Die Deutsche Reichsbank im Jahr 1923: Ein Lehrstück über eine politisch unabhängige Zentralbank.

15. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Thorsten Polleit) Die Deutsche Reichsbank, obwohl sie politisch unabhängig war, wählte 1923 den Weg in die Hyperinflation, um den Staat vor der Pleite zu bewahren – eine währungspolitische Lehre für alle, die meinen, eine politisch unabhängige Zentralbank sei ein „Inflationsschutz“…

In der öffentlichen Meinung gilt die politische Unabhängigkeit der Zentralbank als Schutz gegen Inflation… …denn hat der Zentralbank-Rat nicht den Weisungen der Politiker Folge zu leisten, so die Überlegung, kann er sich darauf konzentrieren, die Kaufkraft des Geldes zu wahren. Doch diese Auffassung ist trügerisch…

Die politische Unabhängigkeit einer Zentralbank mag bei „Schönwetter“ funktionieren, nicht aber notwendigerweise auch dann, wenn es stürmisch wird. Denn wird es wirklich ernst, wenn es also um „existenzielle Fragen“ geht, in denen etwa Staaten und Banken Pleite zu gehen drohen, ist selbst eine (auf dem Papier stehende) politische Unabhängigkeit der Zentralbank kein wirksamer Schutz gegen Inflation. Die Zentralbank kann dann sogar zur Inflationsmaschine mutieren.

Dies zeigt zum Beispiel die deutsche Erfahrung in den frühen 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schmerzlich. Die Deutsche Reichsbank, die Zentralbank des Deutschen Kaiserreiches und nachfolgend der Weimarer Republik, wurde per Gesetz im Jahr 1922 – übrigens auf Drängen der Alliierten, als Gegenleistung für eine vorübergehende Aussetzung der Reparationszahlungen – politisch unabhängig gemacht. Und dennoch wählte die Reichsbankführung den Weg in die Hyperinflation, durch die die Kaufkraft der Reichsmark im November 1923 nicht nur entwertet, sondern auch gänzlich zerstörte wurde.

Als die Geldpolitiker der Reichsbank sahen, dass die junge Republik in den frühen 20er Jahren immer stärker auf Reichsbankkredite zurückgreifen musste, um nicht Pleite zu gehen, gab sie, weil es sich aus Sicht der Zentralbankführung um eine Existenzfrage Deutschlands handelte, immer mehr Geld aus, um die unstillbaren Finanzansprüche der Politiker zu erfüllen. Das Ergebnis war Hyperinflation.

H. G Hjalmar Schacht, ehemaliger Reichsbankpräsident (1923 – 1930 und 1933 – 1939) in „Magie des Geldes“ aus dem Jahr 1966, S. 88:

„In seiner Festrede zum fünfzigjährigen Bestehen der Reichsbank am 2. Januar 1926 führte das Mitglied des Direktoriums Geheimrat v. Grimm zu diesem Punkt aus: „In immer wachsendem Maße musste das Reich auf die Reichsbank zurückgreifen, um seine Existenz zu fristen, und weil es sich um die Existenz des Reiches handelte, glaubte die Reichsbank sich auch dann nicht versagen zu können, als ihr durch die Gesetzgebung von 1922 die formelle Auto-nomie zuteil geworden war.“ Die Absicht des Gesetzes von 1922, die Reichsbank von den Ansprüchen des Staates freizumachen, scheiterte gerade im entscheidenden Moment, weil das Reich keine andere Lösung fand, sich finanziell über Wasser zu halten, als den inflationistischen Rückgriff auf die Notenpresse.“

Die Situation, in die der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sich hineinbewegt, ist der Situation der Deutschen Reichsbank zu Beginn der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gar nicht so unähnlich. Auch aktuell ist die Entscheidung über den Fortbestand eines politischen Projektes – nämlich der Euro-Währungsunion – in die Hände der Zentralbank gelegt – genauso wie damals in Deutschland, als es galt, die junge Weimarer Republik liquide zu halten, selbst zum Preis, dass die Deutsche Reichsbank immer mehr Geld per Kreditausweitung in Umlauf brachte. Auch heute sollen überbordende Staatsschulden und unrentable Banken von der Zentralbank durch finanziert werden, eine Pleitewelle soll um jeden Preis verhindert werden; und zudem sollen immer mehr neue Kredite, bereitgestellt zu Tiefstzinsen, die Konjunktur- und Beschäftigungslage in Gang halten.

Eine offene Inflationspolitik wird (noch) gescheut, solange in Maßnahmen wie zum Beispiel der Einführung des (im März 2012 von den Euro-Regierungschefs beschlossenen) „Fiskalpaktes“ ein geeignetes Mittel gesehen wird, um die Überschuldungskrise in den Griff zu bekommen. Allerdings ist der Fiskalpakt nur eine verschärfte Version des bestehenden Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes – der gescheitert ist, aber nicht weil er unzureichend ausgestaltet gewesen wäre, sondern weil es an der grundsätzlichen Bereitschaft der Regierenden und Regierten mangelte, ihn einzuhalten. Hat die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise Regierende und Regierte nun geläutert, und wird ein strafferes Fiskalkorsett Abhilfe schaffen? (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

22 Kommentare auf "Die Deutsche Reichsbank im Jahr 1923: Ein Lehrstück über eine politisch unabhängige Zentralbank."

  1. Fnord23 sagt:

    überbordende Staatsschulden? = überbordende Vermögen

    Immer noch nicht verstanden Herr Polleit? Doppelte Buchhaltung?
    Schuldenklumpen gleich Vermögenklumpen?

    Das Problem könnte gelöst werden, u. a. damit dass man Europa nach dem Vorbild D umbaut. Teil wäre ein Länderfinanzausgleich auf europ. Ebene.

    So schön und vernünftig die Idee der Vereinigten Staaten von Europa auch ist. Ist es auch durchführbar Steuer/Rechts/Sozialssysteme anzupassen?

    Auf einfachem Weg bestimmt nicht. ordo ab chao. Es wird holprig werden.

    Vollgeldreform, dann hat sich das mit den Staatsschulden. Monetative wäre auch eine Möglichkeit.

    VG aus Sachsen

    • Frank Meyer sagt:

      Sicherlich kann man sich über Inhalte streiten, aber was soll dieser arrogante Ton?

      • Fnord23 sagt:

        Hallo Frank Meyer,
        Hallo Herr Polleit,

        Entschuldigung, war nicht so gemeint, wie es rüber gekommen ist.

        Es zerrt halt an den Nerven. Hyperinflation da, Zusammenbruch hier.

        Ich würde viel lieber über Alternativen diskutieren und die Hoffnung haben, dass wir es schaffen in den nächsten 20 Jahren die Gesellschaft auf einen besseren Weg zu bringen.

        Ich meine, was soll man denn sonst machen, in dieser Situation, als die Schleusen öffnen?

        Es ist egal, wie man es dreht und wendet. Pest oder Cholera. Es geht hier darum schwerste Unruhen zu vermeiden.

        Bringen uns die Aussagen dieser Artikel weiter? Immer wieder Zustandsbeschreibungen eines kranken Systems.

        Tag für Tag…. Wir wissen, dass es schlecht aussieht.

        Wann schreibt Herr Polleit etwas zu Lösungsvorschlägen? Was wir brauchen ist Hoffnung und neue Ideen.

        Meine überzogene Reaktion auf den Artikel zeigt mir, dass ich das nicht mehr lesen will, weil es mittlerweile zu negativ auf mich wirkt. Es ist im Prinzip alles gesagt.

        Ich wünsche Allen das Beste.

        VG aus Sachsen

    • Avantgarde sagt:

      „Das Problem könnte gelöst werden, u. a. damit dass man Europa nach dem Vorbild D umbaut. Teil wäre ein Länderfinanzausgleich auf europ. Ebene.“

      !!!!
      Das ist auch so eine Schlüsselerkenntnis!!

      Deutschland mit seinen Bundesländern und der D-Mark war das was nun die Europa mit dem Euro ist – ein Binnenmarkt.

      Es ist zwar banal – aber genau das scheinen manche nicht zu verstehen.
      Aus welchen Motiven auch immer..

      Ein Länderfinanzausgleich in irgend einer Form ist sogar zwingend.
      Für Deutschland wäre es an dieser Stelle auch mal wichtig zu verstehen, daß es ziemlich dumm ist die Länder im gleichen Währungsgebiet ausplündern zu wollen und an die Wand zu exportieren!

      Denn selbst wenn Deutschland „gewonnen“ hat sind die Menschen und die Schulden für die sie gerade stehen sollen (bzw. Guthaben von D) ja noch da.
      Ein Land verschwindet eben nicht wie ein Unternehmen einfach vom Markt.
      Der Wettkampf der Nationen ist also ein ziemlicher Blödsinn.

      So – und nun bitte:
      Hätte irgend jemand das Saarland oder Berlin aus Deutschland aussschliessen wollen weil Nehmerstaaten im Finanzausgleich sind??
      Die EU ist das gleiche System – nur eben etwas größer.


      Polleits These von der irgendwie stattfindenden Hyperinflation ist für den Rest der Wissenschaft zu Recht weiterhin kaum nachzuvollziehen.

      Die Elemente, die einen schnellen Deflationären Crash herbeiführen könnten sind quantitativ und qualitativ deutlich überwiegend.

      „überbordende Staatsschulden? = überbordende Vermögen“
      Tja – das passt halt nicht in Polleits Konzept.

      Denn dann wären ja die Vermögenden ebenso „böse“ wie jetzt die Schuldner im Mainstrem verkauft werden.
      Es gibt aber da kein „gut“ oder „böse“ – es sind schlicht Salden.

      Die Sache von „gut/böse“ stellt sich allerdings bei der Verteilung der jeweiligen Salden – weil das letztlich tatsächlich systemgefährdend wird.

  2. GoldeneRegel sagt:

    @ Fnord23

    Zitat:“Immer noch nicht verstanden Herr Polleit? Doppelte Buchhaltung?“

    Glücklicherweise gibt es Leute wie Sie, Fnord23, die sich durch
    saubere Analyse und messerscharfe Logik auszeichnen.

    Ich hoffe, daß Herr Polleit die von Ihnen aufgezeigten Bildungslücken
    zeitnah nacharbeitet, auch wenn Ihn das vermutlich nicht in die
    Lage versetzen wird, zu ähnlichem Sachverstand und intellektuellem
    Vermögen wie Sie zu gelangen.

    Mit freundlichen Grüßen nach Sachsen

    PS: Berliner Rede: Das staatliche Zwangsgeldsystem ist Falschmünzerei und muss überwunden werden!http://www.youtube.com/watch?v=CZEpCsZgI7k

    • Fnord23 sagt:

      Hallo GoldeneRegel,
      Frank hatte recht, mein Komment war etwas übertrieben. Das hab ich beim zweiten lesen auch gemerkt.

      Aber ist Ihre Reaktion besser?

      VG aus Sachsen

      PS: Kann ein Staat ohne Zwangsgeld bestehen? Zumindest das, was wir heute unter Staat verstehen.

      • FDominicus sagt:

        PS: Kann ein Staat ohne Zwangsgeld bestehen? Zumindest das, was wir heute unter Staat verstehen.

        Warum sollte das nicht gehen? Staaten gab es schon vor dem Zwangsgeld und die waren auch schon recht stabil. Was natürlich nicht heißt, die Staaten wären damals „besser“ gewesen. So haben es ja alle „Staaten“ geschafft immer und immer wieder andere zu bekriegen….. Was natürlich immer und immer wieder zu einem Zusammenbruch führte….

  3. Reiner Vogels sagt:

    Den Ruf nach Alternativen finde ich ein bisschen einfach. Wenn der point of no return überschritten ist, wenn das Schiff den Eisberg gerammt hat und langsam sinkt, gibt es keine schmerzfreien Alternativen mehr.

    Deshalb gibt es eben im Eurosystem keine einfachen und billigen Lösungen.

    Jeder kann privat versuchen, für den Tag X so gut wie möglich gerüstet zu sein. Aber auch für diejenigen, die den Keller voll Lebensmitteln und Medikamenten, den Heilöltank voll und Gold- oder Silbermünzen gut versteckt haben, gibt es keine Garantie.

    Die Gefahr schwerer innerer Unruhen besteht in jedem Fall. Dies gilt für die Zündung einer Superinflation wie auch für eine erbarmungslose Politik einer finanziellen Repression durch den Staat. Beides ist denkbar, nichts ist ausgeschlossen. Wenn die Krise einmal wirklich losbricht, werden die Regierungen und die Behörden die Entwicklung nicht mehr steuern können.

    Wer will wissen, was wirklich kommt? „The future’s not ours to see“, hat einmal Doris Day gesungen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Vielleicht noch Horaz: „Carpe diem quam minime credula postero!“ – „Pflücke den Tag und vertrau so wenig wie möglich auf den kommenden!“

    • FDominicus sagt:

      „Wenn die Krise einmal wirklich losbricht, werden die Regierungen und die Behörden die Entwicklung nicht mehr steuern können. “

      Ich sehe nicht, daß die Regierungen noch irgendetwas „steuern“ können. Was haben Sie nicht „alles“ gemacht und ist es auch nur einen Deut besser geworden. Nein der Panikmodus ist an und in solchen Zeiten wird erst mal verscuht, mit dem durchzukommen was bisher geklappt hat.

      Und das sehen wir sehr deutlich, Geld drucken, Markt einschränken, regulieren.

      Zu Fnord23:
      Schulden = Vermögen stimmt schlicht und einfach so nicht.

      Wenn Sie keine Schulden haben können Sie trotzdem Vermögen besitzen. Egal wie man sich dreht und wendet. Vermögen ist nämlich das was man „nicht“ verbraucht hat, was man „gespart“ hat.

      • mfabian sagt:

        Schulden=Vermögen stimmt schon.
        Zumindest, wenn man Geldvermögen damit meint.
        Aber natürlich sind es die einen, die die Schulden und die anderen, die die Vermögen besitzen.
        Die Logik ergibt sich schon alleine aus der Tatsache, dass jeder Euro als Schuldgeld auf die Welt kommt. Er ist immer Forderung des einen und Verbindlichkeit des anderen.

        • FDominicus sagt:

          Es geht um die Pauschalisierung. Schulden = Vermögen, das stimmt nur für einen Teil des Vermögens. Und ich behaupte mal es ist nicht der größte Teil des Vermögens der hier betroffen ist. Eine Gleichung ist hier durchweg falsch

          Die Schulden können sogar größer als das Vermögen sein, das nennt man Pleite und so wie ich das sehe sind die Staaten nahezu alle Pleite. Womit wollte den Deutschland seine 2 Billionen an Schulden zurück bezahlen? Mit dem Verkauf von Schlössern?

          Nein Vermögen ist das was man wirklich „gespart“ hat. Vermögen kann nicht anders entstehen und Vermögen braucht auch keine Schulden um „entstehen“ zu können. Ich kann nicht verstehen wie etwas so offensichtlich Falsches immer und immer wieder durchgekaut wird.

  4. samy sagt:

    Moin Frank,
    hallo Herr Polleit,

    ich habe eine konkrete Frage. Die Deflationisten haben etwas was die Inflationisten nicht haben, nämlich ein ganz klares Szenario darüber, wie ein Deflationsschock entsteht und er seinen Weg in unsere Wohnstuben finden wird. Das kenne ich von den Inflationisten so nicht. Zwar verweisen diese ganz zu recht auf die Geschichtsbücher, aber reicht das?

    Ist es nicht viel mehr so, dass der Wohlstand derzeit stark ungleich verteilt ist und alle Rettungsmaßnahmen eher dazu dienen, den oberen 10 000 ihren virtuellen Reichtum zu erhalten, was ich ohne Neid frage?
    Wenn dass so ist, dann gilt es zu bedenken, dass es dann kaum einen Grund geben wird, dass diese bedürnissatten Bürger ihr Vermögen nachfragewirksam in Sachwerte wandeln werden, denn sie können von ihren laufenden Bezügen gut leben und besitzen schon Sachwerte usw..

    (Der derzeitige Run auf einige wenige erstklassige Sachwerte, wie beste Aktien, EM oder Immobilien in 1a Lage usw., wird derzeit von der Angst befeuert, dass eine Währung plötzlich zerbricht und die Marktteilnehmer (Haushalte, Unternehmen Banken und Staat) in einem chaotischen „War for Liquidity“ untergeht. Diese Preissteigerung wird von einer Kapitalflucht im ausländischer Privatiers befeuert, die im gleichen Ausmaße eine Preissenkung in ihrer Heimat auslöst. Hier steigen die PReise für Immobilein, in Griechenland und Spanien sinken sie. Ein Nullsummenspiel der Preissteigerungen für den Euroraum, dass schlagartig in ein Deflationszenario enden kann, sollten die Rettungsschirme für die ausländischen Banken knapp werden, die ja unter dieser Kapitalflucht leiden)

    Ein Szenario wie 1923 funktioniert nur, wenn die breite Masse sofort nach Erhalt der Lohntüten in die Bäckerei stürmt, wohl wissend, dass das lebensnotwendige Brot in 24 Stunden deutlich teurer wird und bzw. oder der Staat bald wieder Steuern erhebt, um Schulden zu tilgen.
    Das wiederum kann nur laufen, wenn eine Lohn-Preis Spirale die Inflation befeuert. Die breite Masse würde ansonsten sofort (!) eine Revolution auslösen müssen, wenn sich im „Warenkorb“ eine galoppierende Preissteigerung oder gar eine Hyperpreissteigerung bemerkbar macht, ohne das Löhne massivst, aber auch wirklich massivst steigen.

    Alternative wäre, dass der Staat einen „Money Rain“ auslöst, also Ben die Helicopter startet.

    Von beidem kann in der BRD nicht die Rede sein. Die Lohne stagnieren, Geschenke nicht in Sicht, und die Lebensmittel in den Discountern sind günstig.

    Also erhellt bitte meinen Geist. Beschreibt bitte den Tipping Point (!). Wie wird Brot und Milch teurer, wenn die Masse nicht mehr verdient! Wie tritt die trockene Theorie in unsern mühseeligen Alltag.

    Auch Herr Polleit ist freundlich eingeladen, der die Inflation streng nach der österreichischer Lehre erstmal als Geldmengensteigerung definiert, wobei die Preissteigerung des Warenkorbes http://de.wikipedia.org/wiki/Warenkorb für den Alltag der „kritischen Menschen(masse)“ relevant ist.

    VG

    Samy

  5. mfabian sagt:

    @Samy
    Ein guter Einstiegspunkt ist sicherlich „Crack-Up Boom“ vom Smartinvestor:
    http://www.ergin.ag/media/uploads/files/veroeffentlichung/4_smart-investor_0409.pdf

    Geld ist ja schlussendlich auch eine „Ware“, die Angebot und Nachfrage unterliegt. Wenn sich die Geldmenge stärker ausweitet als die Gütermenge und mehr Geld einer konstanten Gütermenge nachjagt, verliert Geld entsprechend an Kaufkraft. Dies ist derzeit nur deshalb nicht (noch nicht?) der Fall, weil das Geld bei Banken und dem Staat rumliegt und nicht auf die Suche nach Sachwerten geht.

    Vereinfacht: Inflation ist meist im Angebot und Nachfrage bei den Sachwerten zu suchen.
    Hyperinflation hingegen ist Geldentwertung durch extreme Ausweitung der Geldmenge.

    Szenarien:
    QE3 schwächt weiterhin den Dollar. Die Chinesen sind nicht mehr bereit, ihre Waren gegen grüne Zettel bzw. Schuldscheine zu liefern und gehen sogar dazu über, ihre bestehenden Dollars auf den Markt zu werfen. Sie verkaufen im grossen Stil ihre Treasuries und kaufen dafür Sachwerte wie Rohstoffe, Minen, Firmenanteile, Agrarland … alles was ihnen unter die Finger kommt.
    Diese Dollarflut würde sehr schnell zu Teuerung führen.

    Eindrückliches Video hierzu: „The Day the Dollar Died“:
    http://www.youtube.com/watch?v=2N8gJSMoOJc

    Dasselbe Video mit deutscher Übersetzung:
    http://www.youtube.com/watch?v=f-HNNWd1NYc

    • samy sagt:

      Hi,

      „Hyperinflation hingegen ist Geldentwertung durch extreme Ausweitung der Geldmenge“

      Wir drehen uns im Kreis. Hyperinflation ist im allgemeinen Sprachgebrauch als explodierende Preissteigerung bekannt und nicht als Geldmengenausweitung. Das wäre die volkswirtschaftliche Sicht der Österreicher, natürlich mit dem Hintergedanken, dass diese Gelder irgendwann auf die Märkte für reale Güter fliessen.

      Also nochmal die Frage, wie sollen die Extranullen auf die Brötchentüte kommen, wenn die breite Masse nominal nicht mehr in der Tasche hat? Die Dinge des Alltags können nicht einfach so teurer werden ohne Lohnsteigerung. Dann würden halt weniger Güter gekauft, dass führt zu Unternehmenspleiten usw, also deflationäre Wirkung. Oder zu Unruhen auf den Strassen usw..

      „Szenarien:
      QE3 schwächt weiterhin den Dollar. Die Chinesen sind nicht mehr bereit, ihre Waren gegen grüne Zettel bzw. Schuldscheine zu liefern und gehen sogar dazu über, ihre bestehenden Dollars auf den Markt zu werfen. Sie verkaufen im grossen Stil ihre Treasuries und kaufen dafür Sachwerte wie Rohstoffe, Minen, Firmenanteile, Agrarland … alles was ihnen unter die Finger kommt.“

      Gegenszenario:

      Die Leit- und Reservewährung wird gewaltig an Wert gewinnen, wenn der Euro crasht, weil dann die Wirtschaft abschmiert. Die in Dollar geschlossenen Kreditverträge wollen bedient werden, der Run auf den Dollar beginnt. Rohstoffe würden in Dollar abwerten, die Chinesen reiben sich die Hände, können sie doch nun mit ihren Devisenreserven und Anleiheverzinsungen billigst ihre Rohstofflager füllen, ohne das die Preise für Rohstoffe steigen. Ein Nullsummenspiel wäre denkbar.

      „Sie verkaufen im grossen Stil ihre Treasuries und …“ … und Japan kauft diese fleissig auf. Schon mal geguckt wieviele die inzwischen haben?
      http://www.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/tic/Documents/mfh.txt

      VG

      • mfabian sagt:

        „wie sollen die Extranullen auf die Brötchentüte kommen, wenn die breite Masse nominal nicht mehr in der Tasche hat? “

        Gar nicht. Aber was passiert, wenn z.B. die Banken sich auf einmal für Agrarland zu interessieren beginnen?
        Dann steigen die Lebensmittelpreise. Die Konsumenten verlangen dann im Gegenzug mehr Lohn, um die Preissteigerung auszugleichen und die Spirale beginnt sich zu drehen.

        Wie war das denn 1922/23? Damals begann die Hyperinfla nicht mit Lohnsteigerungen sondern mit Gelddruckerei. Und im Vorfeld – 1921 – gab es sogar eine leichte Deflation!

        Startpunkt für die Spirale könnte auch sein, dass QE3 nicht mehr an die Banken geht sondern direkt in die Wirtschaft gepumpt wird. Sei es, um Schuldner wie Immo-Besitzern, Studenten etc. zu entlasten, Steuersenkungen für den Mittelstand, höhere Renten oder was auch immer.
        Heli-Ben also wörtlich genommen.

        Unter dem Strich habe ich ein schlechtes Gefühl bei der Gelddruckerei. Die Geschichte kennt unzählige Beispiele, wo Gelddruckerei zu Hyperinfla, Währungsreform geführt haben.
        Das einzige mir bekannte Gegenbeispiel ist das heutige Japan, das (in Yen gerechnet) seit Jahrzehnten eine Deflation hat. Allerdings hat sich der Yen gegenüber dem Dollar fast verdoppelt und würde man die Preise in Japan in Dollar bemessen, hätte auch Japan in den letzten Jahren eine moderate Teuerung gesehen.

      • MARKT sagt:

        Deinen Ausführungen ist m. E. ncihts aber auch gar nichts hinzuzufügen. Sind sind einfach logisch für jeden der sich essentiell mit dem Geldsystem auseinandergesetzt hat und gleichzeitig verfolgt hat wie die Krise „bekämpft“ (ich würde sagen ausgeweitet und als Anlass für Umverteilung genutzt) wird.

        Aber lassen wir die Zeit entscheiden. Und hoffen wir, dass „wir NICHT Recht bekommen. Den es wäre für die „Normalos“ sicherlich das Schlimmste Szenario.

  6. topperhopper sagt:

    „Wann schreibt Herr Polleit etwas zu Lösungsvorschlägen? Was wir brauchen ist Hoffnung und neue Ideen.“

    @ Fnord23 und Avantgarde:

    Es gibt nur zwei Lösungen. Entweder enger zusammenrücken a la Vereinigte Staaten von Europa oder die Eurozone in Teilen/ganz rückabwickeln.

    Die Vergleiche mit der BRD oder mit den USA als gemeinsame Währungsräume sind ja schön und gut. Aber die Eurozone unterscheidet davon ein ganz wichtiger Punkt: Die Geber-Bundesländer murren zwar über den Länderfinanzausgleich oder die US-Bundesstaaten haben bestimmt auch ihre Probleme miteinander – aber sie haben ein Gemeinschaftsgefühl bzw. ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich durch Sprache, Geschichte und Kultur ausgeprägt hat.

    Das alles fehlt der Eurozone. Wir sind keine Schicksalsgemeinschaft. So etwas entsteht auch nicht über 10-20 Jahre und von oben gesteuert, sondern über Jahrhunderte und mehr oder weniger von selbst. Deshalb wird eine noch schnellere Integration über Eurobonds und eine gemeinsame Regierung (und was man sich sonst noch so vorstellen kann) nicht funktionieren.

    Die Eurozone muss reorganisiert werden. Ansonsten eint sie nicht Europa, sondern hetzt die Menschen gegeneinander auf.

    • Avantgarde sagt:

      „US-Bundesstaaten haben bestimmt auch ihre Probleme miteinander – aber sie haben ein Gemeinschaftsgefühl bzw. ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich durch Sprache, Geschichte und Kultur ausgeprägt hat.

      Das alles fehlt der Eurozone. Wir sind keine Schicksalsgemeinschaft.“

      Die Kritik ist absolut berechtigt – und auch ich habe meine Zweifel.
      Schon möglich, daß bereits zu spät ist – die verfrühte Euroeinführung ist vielleicht nicht mehr zu heilen.
      Es gibt aus rein monetär-technischen Gesichtspunkten aber einfach keine Alternative.
      Die mögliche Alternative wäre nämlich der Zusammenbruch….
      Den GO kann man immer haben – jederzeit. Also versuchen wir es lieber doch noch mal etwas weiter…

      • topperhopper sagt:

        „Es gibt aus rein monetär-technischen Gesichtspunkten aber einfach keine Alternative.
        Die mögliche Alternative wäre nämlich der Zusammenbruch….
        Den GO kann man immer haben – jederzeit. Also versuchen wir es lieber doch noch mal etwas weiter…“

        Was ist GO?
        Warum soll es auch aus monetärer Sicht keine Alternative geben? Wegen Target? Oder den Rettungspaketen? Das wird natürlich teuer, aber ist die Alternative wirklich billiger? Wirklich wissen tut das sowieso keiner…

        Gibt es eigentlich historische Beispiele für das Auseinanderbrechen einer Währungszone?

        VG

        • Avantgarde sagt:

          „Was ist GO?“

          GO ist Jargon bedeutet Game Over – Spiel beendet.
          Also der Zustand bei dem die Kredite z.T. freiwillig und vor allem durch Forderungsausfälle in sich zusammenbrechen weil keine Nachschuldner mehr gefunden werden können.
          Dies vernichtet die Guthaben wie die Schulden und führt zwangsläufig zu Massenarbeitslosigkeit und schweren politischen Unruhen.

          „Warum soll es auch aus monetärer Sicht keine Alternative geben? Wegen Target? Oder den Rettungspaketen? Das wird natürlich teuer, aber ist die Alternative wirklich billiger?“

          Die „Alternative“ lautet: Zusammenbruch der Eurozone.
          Wenn niemand mehr bereit ist die Schulden bzw. Guthaben einzustehen.

          „Target“ – ganz nebenbei ist keine besondere Erfindung des Prof. Sinn.
          Es ist die letzten 10J schon längstens bekannt unter dem Namen:(Vize)exportweltmeister der in etwa die Hälfte in der Eurozone umsetzt.
          Die Südschiene hat das gemeinsame Inflationsziel von 2% überschritten und vor allem D unterschritten.

          Wir haben irriger Weise fast schon einen Wirtschaftskrieg im gleichen Währungsgebiet.
          D hat „gewonnen“ – und muß nun für die Zahlungsfähigkeit der anderen Eurozonenländer sorgen damit diese nicht die Zahlungsunfähigkeit erklären.
          Die Guthaben von D sind die Schulden der Südschiene.

          Die „Rettungspakete“ retten zunächst mal die Banken von D, F…
          Ohne die Garantieen und ohne die Zentralbank bekämen wir den GO.

          Die „Alternative“ Zusammenbruch ist nicht billiger.
          Denn neben den oben genannten Problemen hätten die Leute für die nächsten zig Jahre die Nase voll von einer wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas.
          Die bräuchten wir im globalen Maßstab aber dringenst – USA, China, Indien BRICK sind alles große Wirtschaftsräume neben denen wir hier dann ziemlich alt aussehen.
          Und wer den Dollar nicht mag sollte schon dreimal nicht auf so einen Zusammenbruch hoffen.

          „Danach“ wäre es für D übrigens nicht mehr so einfach die anderen mit den Preisen zu unterbieten – die werten dann einfach ihre Währung ab und wir können hier mit dem Mercedes im Kreis fahren und ihn nicht mehr verkaufen.
          Viele Betriebe würden vermutlich auch aus D wegen der aufwertenden DM? abwandern – z.B. in F gibt es genügend gut ausgebildete Menschen – gar kein Problem.

          „Gibt es eigentlich historische Beispiele für das Auseinanderbrechen einer Währungszone?“

          Jedenfalls nichts was vergleichbar mit der EU von heute ist und von dem man irgend etwas ableiten könnte.
          Ableitungen sind ohnehin immer gefährlich weil Europa schon eine ganz eigene Geschicht besitzt.
          Frühere Geldsysteme waren auch etwas anders gestrickt als unser heutiges Kreditgeldsystem.
          Entweder tatsächlich physisches Papier oder EM-Münzen bzw. Mischformen.

          Es gab verschiedene Währungsunionen wie die lat. oder Skandinavische Münzunion.


          Aber um es kurz zu machen:
          Ich wünsche mir ein Auseinanderbrechen der EU ganz bestimmt nicht, aber die Möglichkeit, daß das passieren kann ist ganz real vorhanden und da gibt es auch nichts zu beschönigen oder zu verharmlosen.

    • samy sagt:

      Zwar teile ich grundsätzlich deine Meinung, aber auch die Amis haben schon Bundesstaaten in die Pleite ziehen lassen. Sooooo solidarisch sind die nicht, wenn es um die Pinke Pinke geht.

      Der Schreicken des WK II hat Europa geeint. und nun kommt diese verdammte Friedesprojektwährung und …

      VG

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.