Die Bären ruhen. Aber sie schlafen nicht!

1. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt

Noch am Donnerstag vergangener Woche rasselten die Aktienmärkte abwärts … und dann, oho, ja dann ging es aber zackig zur Sache. Angefeuert durch die Aussage Bernankes, über „weitere Maßnahmen“ erst in der nächsten Notenbanksitzung am 20.September zu diskutieren, die dafür sogar auf zwei Tage ausgedehnt wurde. Zumindest scheinbar. Denn in Wahrheit machen die Kurse momentan die Nachrichten, nicht umgekehrt…

In emotionalen Börsenphasen neigt man zwar dazu, bisweilen auch dumme Dinge zu tun. Aber dass die Rallye vom Freitag darauf fußte, dass die Marktteilnehmer nun keine Angst mehr haben davon müssten, ob und was die US-Notenbank tut … nachdem man vorher (unklugerweise) auf „Quantitative Easing III“ hoffte, das nicht kam – nein, so wirr ist die Mehrheit der Akteure weiß Gott nicht unterwegs. Zumal es dann hieß, es sei am Montag, Dienstag und Mittwoch weiter nach oben gegangen, weil Gerüchte umgingen, dass die US-Notenbank eine geheime Sitzung abhalten wolle, um „Quantitative Easing III“ doch noch vor Ende September zu starten. Nicht ausgeschlossen, aber letztlich dummes Zeug, zumal dies das Bild der Fed noch mehr beschädigen würde. Gestiegen sind die US-Aktien trotzdem.

Warum? Eigentlich ist es ganz einfach: Es ging aus den selben Gründen nach oben, die immer greifen, wenn es zuvor steil nach unten ging. Ich hatte es im Vorfeld der Abwärtsbewegung ja schon oft beschrieben: Nach Jahren bullisher Propaganda über unterbewertete Aktien, Unsummen verzweifelt nach Anlage suchenden Kapitals und stabiles Wachstum sind viele Akteure außerstande zu erkennen, dass die Realität ganz anders aussieht. Wie oft höre ich: „Ja, aber X oder Y haben doch gesagt, es geht weiter hoch. Und das steht sogar in der Zeitung!“ Tja, und dann komme ich mit meinem Geschwätz, das nicht in der Zeitung steht. Da ist natürlich klar, wer recht hat. Und somit sind Kurseinbrüche wie zuletzt für diese Menschen natürlich Schnäppchenkurse. Hinzu kommt:

Die Baissiers, die momentan am Markt agieren, sind schließlich keine Trottel. Gerade jetzt, wo die Chance besteht, auf Basis von Doppeltiefs in S&P, Nasdaq 100 und Dow Jones (der MDax hat auch ein solches „in der Mache“, siehe oben stehender Chart) eine kurzfristige Trendwendeformation zu erreichen, sieht man bei o.g. bullisher Klientel nur noch Schaum vorm Mund. Es wird blind und zügellos gekauft … und die Daytrader, die jeden Move mitzumachen pflegen, intensivieren diese Bewegungen natürlich. Welcher Bär würde denn da dagegenhalten, solange der Kaufdruck hoch ist? Das wäre völlig närrisch. Wenn ich die Bewegung wieder nach unten kippen will, verpulvere ich doch keine Unsummen, um einen rollenden Zug aufzuhalten. Nein, ich warte, bis sein Schwung von alleine nachlässt, weil sich die Käufer ausreichend mit Positionen vollgesaugt haben und nun darauf warten, dass die „anderen“ auch noch kaufen. Das ist der Moment, um den Bullen die Leiter unter den Füßen wegzuziehen, ohne dabei unnötig viel Kapital einsetzen zu müssen… (Seite 2)

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7 Kommentare auf "Die Bären ruhen. Aber sie schlafen nicht!"

  1. retracement sagt:

    O.K. ich les den Beitrag dann bei 6150 im Dachs nochmal. Möglicherweise ist dann die Kuh e3 schon zu Dosenwurst verarbeitet.
    War nicht von 8000 bis Jahresende die Rede?
    Ach, daß sind doch nur Zahlen für Zocker und anderes Gesindel. Propagandisten leistungslosen Einkommens. Hehe, da mach ich doch gerne mit. Sonst wär ich ja nicht hier am Schreiben.

    Edit: Grad schreibs ichs so hin und schon wird mir an mir selbst schlecht.

  2. Avantgarde sagt:

    „In emotionalen Börsenphasen neigt man zwar dazu, bisweilen auch dumme Dinge zu tun. Aber dass die Rallye vom Freitag darauf fußte, dass die Marktteilnehmer nun keine Angst mehr haben davon müssten, ob und was die US-Notenbank tut … nachdem man vorher (unklugerweise) auf „Quantitative Easing III“ hoffte, das nicht kam – nein, so wirr ist die Mehrheit der Akteure weiß Gott nicht unterwegs. Zumal es dann hieß, es sei am Montag, Dienstag und Mittwoch weiter nach oben gegangen, weil Gerüchte umgingen, dass die US-Notenbank eine geheime Sitzung abhalten wolle, um „Quantitative Easing III“ doch noch vor Ende September zu starten. Nicht ausgeschlossen, aber letztlich dummes Zeug, zumal dies das Bild der Fed noch mehr beschädigen würde.“

    Der Gedanke, daß all die QE-Maßnahmen den Aktienmarkt zwangsläufig hoch bringen müssen ist halt einfach nicht auszurotten.

    Das irrwitzige daran ist, daß Ben B. für die Hyperinflationistenfraktion inzwischen der größte Hoffnungsträger und fast schon eine Gallionsfigur ist.
    Was machen die Vertreter dieser Theorie nur wenn Ben mal nicht mehr ausreichend nach“drucken“ wird/kann?
    Vielleicht noch ein kleiner Unfall ala Lehman?

    Wie viele QEs hatte Japan noch gleich?
    Verschuldung bis weit über 200% des BIP – da sind die Amis noch Waisenknaben dagegen.

    Und was hat es für den Japanischen Aktienmarkt gebracht?
    Nix, nix und noch mal nix.
    Sie müssen sogar noch gegen ihre eigene Währungsstärke trotz Rekordverschuldung ankämpfen.
    🙂

    Auch in Japan begann es ja bekanntlich mit dem platzen der Grundstückspreise…

    Der große Trend bei Aktien ist negativ – und das hat Ronald Gehrt nicht erst seit gestern als einer der wenigen seriösen sehr richtig erkannt.

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  4. retracement sagt:

    Die Bären ruhen nicht, aber manche haben eine Stimme wie einer:
    http://www.youtube.com/watch?v=rdNFELAcJI4

    Gerne auch aus Italien

  5. holger sagt:

    OK… ich gehe hier ne Wette ein. Habe die ja fast schon mal gewonnen (ne @ Michael? ). War nur um ca. 20 Punkte (6000) niedriger am Stichtag. 6.666 zum 31.12.2011. Einsatz? Hmm? Wenn der große Dooms Day kommt, und ihr keine Bleibe habt, grille ich für Euch Doraden und ihr könnt bei mir übernachten.

    LG aus der JVA und in alle anderen auch.

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