Die Drachme – eine Katastrophe? Nein!

3. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer

Ausgerechnet der Griechenland-Blog verbreitet die dystopischen Gedanken des Mr. Dimitrios Gkiokas, der sich als „Wirtschaftsanalytiker“ zu Wort meldet, um den Griechen ordentlich Angst vor dem Abschied vom Euro einzujagen.

Soweit mein Google reicht, konnte ich von Mr. Gkiokas, außer seiner Co-Autorenschaft bei einer Studie über Schadstoffe in Schiffsanstrichen, keine Veröffentlichung finden, was es mir schwer macht, mich zu seiner Qualifikation zu äußern…

Ich lasse es also bei dem Text bewenden, der im Griechenland-Blog nachzulesen ist. Ein Text, der ohne jede Veränderung auch im Handelsblatt oder in der WELT stehen könnte, ist er doch nichts anderes, als das die Umkehr-Projektion der Ängste der Euro-Fanatiker, die im drohenden Zusammenbruch ihres Macht-Instruments „Euro“ auch schon den Schatten der eigenen Bedeutungslosigkeit auf sich zukommen sehen. Worum geht es?

Mr. Gkiokas malt ein gigantisches Katastrophenszenario aus, das über Griechenland hereinbrechen wird, würden die Griechen es wagen, die Drachme wieder einzuführen. Die Katastrophe, in die Griechenland mit dem Euro hineingeritten wurde, erwähnt er vorsichtshalber nicht, so dass der oberflächliche Leser den Eindruck gewinnt, mit der Drachme würde alles nur noch viel schlimmer, obwohl es schlimmer eigentlich gar nicht mehr kommen kann.

Lassen Sie mich hier noch einmal in aller Kürze zusammenfassen, was ich seit Jahren versuche, zu vermitteln: Die einzige Chance für Griechenland besteht darin, aus der Währungsunion auszuscheiden und sich mit einer eigenen Währung neu in der Weltwirtschaft zu positionieren. Das geht nicht ohne einen massiven Schuldenschnitt, doch der ist ohnehin nicht vermeidbar. Im Gegenteil im Euro – und für den Euro – muss der Schuldenschnitt eher schneller kommen und höher ausfallen.

Das dämliche Spiel, den Griechen immer neue Kredite zu geben, damit sie ihre alten Kredite bedienen können, dabei aber durch so genannte „Reformen“ die Wirtschaftskraft immer weiter zu schwächen, wird auch nach dem gewünschten Totalausverkauf alles Staatsvermögens die Gesamtverschuldung nur immer weiter steigen lassen. Dass dabei die Schulden von ehemals privaten Gläubigern am Ende vollkommen in den Büchern der Europäischen Partnerstaaten und der EZB stehen werden, wo sie jetzt schon zu 80% angekommen sind, ändert ja nichts an den Schulden der Griechen.

Mr. Gkiokas ins Stammbuch:

Ein Schuldenschnitt tut den Gläubigern weh, den Schuldnern bringt er Entlastung und Erleichterung. Und eine Währung, deren Kurs den volkswirtschaftlichen Kenndaten Griechenlands entspricht, ist besser als in einen Währungsverbund eingesperrt zu sein, der diese volkswirtschaftlichen Kenndaten vollständig ignoriert.

Nun zu den einzelnen Katastrophen des Mr. Gkiokas:

Die Drachme würde heftig gegenüber anderen Währungen abwerten, der Kurs könnte auf 1000 Drachmen pro Euro fallen.

Nun, das ist erstens pure Spekulation und zweitens logischer Nonsens. Eine Währung, die es noch gar nicht gibt, wird innerhalb weniger Tage ihren Kurs finden. Hier von Abwertung zu sprechen, ist Irreführung. Welche Wirkung der Kurs der Drachme für die griechische Volkswirtschaft am Ende haben wird, ist später zu behandeln. Zunächst einmal behauptet Mr. Gkiokas nämlich:

Die Abwertung wird eine Explosion der Inflation auf Niveaus von 40% und mehr herbeiführen.

Wie überall auf der Welt, muss der Grieche vom Außenwert seiner Währung gar nicht berührt werden, soweit er sich inländischer Erzeugnisse und inländischer Dienstleister bedient.

Wenn Griechenland die Drachme wieder einführt, kann die griechische Regierung dafür Sorge tragen, dass die Preise und Löhne auf dem Binnenmarkt in Drachmen ebenso ausgezeichnet werden, wie sie vorher in Euro ausgezeichnet wurden. Ein solches Preiskontrollgesetz würde ich für eine Übergangszeit von 6 bis 12 Monaten dringend empfehlen. Ausgenommen werden davon Waren und Leistungen, die aus dem Ausland importiert werden, für die können die Preise in Drachmen frei festgelegt werden.

053057866062Dies wendet die Nachfrage hin, auf die inländische Produktion, die nicht mehr von den Spottpreisen der Konkurrenz ausgehebelt werden kann, sondern wieder aufblühen wird. Es wird sich für griechische Unternehmer wieder lohnen, Produkte herzustellen, die vorher gegen die ausländische Konkurrenz – vor allem wegen des Euro – keine Chance hatten, einen Käufer zu finden.

Es wird einige Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen, insbesonders bei den Energieträgern geben, doch auch diese sind nicht unlösbar und werden neuen Ideen der Selbstversorgung zur Realisierung verhelfen. Von Gaslieferungen Russlands zu Sonderkonditionen für einen umworbenen Staat am Rande der EU muss dabei noch gar nicht gesprochen werden. Nun kommt Gkiokas zum Haupthammer:

Die Kapitalflucht und der steile Anstieg der nicht bedienten Kredite wird zum Zusammenbruch des Finanzsystems führen und die Liquidität der Realwirtschaft austrocknen.

Aber nur, sage ich da, wenn man sich dabei besonders blöd anstellt.

Was passiert denn, wenn der Grieche am Montagmorgen sein Online-Banking Konto öffnet – und darauf genau die Zahl 2.521,16 vorfindet, die auch am Freitgaabend dort stand – nur eben, dass die Währungseinheit nicht mehr Euro heißt, sondern Drachme, und wenn zugleich jedem Griechen angeboten wird, 50 Prozent dieses Drachmen-Guthabens innerhalb von vier Wochen in ein gesondertes Euro-Konto zum Kurs von 1:1 zu überführen, das jedoch der Devisenkontrolle unterliegt, also nur zum Bezahlen fälliger Einfuhrrechnungen, nicht aber zum Devisenhandel verwendet werden kann?

Alle Binnenmarktgeschäfte laufen vollkommen unbeeinträchtigt in Drachmen weiter – als sei nichts geschehen. Selbstverständlich können alle Griechen diese 50 Prozent Umwandlung vollziehen, und dann ihre Euro-Guthaben an Inländer übertragen, zu frei vereinbaren Kursen. Das hilft allen, die sich lediglich im Binnenmarkt versorgen, also vor allem jenen Griechen, die nur über kleinere Guthaben verfügen – und es ermöglicht den Importeuren, immer noch relativ preiswert an Euros zu kommen, die sie sich nicht auf den Devisenmärkten besorgen müssen, sondern günstig von den Währungsinländern erwerben können.

Die anderen 50 % der ehemaligen Euro-Konten zieht die griechische Zentralbank ein und stellt sie der Regierung zur Verfügung, die kann damit, wenn sie will, Euro-Schulden bei den Rettern tilgen, oder Erdgas einkaufen. Vermutlich werden die wütenden Zentralbanker in Frankfurt allerdings versuchen, dies zu verhindern – und das wäre dann der endgültige Rauswurf Griechenlands aus dem Euro von seiten der EU – und damit wäre ein 100%iger Schuldenschnitt zwangsläufig verbunden.

Ja, und die Kapitalflucht? Geht doch gar nicht!

Man wird kaum mit Drachmen ins Ausland rennen, wenn man dort 10.000 Drachmen für eine Flasche Ouzo hinlegen muss, während man sie zuhause für 10 Drachmen bekommt. Das scheue Reh, das so doof ist, möchte ich mal sehen … Denn die übrigen Euros müssen ja im Lande bleiben, es sei denn, man bezahlt damit fällige Importrechnungen. Gkiokas meint weiter:

Die Einfrierung der Zahlung von Löhnen wird bis zur Wiederherstellung der Liquidität unvermeidlich sein, mit unabsehbaren Folgen durch Aufstände.

Das ist, wie ich bereits ausgeführt habe, absolut nicht notwendig. Der Binnenmarkt funkioniert unverändert weiter. Alle Löhne können weiter bezahlt werden – und mit den Löhnen kann man in den Läden (fast) alles zum gleichen Preis erwerben, wie vorher. Daraus schließt Gkiokas dann:

Das BIP wird auf etwa 2/3 seines derzeitigen Wertes schrumpfen.

Wie oben bereits ausgeführt, wird das Gegenteil eintreten. Der Binnenmarkt wird zu einer massiven Belebung der Wirtschaft führen, weil die „Währungs-Billig-Konkurrenz“ aus dem EU-Verbund fast vollständig aus dem Markt verschwinden wird. Das nächste Gespenst, das er an die Wand malt, heißt… (Seite 2)




Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

3 Kommentare auf "Die Drachme – eine Katastrophe? Nein!"

  1. Beobachter sagt:

    Zu der vorgeschlagenen „50 Prozent Umwandlung“ und >“50 % der ehemaligen Euro-Konten zieht die griechische Zentralbank ein und stellt sie der Regierung zur Verfügung, die kann damit, wenn sie will, Euro-Schulden bei den Rettern tilgen“

    Herr Kreutzer scheint sich mit Target2 nicht so ganz auszukennen. Schulden so zurückzahlen zu wollen bedeutet rechte Tasche, linke Tasche, da die Schulden sich dann nur wieder im Target2 Saldo widerspiegeln. Griechenland kann seine Schulden NUR zurückzahlen, indem es Waren und Dienstleistungen an den Rest der EZ liefert/erbringt, also mehr ex- als importiert.

    Griechenland würde aber mit der Rückkehr zur Drachme wohl aus dem Target2-System ausscheiden, somit sind auf Bankkonten schlagartig keine Euro (Buchgeld) mehr da, da erst die Anbindung an Target2 aus lokalem Buchgeld Euros macht. Es verbleiben nur die Euros als Bargeld, und die wird kein Grieche freiwillig in Drachme tauschen.

  2. bluestar sagt:

    Vielen Dank für diesen wertvollen, entlarvenden Artikel.
    Wer ist dieser Mr. Gkiokas ? Ein absoluter“ Experte“, so wie sie tagtäglich dem verblödeten Volk in allen Propagandamedien präsentiert werden. Wichtig dabei: Substanzloses schön verpackt als wissenschaftlich wertvoll und glaubhaft zu verkaufen. Was sind die Aufgaben dieser jämmerlichen Kreaturen? Verbreitung von Halbwahrheiten, Lügen, Desinformationen, Zusammenhangsloses, Nebelkerzen und vor allem: Angst, als wichtigstes Herrschaftsinstrument.
    Da die Masse sich für müheloses „Betreutes Denken „entschieden hat, funktioniert das ausgezeichnet.

  3. Argonautiker sagt:

    So eine Umstellung würde sicherlich schon gehen, nur würde das die Griechen nicht vor den „Investoren“ schützen, die das Land so oder so angreifen werden. Dazu müßte sich ein Land komplett abschotten, was auch nicht geht. Man würde also in Griechenland auch mit der Drachme als Währung Geld einschießen, Griechenland wieder abhängig machen, und es dann wieder abziehen, wie es eben so gerne getan wird, um ein Land in Schieflage zu bringen, um es dann abzuwerten, etc. etc. Griechenland soll sich da mal nicht täuschen, das geht dann immer noch. Das ginge bei so einer „kleinen“ Währung sogar noch wesentlich leichter, als bei dem Euro, und schützt nicht vor feindlichen Übernahmen.

    Ein einziges Gesetz könnte dies ganz Gedöns, was wir derzeit haben, hingegen schon ändern. Handel müßte wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden. Handel hat seinen Ursprung im osmotischen Prinzip. Was bei A zu viel ist, wird mit dem getauscht, was bei B zu viel ist, und A mangelt, und umgekehrt. Handel basiert also ursprünglich auf gegenseitige Nächstenliebe. (und das zu Ostern) 😉

    Das heißt, schüfe man ein einziges globales Handelsgesetz, welches aussagt, daß ein rechtmäßiger Handel nur dann ein rechtmäßiger Handel ist, wenn beide Handelspartner daran zufriedenstellend profitieren, indem sie einen Ausgleich von Mangel zu beider seiten Gunsten herstellen, und jegliches andere Verhalten, rechtlos und damit anfechtbar wäre, käme der Handel wieder ins Lot.

    Heute ist es legal, daß Handel so betrieben werden darf, daß er einem Raub gleichkommt. So lange das nicht geändert wird, wird es nahezu egal sein, welche Währung man hat, weil es legal ist, daß Währungen sich angreifen dürfen, somit besteht weiterhin das Recht des Stärkeren, und folglich endet dieses Prinzip in einer aus dem Recht des Stärkeren geborenen Weltwährung, und seinem Diktat über das Individuum Mensch.

    Man muß wirkliche Inhalte ändern. Das bloße Ändern einer Funktion, wie es eine Währung, als Werkzeug des Handels, nun mal ist, bringt gar nichts. Der Handel muß INHALTLICH wieder zu seinem Ursprung und Sinn zurückgeführt werden. Dann klappt’s auch wieder mit den Nachbarn.

    Schönen Gruß aus Bremen

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.