Die einfachste Erklärung für die derzeitige Lage

28. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner

Der Fokus von Fed und Regierung ist auf „Fördern der Wirtschaftserholung“ gerichtet. Die Fed hat die Zinsen auf fast Null gesenkt. Die Ausgaben inklusive bailouts“, Garantien, Subventionen etc. sind auf insgesamt über 10 Billionen Dollar gestiegen…

Was daran bemerkenswert war: wie viel reales Denken damit verbunden war. Man hätte doch denken können, dass die weisesten Menschen auf dem Planten zwei Mal drüber nachdenken, bevor sie soviel Geld ausgeben. Aber sie scheinen noch nicht ein einziges Mal darüber nachgedacht zu haben.

Stattdessen stolperten sie vorwärts, mit demselben Aktionismus, den sie bei dem Krieg gegen den Terror“ gezeigt haben, in Irak und Afghanistan. Fragte sich denn niemand, warum die Leute, die das Problem kaum verstanden, nun eine Lösung finden sollten? Nahmen die sich die Zeit, um praktisch zu denken:

Wie würde die Volkswirtschaft die gewaltigen Stimulierungsausgaben hinnehmen? Wo genau würden die Ressourcen denn her kommen? Wieso sollten staatliche Ausgabenprogramme auf einmal sinnvoll sein….nachdem man noch ein Jahr vorher sie nicht für ausführungswürdig befand, obwohl da vielleicht noch das Geld dafür da gewesen wäre? Ich war immer baff, wie wenig ernsthaftes Nachdenken mit diesen Billionen-Dollar-Entscheidungen verbunden war.

Und kümmerten sich die Entscheidungsträger um die philosophischen Konsequenzen? Die Regierung hat ja kein überschüssiges Geld. Sie kann es sich leihen; aber das bedeutet, Geld von anderen Projekten abzuziehen. Oder es bedeutet, neues Geld zu schaffen…so wie es geschehen ist…aus dem Nichts? Wie kann man erwarten, von nichts etwas zu erhalten?

Wie kann Reichtum, der durch einen Druck auf eine Taste geschaffen wird, sich in Reichtum verwandeln, den man ausgeben kann, essen kann, in dem man leben kann? Wenn es wirklich so einfach wäre, warum ist das bisher noch nicht öfter geschehen? Warum sollte man nicht das tun, was in Simbabwe geschehen ist? Wenn man eine Nation reicher machen kann, indem man einfach ein paar Nullen an die Währung dran hängt…dann hat Simbabwe es geschafft.

Statt nachzudenken, preschten die Entscheidungsträger voran. Und dann auf einmal war die Erholung“ da – wie eine Halluzination in der Wüste. Die Wirtschaft erholt sich wieder! Doch die Arbeitslosigkeit fällt nicht. Die Immobilienpreise steigen nicht. Und es gibt weitere Enttäuschungen…und mehr Rufe nach staatlicher Hilfe.

Dabei ist die einfachste Erklärung für die derzeitige Lage dies:

Die Leute haben zu viele Schulden. Sie haben sich zu stark verschuldet. Jetzt müssen sie weniger ausgeben, damit sie einen Teil ihrer Schulden zurückzahlen können. Und solange das der Fall ist, wird die Wirtschaft eben nicht durchstarten.

Noch mehr Kredite verfügbar zu machen ist hingegen offensichtlich falsch. Das ist so, als ob man einem fetten Mann, der auf Diät ist, ein Stück Buttercreme-Torte anbietet. Wenn das funktioniert, dann führt das dazu, dass der Mann die Diät nur umso mehr braucht.

Die Neo-Keynesianer glauben hingegen, dass die Lösung für die Regierung sei, mehr Geld auszugeben – das sie nicht hat. Die Realisten denken, dass sie eine Erholung in Gang bringen, indem mehr zentral geplant“ wird. Die Idealisten wollen ein neues, weltweites Geldsystem, das mehr kontrolliert werden soll.

Währenddessen betreibt die Fed weiterhin „Quantitative Easing“. Im Grunde finanziert sie die Defizite der US-Regierung, indem sie deren Anleihen kauft.

Kaufen Sie Gold, kann ich da nur sagen. Einer meiner Mitarbeiter meinte, wenn das alles zu Ende ist, sollte der Goldpreis bei 3.000 Dollar je Unze stehen. Scherzen Sie? Sagte ich da. Der wird dann bei 5.000 Dollar je Unze stehen, mindestens. Ha. Ha. Ha.

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Die einfachste Erklärung für die derzeitige Lage (von Bill Bonner)
weitere Informationen: Investor-Verlag

Das neue Buch von Bill Bonner ist da…
Dice Have No Memory: Big Bets and Bad Economics from Paris to the Pampas

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2 Kommentare auf "Die einfachste Erklärung für die derzeitige Lage"

  1. sx2011 sagt:

    Zum Thema „denken“ das im Artikel angesprochen wurde.
    Ich meine dass der FED schon klar ist, was sie da anrichtet.
    Die Leute wissen dass das Geldsystem total krank ist.
    Der Point of no Return wurde schon lange überschritten; bzw das ganze System ist ein einziges Ponzi-Schema.
    Der Tag des weltweiten Crashs wird kommen und Dollar, Euro sowie alle abhängigen Währungen werden nahezu zeitgleich zusammenbrechen.
    Rein psychologisch kann die FED nichts anderes tun als diesen Tag solange wie möglich hinauszuzögern.
    Bis dahin werden sie lügen und vertuschen bis nix mehr geht.
    Aus der Sicht der Bankster haben sie alles richtig gemacht: es geht weiter wie bisher, der US-Aktienmarkt läuft und ihre Ankündigungen haben keinen Schock ausgelöst.

  2. zonenwachtel sagt:

    Ich glaube auch, dass der FED seit langem klar ist, was sie da anrichtet. Aber die Federal Reserve ist keine unabhängige Notenbank: in den 13 Vorständen und Aufsichtsräten der Niederlassungen sitzen Vertreter namhafter Geschäftsbanken.

    Was mich wirklich wurmt, dass die Amis ihre Schulden dem Rest der Welt verkaufen, indem sie die Geldpolitik vorgeben und unaufhörlich Schulden in der eigenen Währung machen. Vor dem Dollar-Crash habe ich ehrlich gesagt schon Angst.

    Wer gar nicht vorsorgt und das Papiergeld in irgendeiner Form hortet, wird sich in einer the-day-after-Umgebung wiederfinden.

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