Die Eurohypo könnt Ihr behalten!

19. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

„Loch Bless“ macht seinem Namen wieder einmal alle Ehre. Es handelt sich offenbar, wie einst ein deutscher Barde intonierte, um ein ehrenwertes Haus. Zudem gibt man sich vor Ort kreativ, und das nicht nur bei der Bilanz…Manch einer wird sich vielleicht noch an die im Jahre 2007 von der Commerzbank eingeführte „ebay-Kreditkarte“ erinnern. Nur knapp ist dieses kleine Stück Plastik daran vorbeigeschlittert, auf Grund unermesslicher Innovationskraft einen neuen Kondratieff-Zyklus anzustoßen.

Ähnliches ist nur von der um die Jahrtausendwende ins Logo eines Konkurrenten gequetschten „24“ überliefert. Bei der Coba hieß es damals:

Die Commerzbank ist der exklusive Partner des Online-Marktplatzes eBay in Deutschland bei der Herausgabe einer neuen Kreditkarte.

„Ich freue mich, dass wir eine Kreditkarte anbieten können, die das Einkaufen auf eBay noch lohnender macht und zugleich auf unsere Leistungsfähigkeit hinweist“, unterstreicht Michael Mandel, Konzernleiter Privat- und Geschäftskunden der Commerzbank, das Ziel der Kooperation.

Noch lohnender? Respekt! Leider gab es offenbar kein Plastikkärtchen, das auch die Übernahme anderer Banken noch lohnender machte. Nur einen Monat vorher wurde der Verantwortliche für eine solche, nicht ganz so erfolgreiche Übernahme verabschiedet. In einer Pressemitteilung las sich dies wie folgt:

Martin Kohlhaussen dankte (Klaus Peter) Müller für seine Leistung an der Spitze der Bank: „Unter schwierigen äußeren Bedingungen hat Klaus-Peter Müller die Commerzbank in kurzer Zeit zu einem erfolgreichen und international geachteten Institut und durch die Übernahme der Eurohypo zur neuen Nummer zwei in Deutschland geformt. Für dieses Lebenswerk zollt ihm der Aufsichtsrat großen Respekt.“

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Um nicht vom einmal eingeschlagenen Erfolgspfad abzukommen, entschied man sich im personellen Bereich für strategische Kontinuität. Eine Aussage, die heutzutage von einer geradezu prophetischen Aura umstrahlt wird. So ging es nämlich weiter auf der Allee der Erfolgreichen:

Zum Nachfolger als Sprecher des Vorstands wurde mit Wirkung ab Mitte Mai nächsten Jahres Martin Blessing (44), der für die Mittelstandsbank zuständig ist, bestellt. Müller über seinen designierten Nachfolger: „Martin Blessing hat maßgeblich an der Neuausrichtung der Commerzbank in den letzten Jahren mitgewirkt und steht somit für strategische Kontinuität.

Das Motto heiter weiter wurde beherzigt und abgesehen von den meisten Anteilseignern erkennen viele Mitbürger zumindest den Unterhaltungswert des Niedergangs der Bank neidlos an. Das Stück hat das bloße Drama weit hinter sich gelassen und darf sich mit dem Namen Groteske schmücken.

Im November 2008 vollzogen die Großstrategen dann die vollständige Übernahme der Dresdner Bank. Die versandte Pressemeldung geizte nicht mit Versprechungen.

Martin Blessing, Sprecher des Vorstands der Commerzbank: „Wir beschleunigen die Übernahme und sichern eine schnelle Integration. In den nach wie vor nervösen Finanzmärkten stellen wir so frühzeitig die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit her. Davon profitieren Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre.“

Wie der einzelne Kunde sich derzeit fühlt können wir nicht beurteilen. Ein Aktionär, der sich als „Profiteur“ einer jahrelangen desolaten Strategie fühlt, muss schon einen ausgeprägten Hang zum Masochismus haben. (Seite 2)


 

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13 Kommentare auf "Die Eurohypo könnt Ihr behalten!"

  1. holger sagt:

    Bevor ich nun schlafen gehe…

    Geb den Kongo Bonität, AAA, und verkaufe dahin Autos. Reicht das? Als Erklärung?

    • mfabian sagt:

      Hat der Kongo seine eigene Währung?
      Und kann er die beliebig drucken?
      Wenn ja, verdient er ein AAA. Ebenso wie die USA und GB.
      Denn bei Moodys, S&P und Fitch geht es bei den Ratings um die Fähigkeit, Kredit aufzunehmen. Nicht um die Fähigkeit, diesen (in Kaufkraft) wieder zurückzuzahlen.

      • holger sagt:

        Moin

        Sach ich doch. Zurückzahlen brauch auch keiner. Mir wollte mal einer erklären, das schuldfreies Geld (ja das gibts) eine Forderung darstellt. Da musste ich ihm leider erklären, dass seine Kröten (von der Schuld befreit) leider keine Forderung dar stellen. Hierbei handelt es sich um den Bimbes (Bargeld). Dabei ist es auch Egal, ob es sich nun um Gold und/oder Geld handelt. Ich muss immer einen finden, der meine Kröten noch annimmt. Ansonsten sind sie Wert-los. Beispiel: Du hast genügend Kröten und sachst zu mir: „holger… ich will, dass du mir den Weihnachtsbaum schmücken musst ich geb dir 100k dafür“ Dann sach ich zu dir: „Behalt deine Kohle, machs selber“

  2. ACHIM sagt:

    „wenn zu allem Überfluss noch die bekannten Clowns auf der Mattscheibe fern jeder Bilanz erklären, dass der Staatsbürger mit einem derartigen „Geschäft schlussendlich sogar Geld verdienen könne“.
    Schaun wir mal welche Knalltüte da zuerst vorprescht,vielleicht diese:
    http://www.hgcn.de/pdf/Zwei_Meldungen.pdf

  3. […] Rott & Meyer: Commerzbank: Die Eurohypo könnt Ihr behalten! […]

  4. Fnord23 sagt:

    Naja, ich denke die Übernahme der Dresdner Badbank war eine politische Entscheidung. Wie so vieles.

    Hätte doch gar nicht gut ausgesehen, wenn da eine Bank der Allianz die Bilanz verhagelt.

    Es reicht doch zu, wenn ein Teil des Finanzsystems in die Schlagzeilen gerät-die Banken.

    Die Versicherungen mußten sauber bleiben. Daran sieht man sehr schön, um was es wirklich geht. Um die Versicherungen und das Vertrauen der Leute in die Altersvorsorge/Staatsanleihen.

    Übrigens ist die klassische AV versicherungsintern ein Auslaufmodel.
    Die Kunden werden in Fondsprodukte auf Rentenversicherungsbasis getrieben.
    Wer kauft dann in Zukunft die ganzen Staatsanleihen ohne es zu wissen?:-)

    VG aus Sachse

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo zusammen,

      @Fnord23

      Der Kauf der Dresdner Bank dürfte in hohem Maße politisch forciert worden sein, der Erwerb der Eurohypo eher nicht.

      Interessanterweise schrieb ein Kommentator unlängst in der FAZ, man solle doch sein Geld lieber in Lebensversicherungen stecken, als es selbst zu investieren. Wenn die Manager der Versicherung es schaffen würden, 5% p.a. zu erbringen, dann sei das schwer zu schlagen. Schwer zu fassen, dass das jemand wirklich glaubt …

      Wie die Riesterrente und andere steuerlich (also vom Bürger selbst) subventionierte Produkte sind die meisten politisch mit Feuereifer beworbenen vertragsgebundenen Kapitalmarktprodukte nicht mehr als eine neue Gebührenkuh für die Branche.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  5. Fnord23 sagt:

    Sehr geehrter Herr Ponzi,
    das mit der Gebührenkuh ist schon richtig.

    Nur:
    Es wollen doch immer alle als mündige Bürger ernst genommen werden!

    Dann sollen sie sich verda…t noch mal auch so benehmen. Das Hirn einschalten und autonom werden in ihren Entscheidungen.

    Zum Thema Riester: „Kostenlosen Käse gibt es nur in der Mausefalle“

    Übrigens hab ich aus der Antragsabteilung gehört, dass es nicht wenige gibt, die sich im Schlußverkauf noch die 2,25 Garantiezins gesichert haben.

    Unglaublich…..aber es glauben auch nicht wenige an die unbeflecke Empfängnis. So sind sie nun mal.

    VG aus Sachen

  6. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Fnord23

    Ja, da ist in der Tat Fantasie gefragt, herrlich!

    Kurz zum mündigen Bürger. Das ist natürlich absolut richtig. Auch uns kommt das Thema Eigenverantwortung in viele Debatten viel zu kurz.

    Allerdings finden wir, dass für eine eigenverantwortliche Entscheidungsfindung eine saubere Darstellung der Sachverhalte zumindest hilfreich wäre. Was teilweise in der Presse erzählt wird, wäre leider selbst für Grimms Märchen zu abstrus und fällt eindeutig in die Kategorie Fehlinformation. Darauf kann natürlich ebenfalls jeder kommen, es darf allerdings durchaus als „Hindernis“ gelten.

    Beste Grüße an alle und, liebe Leserschaft, lassen Sie sich bitte nicht melken!

    Bankhaus Rott

  7. MARKT sagt:

    zum Thema Lebensversicherungen.

    Der „versteckte “ Zwangskauf von Staatsanleihen über Kapitalbildende Versicherungen hat bereits vor zwei Jahren begonnen und nimmt immer größere Dimensionen an.
    Seit diesem Jahr sind alle Großunternehmen dazu übergegangen, nur noch klassische Kapitalbildende Produkte in der Regel Versicherungen für die Vermögensbildung zu akzeptieren. Wer dies nicht möchte verliert den Abeitgeberzuschuß vollständig und kann keinen VWL-Vertrag mehr abschließen.
    Kleinvieh macht auch Mist.
    Denn dabei handelt es sich um ca. 12.000.000 Verträge mit einem Jahresbeitrag von 478,- €. Insgesamt als jährlich 5.736 Mrd p.a.

    Zusätzlich zu den bestehenden Versicherungsverträgen , den Neuabschlüssen, sowie dem Großteil der Riester und Rürupprodukte kommt da eine ganz erkleckliche Summe zusammen. Diese Investieren die Versicherer derzeit zu ca. 92% in „sichere“ Staatsanleihen.

    O.K nach Abschlußkosten, Verwaltungskosten und sonstigen Gebühren dürften es nur noch 80 % Investition in Staatsanleihen sein, aber immerhin.

    Da wird deutlich wer den großen Anleiheinvestoren Schritt für Schritt neben der EZB die Papiere abkauft. Dieser Vorgang muss die nächsten vier bis fünf Jahre abgeschlossen sein, ansonsten werden die Versicherungen der geburtenstarken Jahrgänge langsam fällig.

    Also fällt es gar nicht so schwer, auszurechnen wann die Rettungsmaßnahmen beendet sein werden, und der Schrott dort angekommen sein wird, wo er ausschließlioh angelangen soll. Bis dahin aber wird auf Gedeih und Verderb gerettet werden.

  8. Fnord23 sagt:

    Hallo Markt,
    ich weiß nicht, ob die Zahlen nicht etwas zu hoch sind. 12.000.000?

    Insgesamt sollen seit 2001 ca. 15 Mio Riesterverträge zum Abschluß gekommen sein.

    h t t p ://de.statista.com/statistik/daten/studie/39412/umfrage/anzahl-der-abgeschlossenen-riester-vertraege/

    Wobei da bestimmt auch Übertragungen mit bei sind. Wieviel davon noch aktuell in der Beitragspflicht sind? Riesterverträge gehen ja auch noch als Fondsvariante. Nicht jeder AVWL-Vertrag wird mit Höchstbeitrag geführt…

    Egal, die Summen die Staatsanleihen nachfragen sind hoch. Darum wurde die gesetzl. Rente gesenkt. Die Menschen sollten privat vorsorgen, weil man das Geld in den Anleihen brauchte. „Cooler“ Plan, wenn das so stimmt?

    Ich denke jedoch, mal von der Rendite abgesehen, sind die Gelder in der Riester oder Rürup schon sicherer. Also, klar ist das weg.

    Aber stellen wir uns mal folgendes vor: Das gesetzl. Rentensystem ist eh nicht mehr tragfähig.
    Wenn man da also was neues bauen muß, dann denke ich, dass Menschen mit geförderter AV aus der alten Zeit, vielleicht ein paar „Punkte“ mehr bekommen -in der neuen Zeit. Es wird dann egal sein, ob das Geld in echt noch da ist, oder eben nicht. Man tut so, als würde etwas übertragen. Ich denke mal positiv.
    Wenn wir hier durch sind, dann hat der gewonnen, der am wenigsten verloren hat.

    Und mal ehrlich: Was soll ein kleiner Angestellter mit wenig Einkommen sonst machen? Wohin soll er 30 Euro im Monat tun? 1 Unze Silber kaufen? Weiß er dann warum er das tut?

    Ist es für die breite Masse überhaupt möglich mit Publikumsprodukten eine reale Rendite zu erwirtschaften? Schlussendlich wohl nicht.

    VG aus Sachsen

  9. Ein Gang durch deutsche Wirtschaftsblogs (+ Mindmap) sagt:

    […] Bankhaus Rott ist unter dem Titel “Die Eurohypo könnt Ihr behalten!” in die Archive der Commerzbank getaucht und hat geschaut, mit welchen PR-Sprech-gespickten […]

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