Die Droge Geld

23. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek – (Homepage)

Manchmal sind es die scheinbar weniger bedeutenden Ereignisse, die mehr aussagen als die längst beschlossene und jetzt umgesetzte Griechenland-Hilfe einschließlich Neuwahlen im September oder das Palaver um die angeblich bevorstehende amerikanische Zinserhöhung. Zum Beispiel der Anstieg der japanischen Exporte.

Sie sind auf einmal in die Höhe geschnellt – und haben den Nikkei-Aktienindex nach unten gezogen! Wie das, die nach ihrem Regierungschef Abe genannte Geldpolitik „Abenomics“ zeitigt erste Erfolge, und Anleger reagieren sauer? Ja, das ist Börsenlogik. Denn mit jedem solchen Erfolg rückt der Zeitpunkt näher, zu dem die Geldschleusen – nicht allein in Japan – ein Stück geschlossen zu werden drohen. Das heißt, statt sich zu freuen, dass es mit der Wirtschaft, in diesem Fall mit den Exporten, allmählich aufwärts geht, befürchten japanische Börsianer nun das Ende der ultralockeren Geldpolitik und damit rückläufige Aktienkurse.

Dieses Beispiel zeigt überdeutlich, in was für eine Geld-Welt wir inzwischen abgerutscht sind: Die Droge Geld zählt in den Köpfen der Spekulanten weltweit mehr als die Realwirtschaft. Doch wohin führt das? Etwa vom Tellerwäscher zum Millionär? Oder sogar zu mehr Wohlstand für alle getreu einem bekannten Motto von Ludwig Erhard?

Vorsicht, von dem stammt außerdem der Spruch: „Mit dem Reichtum fertig zu werden, ist auch ein Problem.“ Auf die heutige Zeit übertragen: Die Droge Geld ist dabei, uns alle zum Denken in Nominalwerten zu verführen, weltweit wie speziell auch in Europa und besonders in Deutschland, wo der Bundestag nach tagelangem Gewürge beschlossen hat, mit zig Milliarden Euro zugunsten von Griechenland um sich zu werfen – als gehöre das viele Geld den Abgeordneten und nicht dem Volk.

Nicht allein in Japan beginnen Börsianer die Konsequenzen zu ziehen, auch anderswo, und zwar von der breiten Öffentlichkeit so gut wie unbemerkt: am Goldmarkt. Dort schleicht sich der Preis allmählich nach oben. Das ist die logische Folge der Verschlechterung des Geldwerts bzw. der Kaufkraft des Geldes. Wundern Sie sich also nicht, wenn Gold nach und nach weiter aufgewertet wird. Dabei handelt es sich zunächst nur um die längst fällige Korrektur der Werte. Der eigentliche Anstieg mit größeren Preissprüngen wird später folgen: auf einer nach oben offenen Skala, je nachdem, wie viel Kaufkraft Euro, Dollar, Yen, Renminbi usw. dann noch besitzen.

Um gleich auf zwei häufig gestellte Fragen zu antworten: Jegliches Preisziel für Gold ist in dem hier beschriebenen Szenario unsinnig; und Vergleiche mit früheren Entwicklungen des Goldpreises führen allein schon deshalb in die Irre, weil die jetzige internationale Schuldenorgie beispiellos ist. Der Preis kann also fürs Erste im unteren vierstelligen Dollar-Bereich verharren, um anschließend zu steigen, er kann dies aber auch aus dem Stand vollziehen. Ich tippe eher auf die erste Variante. Ob wir fünfstellige Dollar-Preise für das Gold erleben werden, sei dahingestellt; alles ist möglich.

Der Schutzwall, den Sie gegen die abnehmende Kaufkraft des Geldes errichten, sollte auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein. Dazu habe ich das elektronische Buch „Von der Kunst finanziell zu überleben“ geschrieben (s. Abbildung). Dennoch möchte ich nicht versäumen, Ihnen hier einige wichtige Erkenntnisse ans Herz zu legen. Zuallererst: Individuell, das bedeutet Qual, wie bei i-Männchen, die erste Versuche unternehmen, um lesen, schreiben und rechnen zu können. Qual, weil Ihre persönliche Finanzplanung für Sie in der Regel ein Novum sein dürfte: Mühsam Daten beschaffen, die in irgendeiner Schublade oder im längst vergessenen Schuhkarton schlummern, und diese Daten strikt kontrollieren. Das wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass Sie Ihr zinsloses Girokonto zugunsten des Tagesgeldkontos mit einer Eins vor dem Komma bei einem anderen Institut tauschen, dass Sie so manche überflüssige Versicherung kündigen und dass Sie Ihre geplante Riester-Rente nochmals überdenken, nachdem nun sogar die Zeitschrift „Finanztest“, die sie jahrelang empfohlen hat, „Riester-Frust“ auf ihrer August-Ausgabe stehen hat.

Das von mir vielfach empfohlene Gold in Form von gängigen Anlagemünzen und Barren als Schutz vor Geldentwertung sollten Sie bei etablierten Händlern kaufen, wie sie etwa auf goldseiten.de zu finden sind. Dazu eine immer wichtiger werdende Warnung: Aus eigener und fremder Erfahrung weiß ich, dass Trickdiebstähle rasant zunehmen. Deshalb rate ich Ihnen dringend, Gold so diskret wie möglich und in Begleitung von mindestens einer weiteren Person Ihres Vertrauens zu kaufen.

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2 Kommentare auf "Die Droge Geld"

  1. waltomax sagt:

    Ebenfalls ein guter Überblick zu aktuelle Lage:
    https://www.youtube.com/watch?v=GmiGKwybnrA

    • Michael sagt:

      Interessantes Video. Etwas verkürzt aber doch positiv und präzise formuliert. Unser Geldsystem ist kein Gedicht sondern eine Wuchtel. Damit ist jetzt nicht der Fußball als der Ball der im Spiel bleiben soll gemeint.

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