Die Deflation wird nicht für die Ewigkeit sein…

28. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Stellen Sie sich einen armen Ökonomen ohne einen Sinn für Humor vor. Wie muss er leiden! Die vergangene Woche war von den Zentralbanken dominiert. Zwei große – die Bank of Japan (BoJ) und die Fed – gaben wichtige geldpolitische Ankündigungen bekannt.

Die Spekulanten platzierten ihre Wetten und setzten sich auf den Rand ihrer Stühle.

Mehr Hokuspokus

Und zumindest kündigte die BoJ noch mehr Hokuspokus an. Sie versprach eine Kontrolle der Zinsstrukturkurve. Die Zentralbank sagt, dass sie eine 0% Rendite für 10-jährige japanische Staatsanleihen anstreben würde. Sie fügte hinzu, dass sie weiter japanische Aktien (in Form von Exchange Traded Funds) kaufen würde und für Banken ein negativer Einlagesatz von Minus 0,1 Prozent gelten würde.

Japans Aktienmarkt brach im Jahr 1989 zusammen. Von diesem Absturz konnten sich die glücklosen Japaner nie wirklich erholen. Seither müssen sie mit nur sehr schwachem Wachstum, Rezessionen und Deflation leben.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert drehen sich die Zahnräder von Japan Inc. nun langsamer. Und es liegt sicherlich nicht daran, dass die Japaner nicht alles versuchen. Die Regierung verausgabte Hunderte von Billionen Yen in „Infrastruktur-Projekten“, um damit die japanische Wirtschaft und Konjunktur zu stützen. Zeitweise betonierten die Japaner mehr Straßen, Brücken, Dämme und andere öffentliche Bauten als die gesamte USA.

Kritiker trugen vor, dass viel, zu viel Zement verwendet wurde. Flüsse auf dem Land wurden einbetoniert und hässliche Brücken ins Nichts gebaut. Es sei den Kritikern zufolge das größte Landschaftsverschandelungsprogramm der Geschichte gewesen. Die japanischen Feds versuchten auch in der Geldpolitik alles.

ZIRP (Null-Zinspolitik) begann in Tokyo… Sie erfanden QE (quantitative Lockerung); es sollte mehr „Liquidität“ in das System und sowohl Aktien- wie auch Anleihenkurse sollten steigen. Und doch funktionierte am Ende nichts.

Von Tokyo nach Harare

Aber anstatt zuzugeben, dass die ganzen Manipulationen nicht gut getan haben, die weiße Fahne zu hissen und den Markt sein zu lassen, machen die Verantwortlichen in Japan einfach weiter. Es werden weitere geldpolitische Ankündigungen gemacht, noch mehr sture Interventionen vorgenommen und mehr und mehr wahrer Reichtum der Nation wird dadurch vergeudet.

Wie Soldaten der kaiserlichen japanischen Armee, die 1945 in aussichtsloser Lage ein Atoll verließen, kämpfen sie einen verlorenen Krieg weiter. Die japanische Regierung hat bereits jetzt die höchste Schuldenlast in der Welt. 230 Prozent des BIP.

Nun, da die älteren Japaner in den Ruhestand gehen und ihre japanischen Staatsanleihen verkaufen – anstatt sie zu kaufen – finanziert die Zentralbank das gesamte Staatsdefizit. Und die BoJ kauft so viele Aktien und Anleihen, dass alle Gauner der Welt angelockt werden, neue Investment zu kreieren, um sie den naiven Zentralbankgenies Nippons anzudienen.

Die aktuelle Ankündigung zeigt uns, dass die Zentralbank noch mehr Staatsschulden aufkaufen will. Und zwar zusätzlich zu dem Haufen, der bereits in den Büchern steht. Und das ist eine gewaltige Menge – etwa ein Drittel aller ausstehenden japanischen Staatsschulden.

Dies ist exakt das, was Zimbabwe und Argentinien auch taten. Es ist DER klassische Weg, um eine Wirtschaft durch „Monetisierung“ der Schulden zu ruinieren. Es läuft darauf hinaus, Regierungsausgaben letztlich mit frisch gedrucktem Geld zu bezahlen. Schließlich führt das zusätzliche Geld zu Verbraucherpreisinflation. Unweigerlich.

Größter Diebstahl in der Geschichte
von Bill Bonner

Zuerst einige Reisetipps, die auch für Sie, liebe Leser, vielleicht nützlich sein könnten. Eine Nichte aus North Carolina war neulich hier bei uns zu Besuch. Sie verließ uns in Richtung Paris.

Wir warnten sie: „Paris ist die größte touristische Attraktion in der Welt. Natürlich gibt es dort auch eine blühende Industrie, die Beute bei Touristen machen will.“

„Die Leute werden zu Dir kommen und sagen: „Sprechen Sie Englisch?“ Sag einfach „Non“ und geh weiter. Oder sie behaupten, einen goldenen Ring auf dem Bürgersteig gefunden zu haben. Direkt hinter Dir. Sie werden Dich fragen, ob er Dir gehört? Geh dann einfach weiter!“

„Pass auch bei den vielen Sinti und Romas auf. Sie arbeiten in Gruppen. Man wird Dir einen Stoß geben oder Dich ablenken. Dabei wird Dir dann Deine Handtasche geklaut.“

„Oh … und bloß nicht lächeln. Wenn du lächelst, halten sie Dich für eine Touristin, für eine Amerikanerin.“

„Die Franzosen schenken Fremden kein Lächeln. Sie denken, sie haben nur ein begrenztes, limitiertes Angebot an Lächeln zu vergeben; und das verschwenden sie nicht an Fremde.“

Nun kehren wir aber zurück zu unserem Hauptmetier hier im Tagebuch. Wie erwartet verkündete eine lächelnde Frau Yellen keine Änderung der außerordentlichen Politik der Fed. In den letzten acht Jahren hat sie Anstiftung und Beihilfe zugleich zum größten Diebstahl in der Geschichte geleistet.

Dank ZIRP (Nullzinspolitik) und QE (quantitativer Lockerung) werden jedes Jahr um die 300 Milliarden Dollar Vermögen von den verarmenden Sparern der Mittelschicht an die weitaus besser gestellten und situierten Spekulanten, Finanzvermögensbesitzer und die größten Kreditnehmer unserer Zeit – Unternehmen und die Regierung – umverteilt.

Die Finanzpresse erachtet es zumindest in vager Form als einen „heroischen „Akt“, den größten Diebstahl in der Geschichte ermöglicht zu haben. Bloomberg schrieb:

„Federal Reserve Chefin Janet Yellen trotzte einer sowohl innerhalb wie außerhalb der Notenbank größer werdenden Opposition und schob eine Zinserhöhung erneut auf, um der Wirtschaft mehr „Raum“ zum Laufen zu geben.“

Die US-Wirtschaft hinkt in Wahrheit bereits jetzt nur noch vor sich hin. Wie wir letzte Woche hier im Tagebuch klar aufgezeigt haben, ist das nominale BIP-Wachstum bei genauer Messung – angepasst an die wahre Inflation mit dem Flyover CPI von David Stockman – nicht mehr vorhanden. Die Wirtschaft befindet sich bereits jetzt in der Rezession.

Raum zum Laufen zu geben? Es ist bestenfalls das Absichern des Hinkens!

Bloomberg setzt seine hirntote Analyse fort:

„Zwar herrschte Einigkeit darüber, dass eine Zinserhöhung ein Signal der Stärke gewesen wäre, aber Frau Yellen argumentierte, dass es Sinn machte, einen Zinsschritt nach oben jetzt aufzuschieben, da es gerade jetzt klare Signale dafür gebe, dass viele Amerikaner, die entmutigt die Suche nach einem Job aufgegeben haben, ein „Comeback“ wagen und nach Arbeit suchen.

„Der Wirtschaft ein wenig mehr Raum zum Laufen lassen, als wir vorher gedacht hatten“, sagte Yellen auf einer Pressekonferenz in Washington nach dem zweitägigen Treffen der Fed. „Das sind gute Neuigkeiten.“

Voodoo-Gewerk

Wir hörten Frau Yellen genau zu. Sie klang wie eine gut ausgebildete Funktionärin, eine Technokratin. Viel ökonomischer Hokuspokus. Akademische Phrasen. Lateinische Worte und passive Sätze. Sie könnte gut und gern auch einen guten Arzt gespielt haben. Oder vielleicht einen anständigen Metallurgen. In einem ehrlichen Metier wäre sie vielleicht in der Lage gewesen, den Kopf hoch zu halten…

Stattdessen ist die arme Frau dazu verdammt, ihr Voodoo-Gewerk auszuüben, und so zu tun, als ob es auf einer Wissenschaft basiere. Und gleichzeitig muss sie vortäuschen, damit die Wirtschaft wirklich zu verbessern.

Wirklich schade um den Ökonomen, der keinen Sinn für Humor hat….

Sein Kopf muss schmerzen, wenn er Frau Yellen reden hört. Sein Herz muss zerbrechen, wenn er seine Profession durch einen der prominentesten Praktiker ins Lächerliche gezogen sieht. Seine Schwermut muss sich in eine tiefe Depression vertiefen, wenn er sieht, wie die größte Volkswirtschaft der Welt von Einfaltspinseln und Halunken manipuliert wird.

Schlimmer noch, wenn er nach jeglicher Form von Karriere, Ruhm und Vermögen strebt, ist er gezwungen, sich an dieser Manipulation zu beteiligen!!!
Die Deflation wird nicht für die Ewigkeit sein...(von Bill Bonner)
Der größte Diebstahl der Geschichte (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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