Die Börsenparty auf den Kopf gestellt

29. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Börsenparty geht weiter, wenn auch mit einem negativen Vorzeichen. Party ist eben Party! Selbst die nur gefühlt gezahlten Dividenden wirken wie Schnaps in der Bowle. Zusätzliche Drogen und Stimulans liefern EZB und Experten. Doch was ist das?

Soweit man weiß, nehmen inzwischen viele Unternehmen Schulden auf, einfach so und weil das nix kostet, um eigene Aktien zurückzukaufen. Das heißt, die Zahl der Aktien des Unternehmens sinkt dann. Der Gewinn pro Aktie (EPS) steigt aber, selbst wenn gar nicht mehr Gewinn ausgewiesen wird. Tolle Wurst! Manche nehmen Schulden auf, um die Dividende zu erhöhen. Ist verrückt, aber heute vielleicht sogar sinnvoll.

Kippt man dann noch etwas Psychologie in die Börsen-Bowle, schäumt sie vor Freude erst recht über. Das Prinzip ist einfach, indem man verbal tief stapelt und dann diese nach unten gedrückten Erwartungen übertrifft. Fertig ist der Boom. Jetzt müsste man sich noch etwas mit Bilanzierung auskennen, was früher mal eine Rechnung aus Soll und Haben war. Das ist inzwischen nicht zufällig so kompliziert geworden, dass das niemand mehr verstehen kann und will. Die Vermessung des Weltalls Milliarden Lichtjahre von uns entfernt ist dagegen ein Kinderspiel. „Wenn`s schee macht?“ sagte neulich ein Börsenhändler. Und das macht es!

Was halten Sie hiervon? Trotz der gefühlten Hausse sinken die Gewinne der Unternehmen (EPS, Earnings per Share) in den USA, und das schon seit einigen Quartalen. J.P. Morgan hat die Zahlen des ersten Quartals ausgewertet. Der Gewinn pro S&P500-Index, also der 500 größten US-Unternehmen, sank demnach um acht Prozent. Hausse ist aber Hausse und die Party gerade richtig gut! Rechnet man zudem die Verluste der Energieunternehmen heraus, sieht es noch viel besser aus. Da gingen die EPS-Gewinne nur um sieben Prozent zurück. Bei weiteren Rückgängen wird man wohl die Musik etwas lauter stellen müssen.

Man darf zudem nicht vergessen, dass die Unternehmen mit geborgtem Geld für nix auch noch gigantische Aktienrückkaufprogramms laufen haben. Das reduziert die Anzahl der Aktien, auf die der Gewinn errechnet wird.

Neulich hieß es, 80 Prozent der Unternehmen aus dem S&P 500 haben in der laufenden Berichtssaison „positiv überrascht“. Klar! Nachdem man vorher die Erwartungen verbal nach unten brachte, ist das dann kein Zauberwerk, zumindest aber wirksam.

Soweit man sehen kann, steht der S&P 500 gerade bei rund 2060 Punkten. Wahrlich ein Schnäppchen! Woher ich das weiß? Ich weiß es gar nicht wirklich, aber das wird immer gesagt. Je öfters das gesagt wird, desto mehr bin ich geneigt, das auch zu glauben.

Der Gewinn pro S&P-Index sank im ersten Quartal 2016 von 29,10 Dollar auf 26,50 Dollar. Daraus errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 20. Spottbillig! Er könnte sich doch glatt verdoppelt, wenn man die Bewertung der zinspolitisch manipulierten Anleihen zu Rate nimmt… (Oder zum Raten nimmt?)

Wie sieht es in Europa aus? Der Stoxx-600 umfasst die 600 wichtigsten Unternehmen. 57 Prozent der Unternehmen haben statistisch gesehen „ positiv überrascht“. Der Gewinn pro Index-Anteil ist dabei nur um 18 Prozent gesunken.

Das liegt jedoch aber an den maroden Bilanzen der einstigen Energie – und Finanzriesen. Da sie ja nur stören, kann man diese schwarzen Löcher aus der Statistik auch einfach entfernen. Und Voilà! Dann stagniert nur der Gewinn pro Index trotz des viel beachteten und noch mehr gefeierten Aufschwungs.

In der Eurozone sieht es noch besser aus. Hier sinken die Unternehmensgewinne pro Eurostoxx-50 nur um sechs Prozent. Ohne die lästigen Energie – und Finanzbuden steigt er sogar um zwei Prozent. Applaus!

J.P. Morgan liefert noch Zahlen für Japan, aber diese Details würde die Anleger nur verunsichern. Ein erwartetes Kamikaze der Bank of Japan sollte am Donnerstag alles retten, aber diese Party wurde verschoben. Aber man könne jederzeit, hieß es. Das ist der einzige Satz, den ich wirklich glaube.

Man könnte ja, wenn man ganz arglistig ist, diese nominale Zahlen in Gramm Gold umrechnen. Da bekommt man nicht viel Gold pro EPS. Entweder, weil das Gold so teuer geworden ist, oder die Gewinne der US-Unternehmen so klein geblieben.

 

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Ein Kommentar auf "Die Börsenparty auf den Kopf gestellt"

  1. FDominicus sagt:

    Man kann es drehen wir man will. Aktien verbriefen immer noch Rechte während es unser Zahlungsmittel dazu nicht mehr bringt. Es gibt ja anscheinend kein „Recht“ auf Bargeld, weil die Bestrebungen ja sind es abzuschaffen. Somit landet das Geld bei einer Bank, die dann sicherlich nicht zögern wird Strafzinsen gerne einzubeziehen.

    Sie kämen mit Gold „drum“ herum aber Sie wissen ja selber den Schm…. hat keiner mehr lieb….

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