Die Dinge werden immer verrückter

21. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Als ob es nicht schon verrückt genug wäre! Microsoft hat eine Telefongesellschaft ohne Telefone für 8,5 Mrd. Dollar gekauft. Dann haben die Käufer eines neuen Internet-Unternehmens (LinkedIn) dessen Aktienkurs auf ein Niveau getrieben, bei dem auf jeden Dollar Umsatz ein Kurswert von 20 Dollar kommt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 700. Wenn das so bleibt, dann wird ein Investor sein Geld erst im Jahr 2.711 zurückerhalten.

So ein Investor wird Glück benötigen. Denn normalerweise leben Menschen nicht so lange; das gilt besonders für verrückte Menschen. Aber Verrücktheiten sind jetzt schon so weit verbreitet – das ist so, als ob an jeder Straßenecke einen Mann mit zwei Köpfen sehen würde. Jeder vierte amerikanische Hausbesitzer hat eine Hypothekenlast, die den Verkehrswert seines Hauses übersteigt. Selbst in Wüstenstädten wie Las Vegas steht 70% der Hausbesitzer das Wasser bis zum Hals. Auf die gesamten USA bezogen sind die Immobilienpreise gegenüber ihrem Topp nun um 33% gefallen, und sie fallen immer noch um 1% pro Monat.

Der durchschnittliche Hausbesitzer verliert mit seinem Haus also soviel, wie er an Arbeitslohn nach Hause bringt. Und dann Dominique Strauss-Kahn (DSK). Wer kann es leugnen, dass wir in einer bemerkenswerten Ära leben? Während der Amtszeit von DSK ist die Kreditvergabe des IWF um den Faktor 10 gestiegen. Das arme Griechenland wurde mit neuen Krediten in Höhe von 42 Mrd. Dollar überschüttet, und kann diese wahrscheinlich gar nicht zurückzahlen. Aber zumindest hat DSK die Griechen zum Abendessen eingeladen!

Richard Nixon hat das Geldsystem der Welt im Jahr 1971 geändert, als er die Goldbindung des Dollars aufhob. Er tat das zur besten Sendezeit, im Fernsehen. Aber der US-Dollar war schon so lange eine verlässliche Währung gewesen, dass sich nur wenige Menschen etwas anderes vorstellen konnten. Nur ein paar zynische Philosophen und Geld-Historiker bemerkten, dass etwas sehr Wichtiges vor sich ging. Sie rollten mit den Augen und kauften mit beiden Händen Gold.

 Wenn eine Neuigkeit Bestand hat, dann wird sie vertraut. Ziemlich bald beginnen die Leute zu denken, dass das Außergewöhnliche normal ist. Und dann sieht das Normale verrückt aus. Das neue System hatte bald einen festen Stand. Und jetzt, 40 Jahre später, sieht es normal aus.

Aber von den ganzen heutigen Absurditäten ist nichts absurder. Wenn damals die Leute dachten, dass das System in die Zerstörung läuft – dann sollten sie es doch jetzt auch sehen!

Im Jahr 1971 lag die US-Geldmenge bei gerade einmal 800 Mrd. Dollar. Heutzutage hat alleine die Bilanz der Fed ein Volumen von 2,5 Billionen Dollar. Im Jahr 1971 schien die US-Regierung die Vorsicht wegzuwerfen – und sie hatte ein Haushaltsdefizit von 23 Mrd. Dollar. Fiskalisch Konservative griffen sich an die Herzen. Die sollten heute besser sitzen, denn das Defizit soll alleine in diesem Jahr 1,6 Billionen Dollar betragen. Die Schulden je arbeitende Person steigen um 115 Dollar je Arbeitstag – und damit in etwa um so viel, wie ein normaler Arbeiter auch an einem Tag verdient.

Und dennoch lag die Rendite 10jähriger US-Anleihen im Jahr 1971 bei 6% – und heute bei nicht einmal drei Prozent. Als ob sich die US-Finanzlage in den letzten 4 Jahrzehnten verbessert hätte!

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Die Dinge werden immer verrückter (von Bill Bonner)
weitere Informationen: Investor-Verlag

 

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4 Kommentare auf "Die Dinge werden immer verrückter"

  1. cubus53 sagt:

    Ach ja, noch was verrücktes :

    Anzahl der Hartz4 Empfänger in Deutschland ca. 7 Millionen
    Einwohner Griechenlands ca. 10 Millionen

    Ein Hartz4 Empfänger bekommt ca. 400 Euro im Monat, macht 4800 Euro pro Jahr.

    Griechenland hat letztes Jahr ca. 100 Milliarden Hilfe bekommen (die sind schon wieder alle), macht pro Grieche 10000 Euro pro Jahr.

    Folgerung : Jeder Grieche bekommt doppelt so viel als ein Hartz4 Empfänger hierzulande.

    Ach ja, noch was verrücktes :

    Unser Staat hat Milliarden von Geld für Bankenrettung, der Bildungsetat liegt aber nur ca. 10 Milliarden. Wie sagte der Finanzminister Herr Schäuble doch so treffend „Wir haben in Europa eine Führungsrolle“.

    Führungsrolle für wen und in welchem Sinn ?

  2. MrManhatt0rn sagt:

    @cubus53
    „Wir haben in Europa ein Führungsrolle“. Ja klar haben wir eine Führungsrolle. Und zwar sollen wir unsere deutschen Steuern möglichst direkt und nicht über Los in die längst insolventen Südstaaten führen.
    Sobald Deutschland sagt, wir bailen die Pleitestaaten nicht mehr raus, ist das Projekt „Euro“ ohnehin beendet. Solange wir diese Staaten allerdings noch weiterhin am Tropf halten geht der Spaß halt noch weiter bis die Ersparnisse der Deutschen auch aufgebraucht sind. Dann wenn die „Finanzmärkte“ merken, dass auch die Melkkuh Deutschland den Europaladen nicht mehr finanzieren kann crasht es gewaltig. Das Jahr 2008 war dann Kindergeburtstag dagegen.

    VG

  3. sx2011 sagt:

    Was wirklich total verrückt ist sind >Staatsanleihen<!
    Wenn ein Staat mehr Geld braucht dann kann er über Steuern mehr Einnahmen generieren oder die Ausgaben verringern oder er druckt Geld.
    Das Dümmste ist doch über Staatsanleihen einen Kredit aufzunehmen und darauf Zinsen zu zahlen.
    Und noch verrückter ist es Kredite zu 1% über die EZB zu vergeben, damit die Banken weitere Staatsanleihen zu 3% und mehr (Griechenland 25%!) kaufen können.
    Die Zinsdifferenz ist ein direktes Geschenk an die Superreichen.
    Hinter jeder Bank steht eine Clique von Bankstern, die den Profit einsacken.
    Würde Deutschland keine Staatanleihen ausgeben sondern einfach direkt Geld drucken um damit einen Teil seiner Ausgaben zu bestreiten, wären wir heute um Welten besser dran.
    Aber nein, über Staatsanleihen bekommen die Leute die sowieso im Geld schwimmen noch mehr Geld geschenkt.

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