Die Bazooka – Theorie und Praxis

9. August 2012 | Kategorie: Gäste, Kommentare

(von Bill Bonner) Diese Nachricht ist Teil einer Serie. Es begann als Mario Draghi, früher bei Goldman und nun Chef der Europäischen Zentralbank, versprach das zu tun, was immer nötig ist“ um das Euroland zu retten. Ich werfe die Frage auf den Tisch: Was braucht es, um eine richtige Erholung zu schaffen? Erstens, was auch immer nötig ist, Mario Draghi scheint es nicht zu haben. Oder vielleicht hat er es. Die Situation in Europa ist so kompliziert, dass das schwer ist zu sagen….

Nun, Investoren sind an einem Tag ängstlich und am nächsten schon wieder fröhlich. Erst kürzlich dachten sie, alles sei verloren. Dann, einige Tage später, erholten sich die Aktien wieder. Außerdem stieg der Dow zuerst um mehr als 200 Punkte und bekam dann noch mehr Aufschwung.

Was hat Mr. Draghi? Dieser Bericht des Telegraphs, der von Anfang an, an dieser Story dran war, legt nahe, dass Mr. Draghi zumindest etwas hat:

„Mr. Draghi hat sich ein Mandat für unbegrenzte Offenmarktgeschäfte“ gesichert, was weit mehr ist als die halbherzigen Anleihenkäufe der letzten beiden Jahre. Die EZB hat jetzt eine Lizenz dazu, mit überwältigender Kraft zu agieren, wie die US-Zentralbank.

„Überwältigende Kraft“ ist das, was Ben Bernake hat, wovon ich denke, dass es das gleiche ist, wie was immer nötig ist“. Aber ist das genug?

Welche Kraft haben Zentralbanker wirklich? Alles, was sie tun können, ist die Märkte mit mehr Geld und Krediten anzubieten. Und sogar wenn sie alles geben, was sie haben, wird das immer noch nicht ausreichen um eine wirkliche Erholung zu schaffen. Einfach schon aus dem Grund, dass man keine Schuldenkrise mit noch mehr Schulden heilen kann.

Wenn man das könnte, würde keiner einen mit Sparmaßnahmen belästigen.

Haushalte, Regierungen, Unternehmen – konfrontiert mit zu vielen Schulden und zu wenig Geld – werden sich früher oder später aufrichten müssen, Ausgaben reduzieren und ihre Zahlungsausfälle berechnen.

Auf der anderen Seite habe ich noch nie von einem Fälscher gehört, der daran scheiterte, seine Schulden zu bezahlen. Und seit Ben Bernakes Bank die Macht hat Geld zu drucken sind die Investoren geneigt, ihm und den Vereinigten Staaten etwas Spielraum zu geben.

Das liegt daran, dass er hat was immer nötig ist“. Zumindest geben sie ihm mehr Spielraum als, sagen wir mal, Griechenland. Wenn Griechenland in Not gerät, geraten sie in Verzug. So ist es schon viele Male geschehen. Die Hälfte ihrer Geschichte seit der Unabhängigkeit im Jahre 1828 haben sie damit zugebracht im Verzug zu sein.

Aber wenn die Vereinigten Staaten in einer Notlage sind, drucken sie!

Das ist die Big Bazooka Theorie, auf den Punkt gebracht. Und es gibt auch eine Prognose. Liebe Leser, nehmen sie das zu Kenntnis: dies ist keine Formel für eine gesunde Wirtschaft. Auch bringt sie keine Erholung. Das ist nur eine Formel dafür, eine Dose so weit weg zu schießen, dass die meisten Investoren sie nicht mehr sehen können und sich deshalb darüber keine Sorgen machen.

Auch bei Mario Draghi weiß ich es nicht. Vielleicht hat er die Macht unbegrenzte Kraft einzusetzen. Vielleicht aber auch nicht.

Nach der Theorie kann die Bazooka nicht nur groß sein, sie muss unendlich groß sein. Aus dem Grund, dass der einzige Weg den Zahlungsverzug aufzuhalten ist, zu versprechen, dass man eine ganze Menge Geld drucken wird.

Und man muss das ernst meinen. Wenn man nur ein paar Hundert Milliarden druckt, zücken die Spekulanten gleich ihren Taschenrechner.

Wenn sie sehen, dass man ein Bisschen wenig aufbringt, verkaufen sie die Anleihen, aus Angst, dass sie in Verzug kommen.

Dann kaufen sie andere Spekulanten zu niedrigen Preisen, die darauf wetten, dass mehr gedruckt wird, was immer es kostet.

Dann, wenn man mehr druckt, steigen die Preise und die Spekulanten werfen die Anleihen wieder in den Markt…

…und der ganze Prozess wiederholt sich… bis man letztendlich zahlungsunfähig ist.

Solange der Betrag, den man druckt, beschränkt ist, können die Spekulanten nach vorne schauen und sehen, wenn es zu Ende geht.

Der einzige Weg, diese Spekulationen gegen Ihre Anleihen zu beenden, ist zu sagen: Machen Sie sich nicht die Mühe meine Anleihen zu verkaufen, ich werde eine Unmenge an Geld drucken, um sie zu schützen.“

Dann endet das ganze Drama. Sparer und Investoren möchten bloß die Gewissheit, dass sie ihr Geld zurückbekommen. Die Bereitschaft Geld zu drucken, komplett ungehemmt durch das Gesetz oder den gesunden Menschenverstand, beruhigt sie.

In der Tat ist es in der heutigen Welt so, dass sie so viele Ihrer Anleihen kaufen, dass Ihre Zinsen unter das Niveau der Verbraucherpreise fallen werden (die normalerweise auch fallen)…und die realen Renditen sogar negativ machen!

Mit anderen Worten, wenn Sie zustimmen, sich wie ein verdammter Trottel zu verhalten, werden sie Ihnen Geld leihen und nach keinem wirklichen Ertrag fragen.

Das liegt daran, dass man das hat, was immer nötig ist“. All das ist mehr als merkwürdig. Aber auch sehr amüsant.Aber das lässt mir immer noch die Frage: Was braucht es wirklich, um eine Erholung zu erreichen?


Quelle: Kapitalschutz Akte
Die Bazooka – Theorie und Praxis  (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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Ein Kommentar auf "Die Bazooka – Theorie und Praxis"

  1. 4fairconomy sagt:

    Die Bazooka ist doch nichts mehr als ein homöopathisches Placebo!
    Arme Notenbanken, denn es ist alles was sie haben, und das ist nicht viel mehr als nichts. Geld „drucken“, wobei es dafür ein paar Sek. zwischen zwei Sitzungen oder vor dem Gang aufs Häuschen genügt: eine Zahl in den PC eintippen und Enter. Voilà. Nur bei den vielen Nullen sollte wohl etwas aufgepasst werden. 1 oder 10 Bil. machen auch noch heute einen kleinen Unterschied aus. Wie lange noch?(bei Mrd.-Beträgen ist die Situation heute schon unkritisch). Leider für die Notenbanken schafft Geld „drucken“ noch lange keine Werte. Es ist ein reiner Verdünnungsvorgang. Dem mehr an Geld steht deswegen immer noch gleichviel zum Kauf gegenüber. Solange genügend Leute an der Wirkung dieser Verdünnung glauben funktionierts. Ein Placebo eben.

    (N.B.: ich halte viel von der Hompöopathie und entschuldige mich hier bei allen, welche diese Methode hier vielleicht in einem schlechten Licht gestellt sehen. Wobei der aufmerksame Kenner der Homöopathie wird schnell bemerkt haben, dass hier der Vorgang der Potentzierung fehlt. In dem Sinne ist diese an obiger Stelle beschriebene Verdünnung eben doch keine Homöopathie sondern reine Scharlatanerie…Ein wirksames homöopathisches Mittel wäre es, wenn im Sinne der Potentzierung das Geld mit einer Umlaufsicherung versehen würde!).

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