswegs mit seinen eigenen Prognosen aus den 1960er Jahren, sondern blickt auf die aktuellen Geschehnisse:

Mit markigen Worten warnte Greenspan kürzlich, etwas „ganz Großes“ sei im Anmarsch. Im Zuge der Ereignisse, die er, Greenspan, heraufziehen sehe, werde nicht nur die Inflation explodieren.

„Gold is a currency. It is still, by all evidence, a premier currency. No fiat currency, including the dollar, can match it.“ (Alan Greenspan)

Die aktuelle Fed-Chefin Janet Yellen pflichtet ihrem Vorgänger bei: Cashbestände seien nun wirklich kein sinnvoller Wertspeicher. Das sagte Yellen kürzlich auf einer Pressekonferenz.

Wie bitte? Ausgerechnet die Vorsitzende der mächtigsten Finanzinstitution unseres Planteten hält das selbst erzeugte „Baumwollfüllmaterial“ für eine unsinnige Wertanlage? Yellen hat zweifellos Recht mit ihrer Äußerung und doch fragt man sich, woher der plötzliche Gesinnungswandel kommt.

Nebenbei bemerkt: Wer sich für den wenig ruhmreichen Weg dieser Institution interessiert, der findet hier einen kurzen Überblick. Das aber nur am Rande.

Doch wir sind damit noch nicht am Ende der Geschichte. Denn wie es aussieht, fängt das alles erst so richtig an: JPMorgan-Chef Jamie Dimon etwa warnte kürzlich in seinem Jahresaktionärsbrief vor einem Crash bei US-Staatsanleihen.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht erhebliche “Schattenbankrisiken”, die an den Finanzmärkten eine Katastrophe auslösen könnten. In seinem jüngsten Bericht zur globalen Finanz-Stabilität gesteht der IWF sogar ein, das weltweite Schuldenproblem sei außer Kontrolle geraten. Schon eine vergleichsweise harmlose Krise könne zu einem weltweiten Crash führen.

Dazu passend sah sich auch die Weltbank vor einiger Zeit genötigt, mit der deutlichen Warnung an die Öffentlichkeit zu gehen, jetzt sei „die richtige Zeit, um sich auf die nächste Krise vorzubereiten”.

Zu guter Letzt schwenkt auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in den Tenor der prominenten Crashpropheten ein und warnt in jüngster Zeit regelmäßig vor einer „weltweiten Finanzkrise“. Dass die „Zentralbank der Zentralbanken“ den Zusammenbruch des Kreditmarkts in den USA im Jahr 2007 rechtzeitig angekündigt hatte, gibt der Prognose aus diesem Hause eine besonders pikante Note.

Was wollen die Insider?

Bei all den unmissverständlichen Aussagen von Vertretern, die das ganze Theater maßgeblich zu verantworten haben, drängt sich folgende Frage auf: Warum tun die das plötzlich alle? Warum warnen immer mehr gut informierte „Insider“ vor erheblichen Turbulenzen in unserem Finanzsystem, wo doch vor nicht allzu langer Zeit angeblich alles in bester Ordnung war? Und warum warnen sie alle gleichzeitig?

Menschenfreunde?

Da nicht anzunehmen ist, dass US-Notenbank, Weltbank, IWF und Konsorten plötzlich unter die Menschenfreunde gegangen sind, und uns mit ihren wohlfeilen Prognosen etwas Gutes tun wollen, müssen die Gründe woanders liegen.

Wollen sich die Herrschaften vielleicht den Ruf treffsicherer Propheten erarbeiten, denen die Menschen willig folgen werden, wenn deren düsteren Vorhersagen eingetroffen sind?

„Wir haben es Euch ja gesagt, deshalb folgt auch jetzt unbedingt unserem Rat“.

So könnte es in einigen Jahren überall zu hören und zu lesen sein, wenn es darum geht, ein nagelneues Finanzsystem aus dem Hut zu zaubern. Einen Neustart eben, der auch dann wieder ganz im Sinne der bisherigen Profiteure über die Bühne gehen soll. Ganz uneigennützig versteht sich… Es könnte sich lohnen, während der nahenden Sommerpause darüber einmal in aller Ruhe nachzudenken…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief


 

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7 Kommentare auf "Die falschen Propheten…"

  1. Avantgarde sagt:

    Ich würde dem Herrn Hoose empfehlen vorsichtig mit seiner Zitateverwendung zu sein.
    Ausgerechnet ein Bibelzitat anführen und danach über Gold schwärmen passt nun aber auch gar nicht zusammen!

    Laut der alten Lutherbibel steht bei Hesekiel 7 Vers 19:
    „Sie werden ihr Silber hinaus auf die Gassen werfen und ihr Gold wie Unflat achten; denn ihr Silber und Gold wird sie nicht erretten am Tage des Zorns des HERRN. Und sie werden ihre Seele davon nicht sättigen noch ihren Bauch davon füllen; denn es ist ihnen gewesen ein Anstoß zu ihrer Missetat.“

    Unabhängig davon muß ich den alten Greenspan mal in Schutz nehmen.
    Er tat das was man ihn geheissen hat – und zwar sehr erfolgreich.
    Bretton-Woods aufzukündigen war eine politische Entscheidung und nicht die von Greenspan, Bernanke oder Yellen – sie haben lediglich das Beste daraus gemacht.

    Und auch die anderen Zentralbanken tun das was ihre Aufgabe ist – nämlich ihr Währungsgebiet zu verteidigen. Sei die Entscheidung für den Euro auch noch so falsch gewesen – niemand kann erwarten, daß die EZB nun das Währungsgebiet auseinanderfliegen lässt.

    Es sind sehr viel häufiger die politischen Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen, die uns in Schwierigkeiten bringen – die Zentralbanken stehen hinterher nur meist direkt an der Front – während sich die Politik nicht mehr für ihr dummes Geschwätz von gestern interessiert.

    • Insasse sagt:

      @Avantgarde: Hoffentlich argumentieren Sie bei einem Auftragsmörder nicht genauso. Der tut auch nur das, was man ihm geheißen hat. Wenn nicht, warum machen Sie zwischen beiden einen Unterschied?

    • Chris sagt:

      @Avantgarde:
      Wenn das so wäre, wie Sie schreiben, dann hätten wir keine „marktkonforme Demokratie“, sondern demokratikonforme Märkte. Ihr Kommentar klingt wie schlimmste Propaganda der Mächtigen, ist aber nicht mehr glaubhaft. Die Politik hat nichts zu melden, und das wissen die Menschen mittlerweile.

  2. hubi stendahl sagt:

    @Avantgarde

    Wäre gut, wenn Sie sich einmal eingehend mit dem Geldsystem beschäftigen würden, damit Sie die Befehlskette und deren Auswirkungen richtig verstehen, denn Ihre Feststellung, dass Bretton Woods eine poltische Entscheidung war zeugt von banaler Naivität.

    Vielleicht ändern Sie dann Ihre Meinung, dass die Hampelmänner(Innen) in der Politik ursächlich etwas mit den Verwerfungen im System zu tun haben. Übrigens, aus der Lutherbibel sich zur Untermauerung Ihrer verdrehten Argumentation ein einzelnes Zitat herauszuholen, scheint mir ebenfalls wenig hilfreich, zumal das Zitat im Artikel nicht anderes, als die Einleitung zur berechtigten folgenden Systemkritik ist.

    • Frank Meyer sagt:

      Aventgarde kennt sich nachgewiesenermaßen sehr gut mit dem Geldsystem aus. Grüße von Frank

      • Sigi_holzkopf sagt:

        @ Meyer, wenn sich Aventgarde Ihrer Meinung nach so gut mit dem Geldsystem auskennt wieso bemüht er denn den ollen Hesekiel von dem wir ja wissen…
        Der Prophet Ezechiel („Gott möge kräftigen“; Namensform nach Luther: Hesekiel) war ein Priester, der mit der ersten Verbannung 597 nach Babylon deportiert wurde und dort von 593 bis ca. 571 gewirkt hat. [… ]Wie auch Jesaja und Jeremia warnte er vor Aufstandsbewegungen gegen die Babylonier (Jesaja: gegen die Assyrer). Ähnlich dem deuteronomistischen Geschichtswerk versteht Ezechiel das Exil als verdiente Strafe für den Abfall Israels zu anderen Göttern, Kap. 8.
        (Quelle: Biebelwiessnschaft.de)
        Zudem herrscht 2600 Jahre nach dem guten Hesekiel der Petro-Dollar im Konzert dem IWF und nicht mehr glänzendes Silber oder Gold. Ist also hier eine versteckte Anspielung zu sehen, dass wir nicht durch Goldkäufe gegen den Petro-Dollar rebellieren sollen? Und wenn ja, mit welchen Recht bitte. Ist der Petro-Dollar die von Gott gewollte gerechte Strafe für unsere Sünden? Herr Meyer (bzw. Aventgarde) vielleicht können Sie mich ja erhellen.
        Ich möchte noch hinzufügen, dass ich Gold als Investment selber kritisch sehe und möchte hierfür ebenfalls die Bibel bemühen….
        Als Gleichnis von den anvertrauten Talenten werden zwei neutestamentliche Gleichniserzählungen bezeichnet, die im Matthäus- und Lukasevangelium ähnlich überliefert sind. Jesus schildert einen Herren, der seine Knechte reich mit finanziellen Mitteln ausstattet, sich dann auf Reisen begibt und nach seiner Rückkehr Abrechnung hält. Die ersten beiden Knechte erwirtschaften Gewinn und werden ihren Leistungen gemäß entlohnt. Das Geld des Letzten hingegen, der aus Angst gar nichts investierte und es stattdessen verbarg, lässt der Herr wegnehmen und spricht es nach dem Grundsatz „Wer hat, dem wird gegeben werden; wer nicht hat, dem wird genommen werden.“ dem Erfolgreichsten zu. (Quelle: Wikipedia)
        Soviel zur christlichen Kapitalismuskritik. Doch darum geht es hier letztlich gar nicht. Denn es wird ja nichts mehr investiert sondern nur mehr Geld aus dem nichts erschaffen gemäß dem Motte. Der Dollar ist unsere Währung aber euer Problem! Hier geht es letztlich nicht mehr um Wirtschaft sondern den versuch das bestehende System, dass laut einer neuen Princeton-Studie sogar als undemokratisch gilt (siehe : http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/04/26/princeton-studie-als-warnung-an-europa-usa-sind-keine-demokratie-mehr/) bestmöglich in die „ulta“ moderne herüber zu retten! Und wie soll die bitte ohne Gold funktionieren zudem das Märchen von Peak-Oil doch keine Sau mehr schluckt!?

    • Skyjumper sagt:

      @ hubi stendahl

      Wenn Ihr Beitrag etwas ausführlicher gewesen wäre, wäre vielleicht klar geworden was Sie eigentlich (vermute ich) sagen wollten. So (verkürzt?) ist es einfach falsch.

      Zunächst einmal spricht @ Avandgarde davon das die AUFKÜNDIGUNG von Bretton-Woods (1971-1973) eine politische Entscheidung war. Sie sprechen in Ihrem Beitrag Bretton-Woods selbst an, also wahrscheinlich die Entstehung der währungspolitischen Nachkriegsordnung (1944) an.

      Und egal auf was von beiden Sie sich nun tatsächlich beziehen wollten, dürfte es objektiv gesehen ziemlich unstrittig sein, dass sowohl das eine wie das andere zunächst einmal extrem politische Entscheidungen gewesen sind.
      Aus Ihrer Behauptung kann (wenn überhaupt) nur dann ein Schuh werden, wenn Sie darauf abstellen wollten, dass es Kräfte hinter der politischen Ebene gegeben hat welche die politischen Akteure gelenkt haben. Diese Kräfte gab es bestimmt. Allerdings würde ich da keinen Trennstrich ziehen wollen. „Politik“ ist zu allen Zeiten die Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen gewesen. Das ist sozusagen der Kern des Wesen von Politik überhaupt.

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