Die Bankenkrise und ihre Konsequenzen für Anleger

2. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Was die Bewältigung der Schuldenkrise betrifft, können Banken nicht gerade hilfreich sein: Da die Anleihen von finanziell angeschlagenen Staaten an den Märkten weit unter ihren Nominalwerten gehandelt werden, taugen sie nur noch bedingt als Kreditsicherheit. Das verteuert die Refinanzierung der Banken. Damit wird deren Funktion als Treibriemen der Wirtschaft infrage gestellt.

Daraus folgt: Solange Banken wie beschrieben überwiegend mit sich selbst beschäftigt sind, besteht die Gefahr eines Konjunktureinbruchs in Europa. In den USA verläuft die Konjunktur ohnehin nur noch stotternd. Und wer glaubt, China einschließlich der anderen Fernostländer würde uns wieder herausreißen, dürfte falsch liegen. Denn gerade die Chinesen treten voll auf die Bremse, weil ihre Wirtschaft immer noch überhitzt ist. Folglich werden deutsche Exporteure nicht ein zweites Mal einen solchen Boom erleben wie 2010/11.

Die Börsen unter Führung der deutschen nehmen das alles auf ihre Weise vorweg, indem sie die Aktienkurse bis auf Weiteres nach unten jagen und den Goldpreis nach oben schießen lassen, wobei die zwischenzeitlichen Schwankungen nicht ohne sind. Die Logik dahinter: Börsianer erwarten zum einen sinkende Unternehmensgewinne, die sie mit sinkenden Kursen vorwegnehmen, zum anderen die Fortsetzung der Schuldenkrise, sodass Gold für sie der sichere Hafen, der Fels in der Brandung oder sonst noch für eine Sicherheits-Metapher ist.

Wie geht es weiter? Volkswirtschaftlich gesehen, werden wir es zunächst mit dem Nebeneinander von Ver- und Entschuldung zu tun bekommen, wobei die Verschuldung überwiegend auf das Konto der Staaten, die Entschuldung auf das Konto der Privatwirtschaft gehen wird. Das dürfte noch einige Jahre so weiter gehen. Die Konjunktur in Europa und Amerika wird nach jedem Anspringen immer wieder in den Stottermodus übergehen, danach von den Staaten mit kräftiger Unterstützung durch die Zentralbanken erneut etwas in Schwung versetzt werden usw. Derweil dürfte es Wachstumsraten, wie wir sie uns wünschen, überwiegend in China samt Umfeld geben.

Die Aktienkurse werden dieses Mal mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so stark einbrechen wie im Herbst 2008. Es gilt also, diesbezüglich einiges Pulver auf dem Tagesgeldkonto trocken zu halten, um in den kommenden Monaten spekulativ Aktienpositionen aufzubauen. Bis dahin dürfte Gold zusammen mit den anderen Edelmetallen und mit Edelmetallaktien noch für so manche positive Überraschung sorgen.

Und um nochmals auf die im heutigen Beitrag beschriebene Bankenkrise zu kommen: Sobald eine sog. systemrelevante Großbank in Schieflage zu geraten droht und das an den Börsen zu einem Schwarzen Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag oder Freitag führt, dürften die Aktienkurse ihren vorläufigen Tiefpunkt und die Edelmetallpreise ein zwischenzeitliches Hoch erreicht haben.

Manfred Gburek, 2. September 2011
Homepage von Manfred Gburek

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2 Kommentare auf "Die Bankenkrise und ihre Konsequenzen für Anleger"

  1. exc530 sagt:

    Ich muss doch sagen, das hört sich alles garnicht so schlimm an. Zumindest aus der Sicht derer, die mit dem schlimmsten rechnen, à la Gerald Celente-prognosen z.B.
    Also werde ich mein für heute geplantes Hochzeitsgeschenk doch etwas kleiner ausfallen lassen müssen, da es noch Gründe gibt, sich nicht nur möglichst schnell, sondern auch möglichst sinnvoll von seinen bunten Papierschnipseln zu trennen 🙂
    Wenn ich das Paar noch enger kennen würde und auch noch sicher wüßte,das alles wirklich nicht so schlimm kommen wird, würde ich mich sogar für eine milde EM-Gabe entscheiden. Ach mein steter (deutscher?) Pessimismus läßt mich von diesem Tun abstand nehmen, sowohl die engere Beziehung zum Hochzeitspaar, als auch das Verteilen von milden Gaben, zumindest in EM-Form.

    Fröhliche Grüße, Günter

  2. Gernot sagt:

    Die „Länderrisiken“ kommen dadurch zustande, daß die europ. Banken soviele Staatsanleihen der Euro-Staaten gekauft haben. Und warum haben sie die gekauft? Weil die Banken die Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital hinterlegen müssen, angeblich weil sie kein Risiko haben.

    Warum ist das so? Weil die Politik das so beschlossen hat. Die Länder, vor allem die GIIPS, konnten so mehr Schulden machen, und die Banken freuten sich über mehr -angeblich risikolose- Zinseinnahmen. Also eine Win-Win-Situation? Mitnichten, denn heute sehen wir, daß sich die Länder zu hoch verschuldet haben und vor der Pleite stehen, und daß die Anleihen faul sind, die die Banken in ihren Büchern haben.

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