Die Entwertung des Papiergeldes ist noch lange nicht vorbei

6. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Prof. Thorsten Polleit) Seit gut einer ist Dekade der Goldpreis in allen wichtigen Währungen deutlich angestiegen. Er hat sich also nicht nur in USD und Euro, sondern auch in Chinesischen Renminbi, Japanischen Yen, indischen Rupien, Britischem Pfund und Schweizer Franken merklich verteuert…

 


Ein gestiegener Goldpreis bedeutet nichts anders, als dass die Kaufkraft der Papierwährungen gegenüber Gold abgenommen hat. Bekam man mit dem Papiergeld noch etwa 100 Feinunzen Gold Ende 1999, so erhält man mittlerweile nur noch 17,5 Feinunzen Gold – ein Kaufkraftverlust des Papiergeldes gegenüber Gold in Höhe von 82,5 Prozent!

Eigentlich ist der Grund für diese Entwicklung ökonomisch ganz offensichtlich. Jedoch wird er vielfach ignoriert oder gar heftig bestritten: Es ist die Geldpolitik der Zentralbanken, durch die die Geldmengen immer weiter ausgeweitet werden, um Pleiten von Staaten und Banken abzuwehren.

Die Inflation wird früher oder später zutage treten, wenn diese Geldpolitik weiterverfolgt wird.

Bislang haben sich die Zentralbanken darauf beschränkt, Banken Wertpapiere abzukaufen und dafür mit neu gedrucktem (Basis)Geld zu bezahlen. Bald werden sie aber wohl dazu übergehen, auch Nichtbanken (Versicherungen, Pensionsfonds und private Sparer) Wertpapiere abzukaufen.

Geschieht das, so steigen die für die Nachfrage wirksamen Geldmengen (M1 bis M3) unmittelbar an. Der Verfall der Kaufkraft des Geldes ist dann vorprogrammiert.

Hinzu kommt der politische Druck, die Zentralbanken sollen die elektronische Notenpresse zur Finanzierung maroder Staatsaushalte anwerfen.

Viele Marktbeobachter gehen nach wie vor davon aus, dass die Zentralbanken mit ihrer Politik Wachstum und Beschäftigung unterstützen wollen. Was aber, wenn die Zentralbanken ganz bewusst die Entwertung der Kaufkraft des Geldes anstreben?

Dass es genau darauf hinausläuft, legen vor allem drei Gründe nahe.

Erstens:

Man mag es drehen und wenden, wie man will. Aber ein Ausweiten der Geldmenge schafft keine Produktionszuwächse und keine neuen Arbeitsplätze. Wenn das Ausgeben von neuem Geld der Weg zur Prosperität wäre, so stellt sich die Frage: Warum sind Länder wie Zimbabwe, die erst jüngst eine Hyperinflation durchleben mussten, nach wie vor arm?

Ein Ausweiten der Geldmenge kann die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft nicht erhöhen. Alles, was ein Ausweiten der Geldmenge bewirkt, ist eine erzwungene Umverteilung und eine Schmälerung des Geldwertes (im Vergleich zur Situation, in der die Geldmenge nicht ausgeweitet worden wäre).

Zweitens:

Es gibt einen Anreiz für verschuldete Gruppen, die Rückzahlung ihrer Schulden mit wertgemindertem Geld zu leisten. Dass viele Staaten und Banken mittlerweile überverschuldet sind, ist kaum mehr übersehbar – und auch nicht, dass sie erfolgreich einen entsprechenden (Macht)Einfluss auf die Geldpolitiker ausüben, in ihrem Sinne zu handeln.

Drittens:

In der breiten Öffentlichkeit herrscht die Auffassung vor, dass das Ausweiten der Geldmenge einer Hinnahme von Staats- und Banken-Pleiten vorzuziehen sei. Diese Neigung offenbart sich spätestens im Falle eines unmittelbar drohenden Pleitefalls – ein Beispiel dafür ist der Untergang der amerikanischen Investment-Bank Lehman-Brothers im September 2008. Noch heute wird vielfach die Auffassung vertreten, eine Verhinderung der Lehman-Pleite durch neues Geld, ausgegeben von der US-Zentralbank, hätte das Ausbreiten der Krise verhindern können.

Weil Pleiten von Staaten und Banken eben viel stärker gefürchtet werden als die Folgen der Geldmengenausweitung, konnten die großen Zentralbanken seit Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Bilanzen mehr oder weniger ungehindert ausweiten, also die (Basis)Geldmengen erhöhen.

Bislang ist die Preiswirkung der (Basis)Geldmengenausweitung noch nicht vollends zutage getreten. Jedoch sollte kein Zweifel über die Zielrichtung der Geldpolitiken bestehen: Sie zielt darauf ab, die Inflation in die Höhe zu treiben und den Geldwert zu mindern, um die allgemeine (Über)Verschuldung abzubauen.

Der Goldpreis ist – in allen wichtigen Währungen – der Vorbote der kommenden Geldentwertung. Wenn die Inflation offen zutage tritt in Form steigender Konsumentenpreise, könnte eine weiter steigende Nachfrage nach Gold sicherlich für noch drastischere Erhöhungen des Goldpreises sorgen.
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