Die Briten sind draußen und Draghis EZB steht über dem Gesetz

24. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Claus Vogt

Bevor ich gleich zum eigentlichen Thema dieses Marktkommentars komme, möchte ich mit wenigen Sätzen auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union eingehen. Im Vorfeld der britischen Volksabstimmung hat sich fast das gesamte politische Establishment zu Wort gemeldet, um das Abstimmungsergebnis in seinem Sinne zu beeinflussen. Dabei wurden abstruse Untergangsängste für den Fall des Austritts geschürt – und von den deutschen Massenmedien flächendeckend weiterverbreitet, als wären die Journalisten einer Gehirnwäsche unterzogen worden.

Ich finde diese Strategie sehr befremdlich. Aber die Menschen werden sich an sie erinnern. Und wenn der prophezeite Untergang Großbritanniens jetzt doch nicht stattfinden sollte, wovon ich überzeugt bin, dann haben die Eliten ein zusätzliches Glaubwürdigkeitsproblem mit großer politischer Sprengkraft.

Ich will hier nicht behaupten, die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU zu kennen. Dazu ist die Welt der Wirtschaft einfach zu komplex und die Kreativität von Unternehmern viel zu hoch. Soviel wissen wir allerdings: Wohlstand wird von Unternehmern geschaffen und nicht vom Staat und seinen Zentralbanken. Politiker, Bürokraten und Zentralbanker schaffen keinen Wohlstand, sie verteilen ihn nur um.

Über diesen grundlegenden Zusammenhang sollten Sie sich bei allen politischen Diskussionen stets bewusst sein. Aus ordnungspolitischer Sicht ist die Sachlage also eindeutig: Mehr Marktwirtschaft, also weniger Planwirtschaft, weniger Staat und weniger Bürokratie sind der Weg zu mehr Wohlstand. Da der Austritt Großbritanniens aus der EU zu mehr Marktwirtschaft in Großbritannien führt, wird das Land von dieser Entscheidung profitieren.

Historisch gesehen haben es die Briten stets geschafft, auf der Gewinnerseite zu stehen. Dass sie jetzt die EU verlassen, ist ein richtungsweisendes Signal.

Wie nicht anders zu erwarten, haben die Richter des Bundesverfassungsgerichts die Anleihenkaufprogramme der EZB als rechtens erklärt. Die Details dieses Urteils kennen Sie bereits aus den Massenmedien, weshalb ich sie hier nicht wiederholen muss.

Bei diesem Urteil haben die Verfassungsrichter im Vergleich zu ihrem Vorlagebeschluss des Jahres 2014 eine geradezu peinliche Kehrtwende vollzogen und sich fast vollständig der Sichtweise des Europäischen Gerichtshofs angeschlossen. Dass die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs nicht objektiv sein kann, sondern stets im Sinne von mehr Machtbefugnissen für EU-Institutionen ausfällt, kann niemanden verwundern. Oder erwarten Sie etwa von, sagen wir, einem passionierten Freier, dass er sich für eine Einschränkung der Prostitution stark macht? Wohl kaum.

Etwas Gutes hat aber sogar dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Jetzt wissen Sie definitiv, was Sie von zeitgenössischen deutschen Verfassungsrichtern erwarten dürfen. Diese lauwarmen Juristen werden sich wohl nie gegen den erklärten Willen der Machthaber stellen.

Damit ist die vielleicht letzte Chance auf eine „rechts- und regelgebundene Europäische Wirtschafts- und Währungsunion“ vertan, wie es die FAZ in einem Editorial ausgedrückt hat.

Aber was bleibt, wenn die EU nicht rechts- und regelgebunden ist? Ein über Recht und Gesetz stehender Machtkoloss, der nach Gutdünken schalten und walten kann. Wohin diese Weichenstellung führt, können Sie in jedem Geschichtsbuch nachlesen: Es ist der Weg in die Knechtschaft. Seien Sie also auf der Hut – und kaufen Sie Gold zu Ihrem Schutz.

Nachdem nun also klar ist, dass Draghi und Konsorten auch vom Bundesverfassungsgericht nicht mehr zurückgepfiffen werden und die Europäische Draghödie weiter ihren Lauf nehmen wird, sollten Sie sich unbedingt mit der Geschichte der Geldentwertung vertraut machen. Denn diese Geschichte zeigt, wie gefährlich das exzessive Spiel mit der Gelddruckmaschine ist.

Der renommierte Schweizer Professor Peter Bernholz hat im Jahr 2003 ein sehr wichtiges wirtschaftshistorisches Buch (Titel: „Monetary Regimes and Inflation“) zum Thema Geldentwertung vorgelegt, das ich Ihnen an dieser Stelle schon mehrfach ans Herz gelegt habe. Darin kommt er zu folgenden, auch für Sie sehr wichtigen Ergebnissen:

„Das politische System tendiert dazu, Inflation zu favorisieren. Alle großen Inflationen wurden von Königen oder Regierungen verursacht.“

„Hyperinflationen sind immer verursacht durch Defizite des Staatshaushalts, die überwiegend durch Geldschöpfung finanziert werden.“

„Notwendige Bedingungen zur Vermeidung von Inflation sind Währungssysteme, die den Herrschern, Politikern und Regierungen die Hände binden.“

Eindeutiger können die Ergebnisse einer wirtschaftshistorischen Betrachtung nicht ausfallen. Und klarer kann auf das sehr hohe Risiko einer kommenden (Hyper)-Inflation nicht hingewiesen werden. Denn die als „Quantitative Easing“ oder „Outright Monetary Transactions“ absichtlich mit unverständlichen Namen versehenen Anleihenkäufe der Zentralbanken sind nun einmal nichts anderes als Defizite des Staatshaushalts, die überwiegend durch Geldschöpfung finanziert werden.

Die Verfassungsrichter hatten die Chance, der EZB ein paar Bedingungen zur Vermeidung von Inflation zu diktieren. Diese Chance haben sie kläglich vergeben und sich stattdessen zu Komplizen verantwortungslos agierender Gelddrucker gemacht.

Bei den noch deutlich maroderen EU-Mitgliedsstaaten ist die Lage natürlich noch prekärer. Wer diesen nächsten großen Anstieg der Staatsverschuldung finanzieren wird, ist Ihnen hoffentlich klar: Mario Draghi und seine Gang der Wohlfahrtszerstörer.

Eine weitere bedeutende Lehre der Finanzgeschichte lautet: Gold ist der beste Schutz vor Geldentwertung. Dass im Dezember vorigen Jahres eine neue Goldhausse begonnen hat, dürfte wohl kein Zufall sein, sondern eine marktwirtschaftliche Reaktion auf die geldpolitische Scharlatanerie der vergangenen und kommenden Jahre. Der Kaiser ist nackt, und immer mehr Menschen erkennen seine Blöße.

Da Sie den geldpolitischen Irrsinn nicht stoppen können, sollten Sie sich wenigstens vor seinen absehbaren Folgen schützen: Kaufen Sie Gold, um Ihr Vermögen zu erhalten, und ausgewählte Goldminenaktien, um es zusätzlich zu mehren.

© Claus Vogt – Krisensicher Investieren

P.S.: Die Briten haben uns in puncto Demokratie wieder einmal eine Lehrstunde erteilt: Im Unterschied zu uns Deutschen darf die britische Bevölkerung selbstverständlich über wichtige politische Weichenstellungen ihres Landes abstimmen.

 

Ein Kommentar auf "Die Briten sind draußen und Draghis EZB steht über dem Gesetz"

  1. Argonautiker sagt:

    „Etwas Gutes hat aber sogar dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Jetzt wissen Sie definitiv, was Sie von zeitgenössischen deutschen Verfassungsrichtern erwarten dürfen. Diese lauwarmen Juristen werden sich wohl nie gegen den erklärten Willen der Machthaber stellen.“

    So ist es.

    Leider sind unsere Verfassungsrichter Weisungsgebunden. Das heißt sie müssen der Politik folgen, sonst werden sie einfach durch den Justizminister entlassen. Leider ist es auch bei der Justiz nicht anders, es wird zwar gesagt, daß wir unabhängige Gerichte haben, aber defacto sind sie es nicht. Ähnlich wie man uns vorgaukelt eine Demokratie zu haben, mehr Volksentscheide jedoch ablehnt. Alles Mogelpackungen.

    Gold und Silber ist sicherlich besser als so vieles Andere, aber man sollte nicht glauben, daß es noch nie Edelmetallverbote gegeben hätte. Man muß den Tatsachen einfach ins Auge sehen, unsere Regierungen sind höchst kriminell geworden, und werden es von Tag zu Tag mehr. Um ihre, und die Positionen weniger Eliten zu retten, könnten die auch legitimieren vor ihrer Tür zu stehen, und alles zu beschlagnahmen was nicht Niet und Nagel fest ist. Denn wenn die etwas legitimieren, dann ist das plötzlich Gesetz. So es der bewaffnete Teil der Bevölkerung dann umsetzt. Die Nationale Sicherheit geht doch vor alles, auch vor ihr Leben. Wenn es hart auf hart kommt, dann mußte man sie einfach erschießen und ihr Gold nehmen, weil sonst die Nationale Sicherheit gefährdet gewesen wäre. Amen.

    Man hat einfach viel zu wenig zwischen wirklichen Gesetzen und Regeln unterschieden, sodaß Menschen in Positionen zu Gesetzesfähigen Göttern konstruiert wurden, sodaß nun Beides vermischt wurde, sodaß Regeln, die eigentlich nicht aus sich selbst existieren, mittlerweile den Rang von Gesetzen erhalten haben. Menschen sind jedoch einfach nicht in der Lage Gesetze zu machen, denn Gesetze bestehen wirklich aus sich, und machen vor nichts und Niemandem halt, und zwar ohne das da eine Politesse, ein Richter oder die SS nachhilft.

    Man hat die Regelungen deshalb in den Rang von Gesetzen erhoben, um die Folgen der wirklichen Gesetze entgehen zu können, denn eigentlich hätte Lehmanbrother die totale Pleite von Staaten und Banken gebracht. Das durfte nicht sein, und seit dem wird eine Regel nach der Anderen erzeugt, und der Totalbankrott von Staat und Finanzwelt wird auf die Völker sozialisiert, und deren Gewinne werden privatisiert. Da läßt sich sicherlich keiner von Leuten aufhalten die in Gold investieren.

    Man sagt uns, daß dies so sein müsse, weil sonst alles zusammenbräche. Das wird es, so oder so. Fakt ist jedoch, daß die Eliten diese Zeit nutzen, und indem sie ihre Schuld am Desaster auf die Völker abwälzen, werden sie diese durch die so entstehende Verknappung in einen Krieg gegeneinander manipulieren, der sie so verwirren und zerstören wird, daß sie sich danach nicht mehr erinnern werden, wer die wahren Urheber waren. Und so gedenken die wahren Urheber, nach dem Zusammenbruch wieder einen guten Start zu haben.

    Europa ist so was von faschistisch, da kommt noch nicht mal das 3.Reich mit.
    Sie dürfen noch nicht mal mehr entscheiden wieviel Watt ihr Staubsauger hat, oder ob sie ein Feuer in ihrem Garten machen, ohne eine Sondergenehmigung zu haben, oder, oder, oder. Es ist so faschistisch, daß NPD’ler AfD’ler oder der Kukluksklan plötzlich wieder harmlos erscheinen, gegen Die, die in Amt und Würde sind, und Zulauf bekommen.

    Es kommt nicht von ungefähr, daß die Welt wieder extremer wird. Aber die Politik weiß sich zu helfen, das ist halt der Mob, das Pack. Auf die Idee, daß dies die Auswirkungen ihrer Regierung ist, kommen sie nicht. Ist ja nur die Regierung, daß die was mit dem Zustand im Land zu tun haben,…, undenkbar.

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