Die da oben…

26. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Götter und Dämonen scheinen an Prüfungen für uns Erdmenschen großen Spaß zu haben, besonders aber an ihrem Zynismus. Erst verwirren sie die Leute, zünden Krisenfeuer an und legen ihnen dann seltsame Worte wie „Rettung“ und „alternativlos“ in den Mund und erfreuen sich dann an diesem Spektakel…

Mammon ist der Schlimmste von allen. Borgt! ruft er, lasst es Euch gut gehen und zieht ihnen später den Teppich unter den Füßen weg, wogegen sich seine Schafe natürlich wehren. Der Rest steht in Zeitungen.

Moment! Mammon ist noch nicht fertig, gerade wo die Sonne am höchsten steht – fast so hoch wie die Schuldenberge der Welt. Gerüchten zufolge liegt Mammon lachend unterm Tisch, als er hörte, dass Griechenland es schaffen wird, die Schulden zu begleichen. Die Experten taxieren dafür das Jahr 2147 – wenn nichts dazwischen kommt. Erst noch müssen die Schulden aus dem privaten Sektor in die öffentliche Hand wandern. Dann wird der Schnitt passieren. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Das hat sich die Politik ausgedacht – nicht Mammon. Gedulden Sie sich bis nach den Wahlen in Frankreich und Deutschland.

Wie? Sie können das Thema „Griechenland“ nicht mehr hören? Gut so! Dann dürfte der Steuerzahler die später präsentierte Rechnung als Entlastung bejubeln so wie die geplante Steuersenkung. Heute ist vieles eine Sache der Begrifflichkeit. So wie Glühbirnen heute Leuchtmittel sind und Rezessionen ein Minus-Wachstum, so heißt Konkursverschleppung jetzt Rettung. Je mehr Spaß die da oben haben, desto mehr hört der hier unten auf.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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14 Kommentare auf "Die da oben…"

  1. JayJay sagt:

    Genau so schauts aus, wenn die ganzen Schrottanleihen bei der öffentlichen Hand liegen, wird uns der Schuldenschnit als alternativlos verkauft. Mit dem dummen, kleinen Steuerzahler kann man es ja machen, solange er immer ein kleines Zuckli hingeworfen bekommt.

    Hoch lebe der Sozialismus, für das Großkapital.

    Gold & Silber Ahoi

  2. Raffael sagt:

    Kommentar und Benutzer gelöscht

  3. Stuelpner sagt:

    Manche wollen sich den Spaß mit dem Mammon, aber nicht freiwillig antun.
    Bestens Beispiel solcher Spielverderber: Ägypten
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770556,00.html
    Vorallem die Begründung klingt derzeit sehr demokratisch:
    „Die Regierung reagierte jetzt auf das Rumoren in der Bevölkerung – und verzichtete auf Darlehen von Weltbank und IWF.“

    Und nun noch ein kleines Liedchen zu dem ganzen lustigen Spiel:
    http://www.becklog.zeitgeist-online.de/2011/06/23/eurofischer-der-song-zur-europleite/
    (die akustische Version ist etwas gewöhnungsbedürftig)

  4. holger sagt:

    Also ich würde vorschlagen, warten wir mal ab, was der Wen aus China so verkündet. Ungarn hat er ja nun schon Liquide gemacht. Er ist ja einer von „da oben“. Und was in den Köpfen vorgeht, wer weiß es. Ich nehme aber stark an, dass was er sagt, er auch ernst meint. Wenn der Wen sagt, er lässt Europa nicht fallen, dann glaub ich ihm ehr, als allen anderen zusammen.

    —>>>Die Experten taxieren dafür das Jahr 2147 – wenn nichts dazwischen kommt.“

    Hach Frank… schön geschrieben. Aber wer weiß schon, wann was ist. Irgendwie ist alles komisch geworden. Ich hab mal überlegt… ja ich weiß, kommt nicht oft vor. Ich bin echt auch außerhalb (146) zur Erkenntnis gekommen, sind wir nicht eigentlich Zeitzeugen, von immensen Umwandlungen? Hmmm? Ich bin so emotional hin und her gerissen, da weiß man manchmal nicht wo der Kopf ist. Ich glaub, ich werde den Rechner jetze mal abstellen, am 5.7. den 18 Geburtstag von meinem Sohnemann feiern und danach ihn wieder anstellen. Mal schauen was in der Zeit passiert ist. 😀

    • Frank Meyer sagt:

      Richtig! Mit dem 6.7. biegen wir uns die Welt, wie sie uns gefällt. Sonst müssen wir wohl auf China hoffen, die in den Bankbüchern auch alles andere haben als die Verdauung anregenden Magenbitter. 🙂 Das soll da gar nicht gut aussehen…

  5. Andre sagt:

    Toller Artikel da braucht man nichts mehr hinzuzufügen – außer vielleicht dies hier!

    http://blog.handelsblatt.com/global-reporting/2011/06/24/griechisches-gold/

  6. Hal 9000 sagt:

    …und es paßt wieder mal wieder wie die Faust aufs Auge:

    „Die Geschichte staatlichen Umgangs mit Geld ist, mit Ausnahme einiger kurzer glücklicher Perioden, eine Geschichte von unablässigem Lug und Trug. “
    Friedrich August von Hayek (gerade erst wieder bei einem Kumpel imaktuellen „Smartinvestor“ auf S. 49 als „Werbung“ gelesen.)

  7. Andre sagt:

    @ Hal 9000
    „Die Geschichte staatlichen Umgangs mit Geld ist, mit Ausnahme einiger kurzer glücklicher Perioden, eine Geschichte von unablässigem Lug und Trug. “
    Vielleicht ist dies das einzig ehrliche „Alternativlose“.

  8. rolandus sagt:

    Die da oben sitzen ja an der Spitze, wenn dann aber die da unten also in der Breite nicht mehr wollen wie im Schlussatz ja was passiert dann mit dieser Pyramide (aus Illusion statt aus Stein)?

    @Frank wieso wird am 6.7 die Welt gebogen wie sie uns gefällt, gibs da einen Zusammenhang zum Geburtstag?

    Schön Gruß ins Ried
    rolandus

  9. wolfswurt sagt:

    Der Spaß hört „unten“ auf?

    Für meinen Teil habe ich „unten“ sehr viel Spaß.
    Betrachte ich „oben“, und das nicht nur heute sondern in der Historie, so verschmelzen unten und oben zu einer Ebene auf der mehr oder weniger Ver-rückte versuchen den Qualen die uns die Götter auferlegt haben zu entkommen.

    Hat man dies erst mal begriffen kann man sich an den Verrücktheiten so richtig schön erfreuen…

  10. Karl Napp sagt:

    Immer wieder lustig, wie der Normalbürger über den Verschuldungsgrad des Staates getäuscht wird. Beliebtester Trick: Verschuldung in % des BIP. Die Konsequenz, dass das BIP nur deshalb als Maßstab taugt, weil es auch die Messlatte für die max. Steuerlast, die man dem Bürger auf’s Auge drücken kann, lässt man besser weg. Die Folgen der zunehmenden Verschuldung in % des BIP? Man schlägt vor, die Steuern zu senken, jedenfalls hier in D.

    Eine neue Variante las ich am Wochenende in einer Schweizer Zeitung. Zwei Ökonomen hätten herausgefunden, dass eine europäische Transferunion die Deutschen „nur“ 75 Milliarden EURO kosten würde und das sei ja nur weniger als 1% des europäischen BIP und dehalb zu vernachlässigen.

    Vielleicht sollte man einmal die Verschuldung, im Sinne von Zinsdienst und Aufnahme neuer Kredite in Relation zu den Einnahmen setzen. Dann wird das ganze Schlammassel deutlicher.

    Macht auch nix? Ach ja, O-Ton Steinbrück: „Staatsschulden werden nicht zurückgeführt. Man muss nur sicherstellen, dass die Zinsen gezahlt werden.“ Na dann man fleissig weiter die Zinsen runter manipulieren!

    Zum Schluss: Chapeau den Autoren dieses Blogs! Hinterher wird die Politik trotzdem wieder sagen: Diese Entwicklung konnte nun wirklich niemand vorhersehen. Hinterher ist man immer schlauer … etc.

  11. Karl Napp sagt:

    Nachtrag zu Griechenland:

    Wie viel Geld haben die eigentlich aus dem Kohäsionsfonds der EU und an Agrarsubventionen (nicht rückzahlbar) seit Beitritt zur EU bekommen? Wo ist das Geld geblieben bzw. was haben die Subventionen bewirkt?

  12. Stuelpner sagt:

    Wie ist es mit der E-Petition, ist doch wie Demo ohne Straße oder einfach nur fürn Ar… !?
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123
    Sonst wäre es vielleicht auch eine Möglichkeit „Die da oben“ mal etwas in die richtige Richtung zu schuppsen.
    Sie können dann nicht sagen, die getürkten Umfragen und Statistiken würden Volkesmeinung wiedergeben, wenn genug Mitzeichnen.

  13. freiestimme sagt:

    Hallo, der Berliner-)

    Die Kolume von dir Frank-) sollten die dämlichen, systemkonformen Kommentare von Tageschau ersetzen. Wie heute erst wieder festgestellt. Gestern bei Anne Will, war nett mit an zusehn, wie Herr Fricke von der FDP in der Defensive war und sich aus der Verantwortung stehlen wollte, hat von Dirk Müller gut Contra bekommen.
    Leider verstehen die meisten Leute in D immer noch nicht, dass es um ihre Existenzen und ihre wirkliche Freiheit geht, wenn es so wäre, dann wäre „Stuttgart 21 ein Kindergeburtstag“ wie so schön D. Müller sagte.
    Staat Dessen werden Nebelkerzen wie Steuersenkung und Bespaßung der Massen durch die Frauen WM vorgeführt. Ein einziges Theater, genug Stoff für eine Inszenierung. Aber das Teaterstück, dass traurige, findet bereits in Griechenland staat. Auch der Deutsche wird irgendwann an der Reihe sein. Das Drehbuch wird sicher schon geschrieben an der Wallstreet, vermute ich mal.
    Ich verbleibe und grüße alle.
    Der Berliner

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