Knallschoten-Rhetorik verhindert europäische Urlaubspläne

31. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Es wird Zeit, den Sommer zu planen, Reisen zu organisieren und sich zu überlegen, wohin der Urlaub gehen soll. Das war früher einfach, trotz unterschiedlicher Währungen. Heute aber, nach zehn Jahren mit einer gemeinsamen Währung ist das inzwischen mit einigen „Unsicherheitsfaktoren“ verbunden. In welchem Land ist man als Deutscher überhaupt noch willkommen?

Bei Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Eine gewisse „Knallschoten-Rhetorik“ in Europa ist inzwischen unüberhörbar. Bei meinen Schweizer Freunden habe ich mich damals für die Ausfälle unseres Finanzministers entschuldigt, der die Kavallerie zu diesem kleinen Bergvolk zu entsenden gedachte, wegen Schwarzgeld. Seitdem habe ich mich dort nicht mehr blicken lassen. Überhaupt bleibe ich in letzter Zeit viel zu Hause. Von dort sendde ich meinen europäischen Freunden „Enschuldigungs-Mails“ und nutze oft die Übersetzungsmaschinen im Internet. In Sachen Griechenland kommt es da zu kleinen Problem, denn die Tools verweigern machmal die Annahme deutscher Worte. Zufall?

Oder das hier… Auf einem Vortrag in Liechtenstein vor einem Jahr wollte ich ursprünglich mit einer Rex Gildo-Maske auftreten. Das erschien mir zwar etwas unpassend, aber auch etwas ungefährlicher als mit meinem echten Namen zu referieren, der Rückschlüsse auf meine Abstammung hat zulassen können. Ich sagte dann, ich käme aus der DDR. Das Mitleid war auf meiner Seite. Glück gehabt!

Trotzdem blieb das schlechte Gewissen, Pardon, das Fremd-Schämen für ungebührliches Benehmen einiger deutscher Politiker. Sie sagen viel und beginnen dann im glücklichste Fall mit dem Nachdenken. Was halten Sie hiervon?

„Wir brauchen bei der Umsetzung des Reformkurses mehr Führung und Überwachung. Wenn dies den Griechen nicht selbst gelingt, müssen Führung und Überwachung stärker von außen kommen, zum Beispiel durch die EU.“ (Philipp Rösler, FDP gegenüber der BILD-Zeitung)

Seitdem ist die Auswahl der Länder, in die ich gerne reisen würde, zwar gleich geblieben, unter praktischen Aspekten aber etwas übersichtlicher geworden.

Wie wäre es mit Griechenland?

Ich wollte schon immer mal das Land der leckeren REWE-Oliven besuchen, wo einst die Wiege der Demokratie stand. Wie oft hat man sich hierzulande über Hellas Bewohner lustig gemacht, ereifert, und behauptet, sie „griechen“ den Hals nicht voll. Es hat der Freundschaft zwischen beiden Ländern Schaden zugefügt.

Meine Pläne diesbezüglich habe ich am Wochenende begraben, als zu lesen war, dass Berlin die Umwandlung des Landes in ein Finanzprotektorat der Eurogruppe plant. Zu gefährlich, sagte ich, und sprach mir gegenüber eine Reisewarnung aus. Wenn erst einmal der „EU-Sparkommissar“ seinen Dienst begonnen hat, werde ich meine Entscheidung kaum bereuen.

Leute mit seltsamen Ideen und dem Ruf nach einem Spar-Sheriff bestimmen die Schlagzeilen. Greife ich in die Finanzgeschicke meiner Nachbarn ein? Nicht dass ich wüsste… Ich halte aber die Schatulle geschlossen und weigere mich standhaft, die Spendierhosen anzuziehen, ihnen Geld zu geben und dafür Forderungen zu stellen. Sollen sie doch pleite gehen und ohne Schulden neu anfangen. Ich helfe ihnen gerne, ganz unter Freunden. Treffen wird es die Banken. Was soll`s?

Der Grieche versteht unter „Als Gast bei Freunden“ heute etwas anderes als früher. Nein, auf das Ausbaden der Differenzen zwischen Frau Merkel und dem griechischen Volk verspüre ich wenig Lust. Griechenland fällt als Urlaubsziel leider aus… (… und Portugal? —>Seite 2)


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13 Kommentare auf "Knallschoten-Rhetorik verhindert europäische Urlaubspläne"

  1. wolfswurt sagt:

    Na na na, wer wird denn gleich so pessemistisch werden?

    Als ehemaliger Bürger des freien RGW-Raumes müßte man doch um die Alternativen wissen.

    Bulgarien zum Beispiel!
    Forderte doch jüngst der bulgarische Präsident eine deutsche Führungsrolle in Europa.

    Deutsche willkommen in Bulgarien könnte für die nächste Zeit der Slogan von TUI heißen.

    Und als ehemaliger kennt man noch die Gewohnheiten und Gepflogenheiten der schönen Schwarzmeerküste.

    Nur die Sicherheit der Touristen hat gegenüber früher etwas nachgelassen…

  2. Reiner Vogels sagt:

    Es kann Entwarnung gegeben werden. Die Euro-Schuldenkrise ist vorüber. Frau Merkel hat gestern eine wahre Meisterleistung vollbracht und alle Probleme gelöst. Man kann aus Deutscher wieder in jedem Land Urlaub machen.

    Es wird keinen Sparkommissar für Griechenland geben. Man braucht im neuen Europa von ESM und 3-Jahres-Tendern nämlich gar keinen Sparkommissar. Sparen war gestern. Heute wird monetarisiert. Die Schulden werden mit der Druckerpresse egalisiert. Wie man hört, soll der neue 3-Jahres-Tender aus dem Füllhorn der Glücksfee in Frankfurt, das demnächst über den Banken ausgeschüttet werden soll, wenigstens doppelt so groß sein wie das verspätete Nikolausgeschenk im Dezember. Es wäre doch gelacht, wenn nicht auch Griechenland, Spanien und Portugal so viel davon abbekämen, dass die Schuldenlast erleichtert wird.

    Und machen Sie sich bitte keine Sorgen wegen der Geldentwertung! Davon reden nur die professionellen Miesmacher. Dass die Benzinpreise und die Lebensmittelpreise immer weiter steigen, hat nichts mir der Gelddruckerei zu tun. Das liegt einfach an den steigenden Rohstoffpreisen. Und die Rohstoffpreise gehen durch die Decke wegen der bösen Spekulanten an den Rohstoffbörsen. Mit Misstrauen gegenüber dem Papiergeld hat das überhaupt nichts zu tun. Frau Merkel hat doch gestern auf wunderbare für neues Vertrauen gesorgt. Sie ist eine wahre Zauberkünstlerin.

  3. Johannes sagt:

    Tut mir leid Frank, aber da muss ich wieder ein paar Einwände los werden.;)

    Ich finde, Steinbrück hatte durchaus recht mit seiner Kritik an der Schweiz, auch an Österreich, Lichtenstein und Konsorten. Diese Länder sind ein Hort des Schwarzgeldes und profitieren dadurch auf Kosten anderer. Wie viele hunderte Milliarden alleine der Griechen sollen dort schlummern? Sorry, da bin ich eindeutig auf Steinbrücks Seite, da können sich die Schweizer und Konsorten aufregen, wie sie wollen.

    Ich könnte mir auch durchaus einen EU- Sparkommissar vorstellen. Ich muss mich nur mal in meinem eigenen Land (Österreich) umsehen. Wie sollen da Reformen zustande kommen, wenn die Parteiinteressen immer dagegen stehen?

    Da könnte ein EU- Sparkommissar schon was bewirken, einer der ohne Tabus an die Sache ran geht.

    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es dem „einfachen“ Griechen gar nicht mal so stören würde, wenn diese Politikerkaste, und wenn nur zeitlich begrenzt, entsorgt wäre.

    Übrigens, mein Urlaubsziel ist wieder mein Koch- Gott in Kroatien und kann es schon kaum mehr erwarten. *freu*

    Und in Österreich bist immer willkommen, Frank 🙂

    • Frank Meyer sagt:

      Noch, lieber Johannes… 🙂

    • stonefights sagt:

      Ja, ja, Johannes, wenn ich Österreicher wäre, ja, ja vielleicht würde ich den EU-Sparer auch lieb haben 🙂

      „Spar in

      Deutschland wurde 2005 durch die Edeka-Genossenschaft übernommen.

      Danach wurden alle größeren Spar-Märkte in Edeka-Filialen umgewandelt. Einige kleinere Spar-Märkte behielten ihren Namen oder operieren unter der Vertriebslinie nah&gut. Neueröffnungen erfolgen unter dem Namen und Konzept von Spar Express.

      Spar Österreich wurde nach Vorbild des holländischen Spar-Systems 1954 in Österreich gegründet. 1970 erfolgte der Zusammenschluss aller damaligen zehn Großhandelsfirmen zur Spar Österreichische Warenhandels-AG. Spar

      Österreich ist nach wie vor eigenständig

      und die größte Spar-Gesellschaft der Welt.“

      Warum singt aufeinmal dieser Falco in meinem Grosshirnrinde

      „…Drah di net um oh oh oh
      schau schau der Komissar geht um oh oh oh
      er wird di anschaun und du weißt warum
      die Lebenslust bring di um
      alles klar Herr Komissar
      …“

      Ich stell jetzt sofort den griechischen Rotwein weg 🙂

      lg, stonefights

    • Frank Meyer sagt:

      Ach, der Steinbrück, unsere zukünftiger Kanzler.
      Ich erinnere mich noch an eine Roadshow mit ihm, wo die Vorzüge der Verbriefungen von Krediten aufzeiegt worden sind.
      Findet man auch im Netz.
      Aber der Ton gehört sich so wenig wie Eingriffe in die inneren Angelegenheiten.
      Aber jetzt ist ja bald alles gläsern…

      • Johannes sagt:

        „Ach, der Steinbrück, unser zukünftiger Kanzler.“

        Keine Ahnung, kenne die Stimmung diesbezüglich in Deutschland nicht. So als Aussenstehender würde ich schon meinen, dass ihr Deutschen mit der Merkel ganz zufrieden seit.

        „Ich erinnere mich noch an eine Roadshow mit ihm, wo die Vorzüge der Verbriefungen von Krediten aufzeiegt worden sind.“

        Da muss ich als Aussenstehender wieder passen, aber ich gestehe jedem zu, zu lernen. 😉

        „Aber der Ton gehört sich so wenig wie Eingriffe in die inneren Angelegenheiten.“

        Stimmt schon, dass der Ton ebenso wichtig ist, wie der Inhalt. Nur ich von meiner Seite habe das ewige NLP- Gequatsche der Politiker aber schon so was von satt. Viel reden und nichts sagen, nur ja keine Angriffsfläche bieten, möglichst niemanden verärgern, Standardfloskeln absondern, auf Fragen ausweichend antworten……, aber wem erzähle ich das. *fg*

        Da war ein Steinbrück erfrischend anders.

        Bezüglich der Eingriffe in innere Angelegenheiten möchte ich nur irgendwie betonen, dass das schon mit dem Beitritt zu EU passiert ist. Weit über 50% der maßgeblichen Gesetze werden in Brüssel beschlossen- kein Eingriff?

        Welche inneren Möglichkeiten hat denn ein Griechenland noch? Welche Entscheidungen können noch wirklich eigenständig von den Griechen getroffen werden? Der Bankrott?

        Eine Volksabstimmung in Griechenland wäre wirklich interessant! Wie die Griechen zu einem Sparkommissar aus der EU stehen würden, der ohne Tabus Reformen einleiten würden. Dazu wird es aber leider sowieso nicht kommen

        „Aber jetzt ist ja bald alles gläsern…“

        Nicht nur bald, ist es schon.

  4. […] Rott & Meyer: Knallschoten-Rhetorik verhindert europäische Urlaubspläne […]

  5. crunchy sagt:

    Diesen Sommer verbringe ich an der dänischen Nordseeküste:
    Den Kopf frei Richtung Sonnenuntergang blickend, kann man sich super entspannen. Und sollte es mal Regnen, geht man in einen Kro, da trösten einen die Dänen gerne, denn sie haben was, was wir aufgeben mussten: ihre Währung. Entpannung ist schon alleine dann angesagt, wenn man beim Einkauf in den Geldbeutel blickt: Kein Euro drin!
    Nun, Dänemark ist teuer, wird mancher einwenden, was da schon das Bier kostet! Wetten, dass man da gar nicht soviel trinken muss, wie zu Hause? Andererseits: Was nix kost, is nix. Wir kriegen zu Hause ja alles geschenkt: Garantiert! Schöne Ferien allerseits!

    • Frank Meyer sagt:

      Ich werde mich in Kürze mal wieder auf Mallorca umschauen, wenn man mich dothin überhaupt noch lässt. Mallorca wie es sinkt und kracht… Fortsetzung folgt.

      • crunchy sagt:

        Lass´ es sein: Malle ist out. Investierst Du da, wird´s Dir geklaut!
        Die Francos wurden immer nur als Bauern reich: Mit Silber und Gold über´m grossen Teich, später, auf eig´nem Land bauten sie Hoteles Wand an Wand. Auf dem Rest der Welt, hat man sie jetzt an selbige gestellt.
        Warum fahren die Asiaten gerne in die deutschen (bundes)Staaten?
        Da gibt´s Vielfalt für´s Auge, für´s Ohr, für den Geist und auch für die Seele, die sich gern mit Hunger und Lust quäle. Nun, Du bist noch jung: schau Dich auf der Welt mal um! Frag´ mal einen Führer aus einem mehrtausendjährigen Reich: Was macht arm, wann bist Du reich?
        Frag´ doch einmal den Chinesen! Ich hoffe, ich bin Dir hilfreich gewesen. Nun, er wird Dir sagen: Hast Du Silber?: Keine Fragen!

  6. beccon sagt:

    Sachse zu sein hatte schon zu DDR Zeiten so manchen Vorteil: Wir konnten ungestraft sagen „Dor Sozialismus siescht“. Kommt alles wieder „Dor Euro siescht“ 🙂

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